Der Akademiegarten ist so etwas wie der Vorhof des Neuen Schlosses. Foto: Max Kovalenko

Der Akademiegarten zwischen Charlottenplatz und Neuem Schloss führt ein Schattendasein. Darüber waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion im Stadtmuseum einig. Gestritten wurde darüber, wie das für das Stadtklima bedeutsame Areal künftig gestaltet werden soll.

Stuttgart - Was passiert mit dem Akademiegarten, dieser 16 000 Quadratmeter großen Grünfläche mit teilweise jahrhundertealten Bäumen am Charlottenplatz, die vielen Stuttgartern angeblich gar nicht präsent ist? So jedenfalls schätzt es der Leiter des Stadtmuseums Torben Giese ein, der eine Po­di­ums­diskussion in seinem Haus dazu organisiert hatte. Dem Pu­blikum, in dem Anhänger des Vereins Aufbruch Stuttgart deutlich dominierten, ist der Akademiegarten sehr wohl ein Begriff – wenn auch nur als Symbol für die Frage, wie die Stadt insgesamt und die Kulturmeile im Speziellen künftig gestaltet werden soll. Einig war man sich auf dem Podium: Der Garten soll aufgewertet werden. Wie, daran scheiden sich die Geister.

Wieland Backes vom Aufbruch etwa, dessen Initiative das Areal mehrfach für den Bau einer Mischung aus Konzerthaus und Interimsoper ins Gespräch gebracht hatte, plädierte angesichts der politischen Debatte über den Klimawandel und der Relevanz der Grünfläche für das Stadtklima nun nur noch für eine „Einrahmung“ des Akademiegartens. Eine Randbebauung im Arkadenstil lasse Raum für Frischluftzirkulation, die den Stadtklimatologen an dieser Stelle wichtig ist. Dazu sei es aber notwendig, die Fläche in den Wettbewerb zur Umgestaltung der B 14 einzubeziehen. Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne), von Backes mehrfach ob der angeblich fehlenden Leidenschaft der Rathausspitze für die Stadtgestaltung angegangen, erwiderte, man werde die Randlagen der B 14 im Wettbewerb sehr wohl mit ins Kalkül ziehen: „Was wir aber ausschließen, ist, dass wir angesichts des Klimawandels die grüne Lunge der Stadt zubauen.“ Veronika Kienzle (Grüne), Bezirksvorsteherin von S-Mitte und im Staatsministerium für Fragen der Bürgerbeteiligung zuständig, zitierte Ergebnisse von Bürgerbefragungen, wonach sich die Stuttgarter im Rahmen des Konzepts einer Öffnung des Neuen Schlosses als Bürgerschloss sehr wohl eine Aufwertung des Akademiegartens wünschten, gleichzeitig die Grünflächen und die Bäume erhalten wissen wollen.

IBA-Intendant Andreas Hofer: „Die Stadt ist nicht nur Kulturmeile“

Für Vizeregierungssprecher Arne Braun ist der Akademiegarten im Moment „ein besserer Radweg“, der etwa durch Außengastronomie und mit Kulturveranstaltungen besser „bespielt“ werden müsse. Braun kündigte dazu eine Initiative für den nächsten Sommer an. Hanna Noller vom Verein Stadtlücken sprach sich ebenfalls dafür aus, dass der Akademiegarten Grünfläche bleiben solle. Es brauche mehr solcher Stadtlücken, die als generationenübergreifende Begegnungsstätten dienen könnten.

Den Blick von außen richtete der Züricher Andreas Hofer, Intendant der Internationalen Bauausstellung (IBA), auf das Thema. Er befürchtet angesichts des absehbaren Strukturwandels im Einzelhandel eine Verödung der Innenstädte. Es brauche daher neue Ideen – etwa für Wohnen, aber auch für Kultur in der Stadt. Zugleich machte Hofer deutlich, dass für ihn die Aufwertung der Kulturmeile nicht oberste Priorität genießt. Das Thema Interimsoper etwa werde nicht zum IBA-Projekt werden: „Diese Stadt ist nicht nur Kulturmeile.“ Man müsse sich den öffentlichen Raum und die Plätze in der Stadt insgesamt anschauen, so Hofer.

Einig waren sich die Diskutanten noch in einem weiteren Punkt: Der Schlüssel zu mehr Lebensqualität in der City ist die Reduzierung des Verkehrs und der Fahrspuren auf der B 14. Da fanden sich am Ende auch die Kontrahenten Wieland Backes („Wir haben zwei Autos in der Familie“) und Peter Pätzold („Wir haben gar keins mehr“) auf derselben Seite wieder.

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