Außengastronomie in der Region Die Sperrstunde rückt häufig in Richtung Mitternacht

Von Ann-Kathrin Schröppel und Rafael Binkowski 

Zapfenstreich um 22 oder 24 Uhr? Die Städte der Region handhaben es unterschiedlich. Foto: factum/Granville
Zapfenstreich um 22 oder 24 Uhr? Die Städte der Region handhaben es unterschiedlich. Foto: factum/Granville

Die Gastronomen am Ludwigsburger Marktplatz dürfen ihre Gäste nun bis Mitternacht außen bewirten. In Göppingen und Waiblingen ist das ähnlich – anderswo ist schon um 22 Uhr Schluss. Ein Überblick.

Ludwigsburg - Nach dem Scorpions-Konzert oder dem Schlager-Event mit Dieter Thomas Kuhn bei den Music Open am Schloss strömten im Juli die Massen in die Innenstadt – zumeist auf den Marktplatz von Ludwigsburg. Der verbreitet an warmen Sommerabenden nahezu mediterranes Flair. Doch häufig folgt die Enttäuschung: Nach 23 Uhr darf nicht mehr außen bewirtschaftet werden, Feierabend.

„Wir müssen ständig Leute wegschicken“, sagt eine Angestellte im Café Baron am Marktplatz. Angelina Giuliano, seit fünf Jahren Inhaberin im gegenüberliegenden Café Baci, hat kürzlich erst ihre Öffnungszeiten um eine halbe Stunde verlängert. „Hier ist auch abends viel Leben, und es wird immer mehr“, sagt sie.

Interessengemeinschaft von 14 Gastronomen

Restaurants und Cafés haben sich bei aller Konkurrenz zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen und sind gemeinsam bei der Stadt vorstellig geworden – und sie hatten mit ihrem Vorstoß nun Erfolg. „Eine neue Regelung betrifft 14 Gastronomen“, erklärt Meike Wätjen, eine Sprecherin des Rathauses. Von diesem Mittwoch an soll bis Ende Oktober testweise die Sperrzeit für die Außenbewirtschaftung rund um den Marktplatz an Freitagen, Samstagen und vor Feiertagen bis Mitternacht ausgedehnt werden. Der letzte Ausschank ist dabei um 23.30 Uhr.

Ludwigsburg betritt Neuland

„Das hilft uns, obwohl unser Hochbetrieb eher mittags ist“, sagt Angelina Giuliano vom Café Baci, und im Café Baron freut man sich noch mehr: „Zwischen 22 und 24 Uhr ist am meisten los.“ Ludwigsburg betritt damit Neuland, ist damit aber nicht die einzige Kommune, wie ein Blick in andere Mittelstädte der Region zeigt. In Göppingen etwa ist freitags und samstags Mitternacht die Regel. Auch in Waiblingen im Rems-Murr-Kreis ist das so.

In Böblingen ist hingegen um 22 Uhr das Ende für die Außengastronomie, wie der Sprecher Wolfgang Pfeiffer mitteilt. Auf Antrag kann bis 23 oder 24 Uhr geöffnet werden, das haben zehn Betriebe beantragt. Auch in Sindelfingen ist bereits um 22 Uhr Schluss, wobei es vereinzelte Ausnahmen bis 23 Uhr gibt. Diese Schlusszeit hat Esslingen für alle Gastronomen. Und die Stadt am Neckar plant auch keinen Versuch wie in Ludwigsburg, wie der Ordnungsamtsleiter Gerhard Gorzellik sagt: „Wir nehmen Rücksicht auf die Anwohner in der Innenstadt. Eine Sperrzeitverlängerung könnte Konflikte nach sich ziehen.“

Konfliktgefahr mit Anwohnern

Die gibt es andernorts bereits. Aus Böblingen berichtet Pfeiffer: „Das ist immer wieder ein Thema.“ Und in Göppingen mit der liberalen Mitternachtsregelung berichtet der Sprecher Dejan Birk-Mrkaja von „immer wieder vereinzelten Konflikten“. In Heidelberg klagen gar Anwohner gegen zu langes Feiern: Dort darf allerdings unter der Woche bis 1 Uhr und am Wochenende bis 3 Uhr gezecht werden. Aber nicht nur Außengastronomie sei das Problem, wie der Göppinger Sprecher berichtet: „Auch geöffnete Fenster in den Gastronomiebetrieben und der An- und Abfahrtsverkehr tragen zu Ruhestörungen bei.“

Das ist auch in Ludwigsburg nicht anders. Mancher Anwohner klagt auch darüber, dass um 4.30 Uhr schon das Müllfahrzeug kommt – und es keine sechs ungestörte Stunden Nachruhe gibt. Die Stadt will aber der Gastronomie entgegenkommen, zumal gerade die Altstadtwirte unter einer happigen Gebührenerhöhung für ihre Außenbestuhlung zu leiden haben. So kosten 150 Quadratmeter nun 6750 statt 2700 Euro im Jahr. „Es war die erste Erhöhung nach acht Jahren“, so die Begründung im Rathaus. Weil aber die Preise nicht einfach erhöht werden können, muss mancher Betreiber ein Minus verdauen. Einige klagen auch über extrem strenge Kontrollen der Sperrzeiten mit hohen Bußgeldern.

Innenstadtverein: Ein sinnvoller Kompromiss

Der Innenstadtverein Luis hofft durch die Reform auf eine Belebung. „Wir haben mit dem Marktplatz ein wunderbares Wohnzimmer“, erklärt Axel Müller. Das aber auch der Schlafplatz der Anwohner sei. Daher sei die Testphase an zwei Tagen vernünftig: „Ein sinnvoller Kompromiss.“

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