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Der stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende Jürgen Rieger ist tot. Das teilte die Familie am Donnerstag mit. Rieger galt als wichtigster Geldgeber der finanzklammen NPD.

Berlin - Der stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende Jürgen Rieger ist tot. Das teilte die Familie am Donnerstag mit. Demnach erlag Rieger am Mittag in einem Berliner Krankenhaus mit 63 Jahren den Folgen eines Schlaganfalls. Zuvor hatte er tagelang mit dem Tod gerungen.

Auf der Homepage von Riegers rassistischer Sekte "Artgemeinschaft - Germanische Glaubensgemeinschaft" ist seit Wochenanfang als Eingangslogo eine Todesrune zu sehen und der Spruch: "Besitz stirbt, Sippen sterben, du selbst stirbst wie sie; eins weiß ich, das ewig lebt: der Toten Tatenruhm."

Jürgen Rieger galt als wichtigster Geldgeber der finanzklammen NPD. Erst im April hatte die Bundestagsverwaltung der rechtsextremen Partei wegen Fehlern im Rechenschaftsbericht 2007 eine Strafe von 1,2 Millionen Euro auferlegt. Obendrein fehlen 870.000 Euro, die ein ehemaliger Schatzmeister veruntreut hatte.

Ein langjähriger Aktivist der rechtsextremen Szene klagt auf der rechtsextremen Internetseite Altermedia, dass man den Schaden durch Riegers Tod "heute noch gar nicht absehen und beurteilen könne". Und die Jungen Nationaldemokraten aus Jena bringen ihre Trauer auf den Punkt: "Interessant dürfte die Verteilung seines Erbes werden." Vor allem für die NPD selbst. Denn sollte Rieger für den Fall seines Todes keine Vorkehrungen getroffen haben, "könnte nicht bloß die NPD Finanzprobleme bekommen", sagt die Rechtsextremismusexpertin Andrea Röpke. Riegers Familie hat sich stets von ihm politisch distanziert.

Jürgen Rieger: Vermögen von Altnazis

Seit den 1970er Jahren hat Rieger - der aus einer angesehenen Hamburger Ärztefamilie stammt und reich heiratete - bundesweit zahlreiche Rechtsextremisten und Holocaustleugner vor Gericht vertreten, darunter Michael Kühnen und Horst Mahler. Gern wählte er dabei die Taktik der Prozessverschleppung. So verlangte er 1993 in einem Verfahren vor dem Landgericht Stuttgart gegen die Gründer des Komitees zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers die Vernehmung von 500 Zeugen - woraufhin er als Pflichtverteidiger abgelöst wurde.

Rieger erwarb immer wieder teure Immobilien, die als Tagungs- und Versammlungszentren für Treffen von Neonazis dienen sollten. Woher das Geld kam, ist unklar. Er selbst hatte 2005 einmal gesagt, ein Teil stamme aus Hinterlassenschaften von Altnazis, die wollen, "dass ihr Vermögen der Bewegung" zugute komme.

"Sveneby Säteri": Rieger will reinrassige Deutsche

1995 erwarb der Hamburger in Südschweden für rund 1,6 Millionen Euro "Sveneby Säteri", ein burgähnliches Herrenhaus mit 650 Hektar Land. Mit Anzeigen versuchte Rieger, "reinrassige" Deutsche anzulocken, die dort "germanische Nachkommen" großziehen sollten. Ohne Erfolg. Stattdessen sammelten sich schwedische Neonazis in der Gegend des Gutshofes, nachdem der führende Rechtsextremist Klas Lund ein Gelände von 650 Hektar in unmittelbarer Nähe gekauft hatte. Auch in Deutschland gelangten in den letzten Jahren mehrere Immobilien in den Besitz Riegers.

Ohne Riegers Millionen hätte die NPD ein Problem. Auf seiner Homepage ist zu lesen, dass er für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2006 auf die Rückzahlung von knapp 300.000 Euro verzichtete. Zudem verlängerte er einen 150.000-Euro-Kredit und schoss zusätzlich 75.000 Euro zu. Bei der Bürgerschaftswahl 2004 in Hamburg will er der NPD mit 120.000 Euro, bei der Landtagswahl 2007 in Niedersachsen mit 50.000 Euro beigesprungen sein. Klar, dass sich die Partei in hellem Aufruhr befindet. "Er konnte durch sein Vermögen ungehemmt Hass schüren", sagt Sebastian Brux von der Amadeu-Antonio-Stiftung.

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