Die Visualisierung des Entwurfs fürs Rosensteinquartier zeigt, was möglich wäre. Ob es dort tatsächlich einen See geben wird, ist eine andere Frage. Foto: /Lichtgut/Leif Piechowski

Die Gremien wollen die Bürgerschaft weiterhin an der Entwicklung des Rosensteinquartiers beteiligen. In einem Antrag fordern sie von der Verwaltung, den Vorschlag zu genehmigen.

Stuttgart-Nord - Ein Kajakfahrer paddelt über den See. Menschen lassen die Füße im Wasser und dabei die Seele baumeln. Oder sie spazieren unter hohen Bäumen zwischen begrünten Fassaden wie im Dschungel durch ihr Wohnquartier. Die Wege für Radfahrer sind breit. Und die Autos? Die sind nur unterwegs, wenn’s unbedingt sein muss. Die Visualisierung des Siegerentwurfs von ASP/Köber beim Wettbewerb für das Neubaugebiet Rosenstein zeigt ein Paradies, in dem die Bedürfnisse der Menschen nach urbaner Vielfalt, nachbarschaftlicher Nähe, nach viel Grün und Wasser verwirklicht sind. Eine Utopie dessen, was machbar wäre.

Bei einer Gemeinschaftssitzung der Bezirksbeiräte Stuttgart-Nord, -Mitte und -Ost am Montag setzte die Kritik der Gremien an dem überarbeiteten Entwurf der Planer am Utopischen an: „Die hohen Bäume und die begrünten Fassaden sehen fantastisch aus. Aber mir fällt keine solche Fassade ein“, stellte Sabine Mezger, Bezirksvorsteherin Stuttgart-Nord fest. Ihre Kollegin Veronika Kienzle (Mitte) bestätigte: „Keine, wo das gelungen ist“.

Urban, resilient (also robust) und grün: Das sind die drei Schlagworte, mit denen die Planer für Architektur und Städtebau vom Stuttgarter Büro ASP ihre Vorstellungen vom neuen Quartier Rosenstein präsentieren. Orientiert sei die Planung an der Situation der Innenstadt, wolle aber auch die Anforderungen der Zukunft einbeziehen, erläutert Cem Arat die Pläne. Bei der Entwicklung der resilienten Stadt setzt er auf eine „radikale“ Begrünung.

Die Planung in Zahlen: 560 000 Quadratmeter sind für Wohnungen vorgesehen. Die Entwickler gehen von 6600 Wohnungen à 90 Quadratmetern aus. Arat: „90 Quadratmeter sind allerdings hoch gegriffen, sodass es auch gut 7000 Wohnungen werden können.“ Statt um 20 wird der Park um 27 Hektar erweitert und hat damit insgesamt 80 Hektar Grün. Auf 100 000 Quadratmetern sind Bildungseinrichtungen, auf 200 000 Quadratmetern Gewerbe- und Dienstleistung vorgesehen. Auf 50 000 Quadratmetern verteilt im Quartier sind kulturelle Einrichtungen angesiedelt: an der Wolframstraße ein Konzerthaus, am Hauptbahnhof ein Kongresszentrum. Und am Ende der neuen Achse Wolframstraße gegenüber von Schloss Rosenstein: das Lindenmuseum und ein Haus der Kulturen. Der Park ist die neue Mitte sein zwischen Nordbahnhofviertel und Rosensteinquartier. Durch Bezüge wachsen Stuttgart-Ost und der Norden zusammen. Arat: „Deshalb muss die Cannstatter Straße unter die Erde.“ Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch der Höhenunterschied von 14 bis 16 Metern an der Schlossparkkante. Der wird langsam Richtung Schlosspark abgesenkt.

Befürchtung, dass die Bilderbuchstadt in der Planung stecken bleibt

Zustimmung bei den Beiräten gab es für die Planung eines Konzerthauses an der Wolframstraße, für die Einebnung der Höhensprünge und die Verbindung von Stuttgart-Nord und -Ost. Die Befürchtung, dass es bei schönen Bildern bleibt, die jedoch an der Realität scheitern, teilen die Gremien mit ihren Bezirksvorsteherinnen über die Fraktionsgrenzen hinweg.

Klaus Wenk (CDU, S-Mitte) will wissen, ob geklärt ist, dass es genügend Wasser zum Paddeln auf einem See gibt. Ralph Wöhrle (Grüne, S-Nord) „stimmt der Entwurf frohen Muts“. Er erinnert aber auch daran, dass die geplante Wasserfläche vor der Stadtbibliothek aus Kostengründen gestrichen wurde. Das gleiche passierte beim Büro- und Wohngebäude Look 21. Das geplante Wasser gibt’s nicht. „Auch beim Areal Rote Wand nicht“, ergänzt Sabine Mezger. Die schönen Pläne scheiterten regelmäßig an der harten Realität, stellt Jürgen Klaffke (Fraktion, S-Nord) fest. Zwar „toll“ findet den Entwurf Anna Kedziora (Freie Wähler, S-Nord). „Wie sollen aber so hohe Bäume in einem Bebauungsgebiet stehen? Außerdem kriegen wir nicht mal das Bächle am Killesberg zum Laufen“, gab sie ihrer Befürchtung Ausdruck, dass die Bilderbuschstadt im Entwurf stecken bleibt.

Markus Weismann von ASP appellierte an die Beiräte, ihre Skepsis zurückzustellen. „Wir zeigen auf, was möglich ist und haben ein Skelett entwickelt“ sagte er und wies darauf hin, dass er als Stuttgarter mit dem Entwurf einen Beitrag zu Stadtentwicklung leisten wolle. Nun gehe es darum, was Politik, Verwaltung und Bürgerschaft daraus machen.

Damit die Bürger weiterhin an der Planung beteiligt bleiben, haben die Bezirksbeiräte auf Anregung von Veronika Kienzle einen Antrag gestellt, in dem sie fordern, die Bürgerbeteiligung als begleitendes Element der Entwicklung des Rosensteinquartiers weiterhin beizubehalten.

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