Alle Zwölf- bis 17-Jährigen in Deutschland sollen ein Impfangebot erhalten. Foto: dpa/Gregor Fischer

Der Bundesgesundheitsminister plant auch Auffrischimpfungen für über 70-Jährige und Bewohner von Pflegeheimen. Darüber soll die Gesundheitsministerkonferenz am Montag beraten.

Berlin - Alle Zwölf- bis 17-Jährigen in Deutschland sollen ein Impfangebot erhalten. So steht es in einem Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für die Beratungen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern an diesem Montag. Spahn will zudem, dass Ältere und Bewohner von Pflegeheimen ab September eine Auffrischimpfung bekommen.

Für die 4,5 Millionen Kinder und Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 sind die Vakzine von Biontech/Pfizer sowie von Moderna zugelassen. Die Ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut (Stiko) empfiehlt die Impfung für diese Altersgruppe nur eingeschränkt – also beispielsweise dann, wenn jemand an einer Vorerkrankung leidet.

Fast jeder zehnte Teenie ist geimpft

Ob und wann die Stiko eine allgemeine Empfehlung für Kinder und Jugendliche ausspricht, ist offen. Sie weist aber schon jetzt darauf hin, dass „nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz des Kindes oder Jugendlichen beziehungsweise des oder der Sorgeberechtigten“ eine Impfung möglich sei. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts waren zuletzt 9,3 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen vollständig gegen Covid-19 geimpft. 20 Prozent von ihnen hatten mindestens eine Impfung.

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Im Vorschlag Spahns für das Treffen der Gesundheitsminister heißt es, dass „nunmehr alle Länder für Zwölf- bis 17-Jährige Impfungen in den Impfzentren anbieten“. Zudem könnten sie auch von Haus- und Kinderärzten in deren Praxen geimpft werden. Das Land Schleswig-Holstein, wo an diesem Montag die Schule nach den Sommerferien wieder beginnt, möchte zudem Impftermine in den Schulen einrichten. Mecklenburg-Vorpommern plant, Impfteams in die Schulen zu schicken. Auch dort enden an diesem Montag die Sommerferien. In Baden-Württemberg wird es an den Wochenenden vom 21. und 22. August sowie vom 11. und 12. September in vielen Impfzentren Angebote ohne Terminbuchungen für Zwölf- bis 17-Jährige geben. Nähere Angaben gibt es auf der Internetseite www.dranbleiben-bw.de.

„Uns ist es wichtig, Zwölf- bis 17-Jährigen, die sich mit dem Einverständnis ihrer Eltern impfen lassen wollen, ein Angebot zu machen“, so der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne). „Die Sommerferien bieten sich dafür an, um dann im Herbst vollimmunisiert wieder in die Schulen zurückzukehren.“

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Mit Blick auf die „Auffrischimpfungen“ verweist Spahn in einer Beschlussvorlage auf „erste Studienergebnisse“. Sie zeigten, „dass es bei bestimmten Personengruppen vermehrt zu einer reduzierten oder schnell nachlassenden Immunantwort nach einer vollständigen Covid-19-Impfung kommen kann“. Das gelte vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem sowie für Hochbetagte und Pflegebedürftige.

Bleiben Coronatests kostenlos?

Deshalb sollen die Länder ab September mit mobilen Teams den sogenannten Boost anbieten. Für die Auffrischungen werden die Vakzine von Biontech und Moderna verwendet - und zwar unabhängig davon, mit welchem Vakzin die Betroffenen vorher geimpft worden waren. Zudem will Spahn, dass ab September alle Bürger, die mit Astrazeneca oder Johnson & Johnson vollständig geimpft sind, das Angebot für eine weitere Impfung mit dem Vakzin von Biontech bekommen.

Unterdessen berät die Bundesregierung weiter, ob Coronatests für Ungeimpfte auch künftig kostenlos sein sollen. Wenn alle, die sich impfen lassen könnten, ein Impfangebot erhalten hätten, so Finanzminister Olaf Scholz (SPD) bei Twitter, „dann wird es nicht mehr möglich sein, die Coronatests öffentlich zu bezahlen“.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) kündigte derweil engmaschige Kontrollen an den Grenzen an. „Bei Einreisen aus Ländern außerhalb der EU, an den Flug- und Seehäfen wird jeder kontrolliert, ohne Ausnahme“, sagte er der „Bild am Sonntag“. An den Binnengrenzen werde nur stichprobenartig kontrolliert. Bei Verstößen drohten empfindliche Bußgelder.

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