Der dominante Kopf der grün-roten Landesregierung. Kretschmanns Beliebtheit legt es nahe, dass er 2016 nochmals antritt. Der 64-Jährige sagt dazu: Der richtige Zeitpunkt für diese Entscheidung ist 2015. Foto: Peter-Michael Petsch

Ministerpräsident Winfried Kretschmann spricht über Vertrauen, Bildung und die EnBW.

Winfried Kretschmann auf dem Weg in den Urlaub. Nach dem Dauereinsatz der vergangenen Monate gönnt sich der Ministerpräsident eine Pause – und feiert die Hochzeit seiner Tochter. Einer der letzten Termine vor seiner Abreise ist das Sommer-Interview mit unserer Zeitung im Garten der Villa Reitzenstein.

Herr Ministerpräsident, eine Frage an den Opern-Liebhaber: Sind Sie ein Richard-Wagner-Fan?
Wagner-Fan würde ich jetzt nicht sagen. Ich hab’ lange gebraucht, bis ich mich eingehört habe. Die Ouvertüre zu „Lohengrin“ gehört sicherlich zu den großartigsten Stücken der Musikgeschichte. Dass man die Texte von Wagner-Opern nicht so richtig versteht, ist andererseits nicht schlimm . . . (lacht)

Sie haben in Bayreuth gerade den „Fliegenden Holländer“ gesehen. Wie wichtig ist eine solche Auszeit für Sie?
Ob man es als Auszeit betrachten kann, möchte ich mal in Frage stellen. Es war dann aber doch vergnüglich, diesen Prominenten-Rummel mal mitzumachen.

Mit rotem Teppich . . .
Ja. Das war schon gewöhnungsbedürftig.

Wie kommen Sie damit zurecht, wenig Zeit zu haben? Was fehlt Ihnen am meisten?
Am meisten fehlen mir Zeitfenster für Kreatives. Ich habe jetzt allerdings damit begonnen, mir wieder Zeit freizuschaufeln. Mir ist es wichtig, ab und zu mal einen Abend mit interessanten Menschen zu verbringen, die mir etwas zu sagen haben.

Was sind das für Menschen?
Ich hatte zuletzt einen Abend mit Kunstschaffenden, einen Abend mit Wirtschaftsvertretern, einen Abend zum Thema intelligente Stromnetze. Solche Begegnungen in­spirieren mich und bringen neue Impulse.

Sie ringen um Zeitfenster. Was gibt Ihnen umgekehrt Ihr Job? Kann man überhaupt von Job sprechen?
Job würde ich auf keinen Fall sagen, es ist ein Mandat, mit dem man an führender Stelle gestalten kann. Nach 30 Jahren Opposition ins Staatsministerium zu kommen und das Land zu führen, hätte ich mir nie erträumt. Ich habe das Gefühl, jetzt wesentliche Dinge umsetzen zu können wie die Energiewende, für die ich 30 Jahre gekämpft habe.

Rätselfrage: Sie wollten keiner sein, jetzt sind Sie einer? Kennen Sie die Antwort?
(zögert, lacht). Nein.

Landesvater!
. . . (lacht)

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