Jos Luhukay (links) und Jan Schindelmeiser marschieren getrennt. Foto: Rudel

Der Konflikt zwischen dem Sportvorstand Schindelmeiser und dem Trainer Luhukay entzündet sich an den Transfers von Asano, Mané und Pavard. Ob der Bruch noch zu kitten ist, erscheint sehr ungewiss.

Stuttgart - Wie alt ist Langerak? Wie alt ist Insua? Wie alt ist Sunjic? Wie alt ist Klein? Wie alt ist Gentner? Wie alt ist Hosogai? Wie alt ist Großkreutz? Wie alt ist Werner? Wie alt ist Terodde? Als Jan Schindelmeiser nach der 1:2-Blamage am Freitag gegen Heidenheim gefragt wird, ob seiner Mannschaft vielleicht die Erfahrung fehlt, antwortet der Sportvorstand des VfB Stuttgart mit diesen neun Gegenfragen. Die von ihm aufgezählten Spieler sind allesamt schon lange Profis und Routiniers um die 30. Noch Fragen?

Dass Schindelmeiser an diesem Abend überhaupt mit einem solchen Thema konfrontiert wird, liegt weniger an den anwesenden Reportern im Presseraum der Mercedes-Benz-Arena, sondern vielmehr an seinem eigenen Trainer Jos Luhukay, der zuvor die entsprechende mediale Steilvorlage geliefert hatte. So wird spätestens nach diesem für den VfB bitteren Ergebnis gegen Heidenheim klar, dass die Chemie zwischen Luhukay und Schindelmeiser schwer gestört ist. Dem Vernehmen nach reden die beiden nur noch das Nötigste miteinander – und manchmal nicht einmal mehr das.

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Jetzt ist der Bruch öffentlich, nachdem Luhukay am vergangenen Mittwoch die Politik von Schindelmeiser kritisiert hatte. Der Sportvorstand hatte Ende August auf den letzten Drücker in Takuma Asano (21), Carlos Mané (22) und Benjamin Pavard (20) drei hoffnungsvolle Spieler verpflichtet, die der Trainer im Rahmen einer Pressekonferenz auf seine Weise begrüßt hat.

Der Trainer fühlt sich übergangen

Luhukay sagte, das Trio habe eines gemeinsam – keiner sei zuletzt bei seinem Club oft eingesetzt worden. Von daher brauche man Zeit und Geduld, um Asano, Mané und Pavard zu integrieren. Der Trainer machte kein Geheimnis daraus, dass er in diese Transfers nicht eingebunden war und lieber etablierte Profis geholt hätte. Auf seinen früheren Stationen habe er die Abstimmung mit dem Management anders erlebt, sagte Luhukay, „aber ich kann damit umgehen“.

Das war ein Schlag ins Kontor von Schindelmeiser. Als er nach der Partie gegen Heidenheim gebeten wird, eine Stellungnahme zu den eindeutig provokanten Sticheleien seines Trainers abzugeben, windet er sich. Schließlich erwidert er: „Für mich ist es ex­trem schwierig, dazu etwas zu sagen – und deshalb will ich die Äußerungen auch gar nicht kommentieren.“ Nach diesem für das angespannte Verhältnis der beiden bezeichnenden Satz folgt aber doch noch ein Konter gegen Luhukay. „Dass Asano, Mané und Pavard ihre Qualitäten haben – diese Meinung haben wir nicht exklusiv. Das wussten auch andere Clubs“, sagt Schindelmeiser, „und außerdem hätten wir diese Jungs mit Sicherheit gar nicht bekommen, wenn sie in den vergangenen Monaten 20 Spiele bestritten hätten.“ Nur so viel, Herr Luhukay. Punkt.

Dieses indirekt ausgetragene Wortgefecht zwischen dem Sportvorstand und seinem Trainer zeigt, wie tief die Gräben sind und dass der VfB vor einer inneren Zerreißprobe steht – nach dem vierten Spieltag der Saison. Dabei hat sich die Vereinsführung das Desaster selbst eingebrockt, indem sie im Mai zunächst den Trainer Luhukay und dann erst im Juli den Sportvorstand Schindelmeiser eingestellt hat.

Laut VfB war das damals zwar der besonders instabilen Gesamtlage nach dem Abstieg aus der Bundesliga geschuldet, doch im Gegensatz zu Schindelmeisers Bewertung über die Fähigkeiten von Asano, Mané und Pavard hat der Club diese Herangehensweise tatsächlich ziemlich exklusiv. Nicht nur im Fußballgeschäft wird üblicherweise zuerst der Posten des Chefs besetzt, der anschließend seinen Mitarbeiterstab zusammenstellt. Beim VfB lief es umgekehrt – mit dem nun bekannten Resultat.

Schindelmeiser muss auch an die Zukunft denken

Das Tischtuch zwischen dem leitenden Angestellten Schindelmeiser und seinem wichtigsten Angestellten Luhukay ist zerschnitten. „Ich habe doch auch die Verantwortung, für die Zukunftsfähigkeit des Vereins zu sorgen“, sagt Schindelmeiser. Dazu passt die Maßnahme mit den entwicklungsfähigen Asano, Mané und Pavard. Aber Luhukay geht diesen Weg nicht mit – weil er selbst die Richtung bestimmen will?

Eine ähnliche Konstellation hat es beim VfB schon einmal gegeben – vor sechs Jahren, als Christian Gross nicht nur Trainer, sondern auch noch Manager sein wollte. Das war aber Fredi Bobic. Gross wurde entlassen. Heute ist zu hören, dass sich Wolfgang Dietrich eher auf die Seite von Luhukay schlagen würde, wenn er am 9. Oktober zum neuen Präsidenten gewählt wird.

„Es funktioniert nur, wenn wir die Entscheidungen gemeinsam umsetzen“, sagt Schindelmeiser. Passiert das nicht, hat für ihn aber trotzdem eines Bestand: „Der Verein wird am 30. Juni 2017 nicht aufgelöst.“ So weit kommt es nicht einmal beim VfB.

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