Unsere VfB-Taktiktafel analysiert das aktuelle Spiel des Clubs mit dem Brustring. Foto: Jonas Bischofberger

Unser Taktikblogger Jonas Bischofberger analysiert hier die Partie des VfB Stuttgart gegen den 1. Fc Heidenheim und präsentiert uns die taktischen Stärken und Schwächen der beiden Teams.

Stuttgart - Der VfB stellt um, ohne wirklich umzustellen, und unterliegt damit einer gut verteidigenden Heidenheimer Mannschaft.

  • Einrückende Flügelspieler und offensive Außenverteidiger beim VfB
  • Stuttgart mit mutigem Spielaufbau
  • Heidenheims starkes Pressing überrumpelt die Gastgeber
  • Lange Bälle nach der Pause

Die Aufstellung und auch die Grundordnung, in der Jos Luhukay sein Team ins Rennen schickte, blieb die selbe wie vor zwei Wochen gegen den SV Sandhausen. Trotzdem gab es taktisch einige Neuerungen zu beobachten. Die Flügelspieler Jean Zimmer und Tobias Werner rückten häufiger ins Zentrum ein als zuletzt. Werner zeigte viele Läufe in die Spitze, während Zimmer sich offene Räume im Zentrum suchte, die er besetzen konnte. In der Folge mussten Klein und Insua weiter aufrücken, um vorne für Breite zu sorgen.

Passend dazu versuchte der VfB auch im Spielaufbau mehr durchs Zentrum zu agieren. Ein Problem war jedoch, dass Sama, Sunjic und Zimmermann dabei oft allein gelassen wurden. Die Abstände zu den weit aufrückenden Gentner und Özcan waren zu groß. Das Loch im Mittelfeld musste oft direkt mit flachen Pässen überbrückt werden, was nicht ganz ungefährlich war. Gerade Zimmermann löste diese schwierige Aufgabe noch ganz solide, nichtsdestotrotz unterliefen allen drei zentralen Aufbauspielern Fehler, die Heidenheim zum Kontern einluden.

Gutes Pressing des FCH

Die Gäste aus Heidenheim hatten auch einen großen Anteil daran, dass der VfB im Aufbau Probleme hatte. Ihr Pressing war wie dafür gemacht, eine Mannschaft, die taktisch etwas Neues probiert und sich generell noch nicht optimal gefunden hat, zu bespielen. Aus ihrer 4-4-2-Ordnung heraus wechselten sie immer wieder zwischen hohem Angriffspressing und eher zurückhaltenden Phasen. Der VfB kam mit diesen Rhythmuswechseln des Gegners kaum zurecht und ließ sich mehr als nur einmal vom hohen Zustellen der Heidenheimer überraschen.

Auch im Detail überzeugte die Defensivarbeit der Mannschaft von Frank Schmidt. Die Stürmer positionierten sich sehr flexibel, mal hintereinander, mal nebeneinander. So verhinderten sie, dass der VfB seine theoretische drei-gegen-zwei-Überzahl mit Sunjic, Sama und Zimmermann ausspielen konnte. Die übrige Mannschaft arbeitete viel mit direkten Zuordnungen. Schnatterer und Halloran standen etwa fünf bis zehn Meter von Insua und Klein entfernt und konnten direkt Druck machen. Die Sechser verfolgten Gentner und Özcan, wenn die beiden auf die Flügel auswichen. Dadurch ließ Heidenheim wiederum ein bisschen das Zentrum offen, was auch dazu beitrug, dass der VfB diese Räume häufiger suchte.

Auch der VfB versuchte ein hohes Pressing aufzuziehen, war dabei jedoch weniger wirkungsvoll. Aus dem 4-1-4-1/4-2-3-1-Mix wurde gegen den Ball eine 4-1-3-2-Formation mit Özcan als zweiter Spitze. Damit wurden die Innenverteidiger von Heidenheim zugestellt, während Gentner zusätzlich Druck auf einen der Sechser machen konnte. Zimmermann zog sich dagegen weit zurück, um der Abwehr bei langen Bällen zu helfen. Der FCH befreite sich aus der Umklammerung, indem sie den Ball auf die Flügel schlugen. Die Offensive zog sich in solchen Situationen gut zusammen, um den zweiten Ball zu erobern. Da Gentner und die Flügelspieler weit aufgerückt waren, konnte Heidenheim hier immer wieder Überzahl schaffen und sich zumindest ein bisschen nach vorne arbeiten. Das Loch zwischen Zimmermann und Gentner führte im Anschluss dazu, dass der Rückraum nach Flanken komplett offen war. Der FCH kam so zu einigen Fernschüssen.

Zweite Halbzeit: Experiment zur Hälfte beendet

Nach den ersten 45 Minuten passte der VfB seine Strategie an. Anstatt mit flachen Pässen und Kombinationen nach vorne zu kommen, verringerte man das Risiko und griff häufiger auf lange Bälle zurück. Diese wurden allerdings immer noch bevorzugt in mittige Zonen gespielt und nicht auf die Flügel. Anschließend wollte man den zweiten Ball erobern und die Angriffe weiter ausspielen. Das war keine besonders effiziente Methode, da Heidenheim sich kaum zu Fehlern hinreißen ließ, aber es brachte zumindest zwei, drei gute Szenen ein. Defensiv und im Aufbauspiel blieb der VfB jedoch zu fehlerhaft. Außerdem rückten die Außenverteidiger immer noch weit auf, was das Konterrisiko erhöhte. Das bekam der VfB beim entscheidenden 1:2-Treffer zu spüren, als Florian Klein weit mit nach vorne gegangen war. Heidenheim konnte nach dem Ballgewinn mit einem einfachen Pass die schlecht organisierte Absicherung durchbrechen und schnappte sich damit den Sieg.

Fazit

Mit offensiveren Außenverteidigern, erhöhtem Fokus aufs Zentrum und mutigeren Aufbauspiel ging Jos Luhukay überraschend viel ins Risiko. Die Pressingmannschaft FC Heidenheim war dafür vielleicht der falsche Gegner, wie auch das Personal noch nicht ganz zu dieser Herangehensweise passen wollte. Man wird sehen, ob in den nächsten Spielen wieder mehr auf Sicherheit gespielt wird, oder ob die Entwicklung zu ergiebigerem Offensivspiel und besserer Nutzung des Zentrums fortgesetzt wird. Vielleicht sind es ja die Neuzugänge, die diese Entwicklung tragen werden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: