Der englische Singer-Songwriter James Bay tritt beim Southside Festival auf der blauen Bühne auf. Foto: dpa

Bei der 20. Auflage des „Southside Festival“ in Neuhausen ob Eck blieben die Zelte und die Besucher zunächst von Regen und Unwetter verschont. Andere Musikfeste hatten weniger Glück.

Neuhausen ob Eck - Als George Ezra das erste Lied anstimmt, wacht die Menge vor der Bühne beim „Southside Festival“ endgültig auf. Die kurze Nacht von Freitag auf Samstag scheint vergessen: Vergnügt tanzen junge Frauen in kurzen Hosen und Männer mit Sonnenbrillen zur Musik des englischen Sängers, viele sind geschminkt und machen Fotos, die meisten haben ein kühles Bier in der Hand. Die Sonne scheint, nur einige Wolken bedeckt, ein frischer Wind weht über das Gelände bei Neuhausen ob Eck (Kreis Tuttlingen).

Immerhin ist es am Samstag ein bisschen wärmer - noch am Freitag hatte so mancher Besucher bei 15 Grad gebibbert. Wer frierte, tanzte sich eben warm. Dabei gilt das Motto bei der 20. Auflage des Festivals: Je später der Abend, desto namhafter sind die Künstler: Auf George Ezra folgen beispielsweise The Offspring, Billy Talent, Wanda, Materia und Samy Deluxe. Insgesamt rund 100 Künstler und Bands hatte der Veranstalter für das Festival-Wochenende angekündigt.

Besucherstrom ist eine logistische Herausforderung

1999 hatte das Festival seine Geburtsstunde gefeiert. Damals kamen nach Veranstalterangaben noch 15 000 Besucher. Mittlerweile besuchen Jahr für Jahr rund 60 000 Menschen das Festival auf dem ehemaligen Militärflugplatz. Der Besucherstrom stellt Polizei und Veranstalter dabei immer wieder vor eine Herausforderung. 7500 Mitarbeiter sind dieses Mal an den Eingangskontrollen, Theken und hinter den Bühnen im Einsatz, dazu Hunderte Polizisten und Rettungskräfte.

Es ist ein buntes und ein weitgehend friedliches Musikfest. Manche Besucher haben sich sogar verkleidet: „Jeder schenkt uns Bier oder will uns interviewen“, erzählen Luca und Gabriel. Die beiden 18-jährigen Freunde haben sich als Nonne und Jesus verkleidet. „Es gibt keinen besseren Weg, um Kontakte zu knüpfen“, lautet ihr Fazit.

Ja-Wort auf dem Campingplatz

Steffen und Sabrina nutzten die ungezwungene Festival-Atmosphäre, um sich kirchlich zu trauen. Standesamtlich hatte das Paar bereits 2017 geheiratet. Den Pfarrer für die Zeremonie fanden die beiden nach einiger Recherche auf ihrem „Southside“-Wohnmobilplatz. Unter den Augen von 40 Freunden und Campingplatz-Nachbarn haben sie sich am Samstag das Ja-Wort gegeben. Ob der besagte Pfarrer auch wirklich einer war? Das wisse keiner, sagen sie lachend. Ist auch egal, denn in der „Southside“-Zeltstadt sieht man es für ein Wochenende mit den Konventionen des Alltags nicht ganz so eng.

Viele Festival-Besucher hinterlassen neben einer Menge geleerter Bierdosen auch allerlei anderen Müll. So gibt es 547 Mülltonnen, große Rückgabestationen, Müllsammler und ein Pfandsystem, um die Verschmutzung des riesigen Geländes wenigstens einigermaßen in Grenzen zu halten. Und was benötigt man noch, wenn 60 000 Menschen ein ganzes Wochenende lang campen und feiern? 550 wassergespülte Toiletten, 667 Dixiklos und 460 Duschen, so der Veranstalter.

Strenge Sicherheitskontrollen

Die Polizei zeigt bei der Geburtstagsauflage Präsenz auf dem Gelände. Bis auf Staus bei der Anreise am Donnerstag, Diebstähle, einige leichtere Körperverletzungen im Gedränge und Drogenfunde bleibt das Festival friedlich, wie Polizeisprecher Thomas Kalmbach am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur mitteilt. Auch der Veranstalter war mit dem Verlauf zufrieden. „Wir haben am Samstag die letzten Tickets verkauft und sind damit mit 60 000 Besuchern ausverkauft. Wir haben das perfekte Festivalwetter“, sagt Jonas Rohde.

Das Sicherheitskonzept ist streng: So dürfen die Besucher keine Getränke und nur ganz kleine oder durchsichtige Taschen mit auf das Festivalgelände nehmen. Nadine nimmt die strengen Kontrollen gelassen: „Man fühlt sich so definitiv sicherer.“ Über Terroranschläge mache sie sich schon viele Gedanken, sagt die 26-Jährige. „Aber es bringt ja nichts, sich zu verkriechen.“

Parallelfestival Hurrican ist mit Regenschauern gestartet

Die Johanniter sind an diesem Festival-Wochenende mit 450 ehrenamtlichen Helfern vor Ort. Im Vergleich zu den Vorjahren habe es bislang weniger Vorfälle gegeben, sagt Johanniter-Sprecherin Claudia Bangnowski am Samstag: „Am häufigsten waren Sprunggelenksverletzungen, Schnittverletzungen und Sonnenbrände.“ Auch wer zu viel getrunken hatte, kam zu den Johannitern.

Das „Southside Festival“ und das parallel stattfindende „Hurrican“ im niedersächsischen Scheeßel gehören zu den größten Veranstaltungen für Rock, Independent und Alternative. In Scheeßel war das Festival zeitgleich gestartet, allerdings mit Regenschauern. Dort wurden laut Veranstalter-Angaben das ganze Wochenende über insgesamt 65 000 Besucher erwartet.

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