In der nächsten Woche geht es los – auch für die Erstklässler Foto: dpa

Die Bildungsreformen in Baden-Württemberg müssten auch im Falle eines Regierungswechsels 2016 fortgesetzt werden, fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Stuttgart - „Alle angestoßenen Reformen sind notwendig“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz am Mittwoch in Stuttgart. Dabei geht es vor allem um die neuen Gemeinschaftsschulen, in denen Schüler gemeinsam lernen, unabhängig von Begabungen und Handicaps, sowie die Reform der Realschulen, die künftig auch den Hauptschulabschluss ermöglichen sollen. Um diese Reformen umzusetzen, müssten die Lehrer „entsprechend qualifiziert und unterstützt werden“. Die Opposition im Landtag kritisiert beide Projekte.

Positiv wertete Moritz, dass die Landesregierung von der geplanten Sparpolitik im Bildungsbereich abgewichen ist. Ursprünglich sollten in diesem Schuljahr 1800 Lehrerstellen wegfallen. Tatsächlich werden aber 758 Stellen neu geschaffen, weil die Schülerzahlen deutlich höher sind als vor einigen Jahren prognostiziert. Dazu trägt unter anderem die steigende Zahl junger Flüchtlinge bei.

Inzwischen steht die Landesregierung vor dem Problem, die nötigen Lehrer zu finden. Engpässe gibt es beispielsweise an den Sonderschulen. Weil künftig mehr Kinder mit Behinderungen eine Regelschule besuchen, werden zusätzliche Sonderpädagogen für die Regelschulen gebraucht, werden in den nächsten Jahren weitere Stellen geschaffen. Um diese auch besetzen zu können, solle die Landesregierung Grund- und Hauptschullehrern ein zweijähriges berufsbegleitendes Zusatzstudium für Sonderpädagogik ermöglichen, forderte Moritz. Damit könnten die Lücken relativ rasch geschlossen werden. Auch Lehrer für die Krankheitsvertretung würden knapp.

Kürzungen für Junglehrer

Dazu kommen noch regionale Probleme. Vor allem in Südbaden zögen es junge Lehrer teilweise vor, in der Schweiz zu unterrichten, weil sie dort besser bezahlt würden, sagte Moritz. Verantwortlich dafür macht sie auch die weitere Absenkung der Einstiegsgehälter für Junglehrer. Noch unter der CDU-FDP-Koalition waren diese in den ersten drei Berufsjahren um vier Prozent gesenkt worden, jetzt kürzt Grün-Rot nochmals um vier Prozent.

Deutliche Verbesserungen fordert Moritz für die Grundschulen. Die 180 neuen Stellen für die Sprachförderung seien ein „wichtiger erster Schritt“, reichten aber nicht aus. Mit dem Inkrafttreten der neuen Bildungspläne im nächsten Schuljahr müssten die Grundschüler zwei zusätzliche Stunden in Mathematik und Deutsch erhalten, verlangte sie. Nötig sei außerdem, weitere Lehrer für den Deutschunterricht für Flüchtlinge zu qualifizieren. Eine Schnellbleiche genüge nicht, um die anspruchsvolle Aufgabe in den so genannten Vorbereitungsklassen für Kinder ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen zu übernehmen. Außerdem müssten diese Klassen von höchstens 24 auf 15 Schüler verkleinert werden.

Der Opposition warf Moritz vor, durch falsche Behauptungen Eltern zu verunsichern. Sie nutze den internen Bericht einer Tübinger Gemeinschaftsschule, um die neue Schulart schlechtzureden. Damit mache sie auf Kosten engagierter Lehrer „Stimmung gegen eine wesentliche bildungspolitische Reform“. Statt den 271 Gemeinschaftsschulen die Mittel zu kürzen, seien weitere Ressourcen nötig. Eine Wahlempfehlung lehnte sie aber ab.

FDP kritisiert „Privilegierung“ von Gemeinschaftsschulen

„Privilegierungen, wie sie Grün-Rot bei der Gemeinschaftsschule vornimmt, verzerren den Wettbewerb der Schulen und schaffen damit Unfrieden“, konterte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Timm Kern. Sein SPD-Kollege Stefan Fulst-Blei kündigte an, dass die SPD ihren bildungspolitischen Weg fortführen werde. Grünen-Fraktionschefin Edith Sitzmann kündigte weitere Verbesserungen für die Grundschulen an. „Je früher wir Kinder fördern, desto größer ist später der ­Bildungserfolg.“

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