Larven des Borkenkäfers und tote Borkenkäfer sind auf dem Gelände der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in einem Stück Baumrinde zu sehen. Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

Schädlinge wie der Borkenkäfer setzen den Wäldern immer mehr zu. Mal weniger wie in den vergangenen beiden Jahren – mal deutlich mehr, wie es nun der Fall zu sein scheint. Denn noch bevor die erste Brut ausschwärmt, warnen Experten.

Nach den vergangenen trockenen und heißen Wochen schlagen Forstbesitzer, Förster und Wissenschaftler Alarm: Sie warnen vor einer gewaltigen Welle von Borkenkäfern in den baden-württembergischen Wäldern. Der Befall steige weiter rasant und sei derzeit in einigen Regionen bereits doppelt so hoch wie zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr, bilanziert die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg.

Welche Generation der Borkenkäfer ist derzeit besonders aktiv?

Demnach handelt es sich weitgehend um Tiere, die den Winter überlebt haben und weniger um erste Jungkäfer, die erst mit Beginn der wärmeren Tagen ausgeschwärmt sind. „Das ist das Erbe des vergangenen Jahres, das hatten wir befürchtet“, sagt FVA-Experte Markus Kautz in Freiburg. „Der Effekt des laufenden Sommers wird erst noch kommen.“

Auch der Landeswaldverband schaut besorgt auf die Ergebnisse der jüngsten Zählungen beim sogenannten Borkenkäfer-Monitoring. „Die Fichten sind bereits geschwächt, das Futter für die Borkenkäfer liegt buchstäblich bereit“, betont Verbandssprecher Ulrich Potell. „Die bisherigen Zahlen zeigen, dass wir auf einem besorgniserregenden Weg sind.“

Wie groß sind die Probleme mit dem Schädling?

Sie sind immens. Die Hoffnungen vieler Waldbesitzer nach dem kühlen und nassen Frühling haben nicht erfüllt. Im Gegenteil: Die Zahlen explodieren geradezu. „In den vergangenen Wochen hatten wir stets Temperaturen zwischen 16,5 und 30 Grad. Genau das braucht der Borkenkäfer“, erklärt Ulrich Potell. „Jetzt rollt eine riesige Welle auf uns zu.“

Befallene Bäume müssen so schnell wie möglich erkannt, geschlagen und aus dem Wald gebracht werden, fordert FVA-Experte Kautz. Das allerdings könnte angesichts des starken plötzlichen Befalls schwer werden, denn Hinweise auf Borkenkäfer wie frisches Bohrmehl müssen mit bloßem Auge gesucht werden.

Kommt der Sommer 2023 den Borkenkäfern entgegen?

Der aktuelle Sommer ist ganz nach dem Geschmack des Borkenkäfers: Denn je wärmer und trockener die Tage daherkommen, desto stärker vermehren sich die Schädlinge. Sie bohren sich in die Bäume und legen ihre Eier unter der Rinde ab.

Nach dem Schlüpfen ernähren sich die Larven von der Bastschicht des Baums. Diese dünne Schicht unter der Rinde ist aber das lebenswichtige Adersystem des Baums. Darin werden Wasser und Nährstoffe transportiert. Wenn die Schicht zerstört wird, stirbt der Baum.

Weil die Temperaturen immer früher im Jahr steigen und es länger warm bleibt, haben Borkenkäfer mittlerweile oft ausreichend Zeit für eine dritte Generation. Es überwintert also eine zunehmend größere Zahl, die auf immer schwächere Bäume trifft.

Welchen Bäumen setzen die Schädlinge besonders zu?

In Zeiten von Dürre und anderen Wetterextremen kämpfen Fichten und andere Arten generell ums Überleben, viele sind durch Pilzbefall angeschlagen und bringen keine Energie mehr auf, um sich mit Harz gegen Angriffe der Insekten zu verteidigen. Betroffen sind neben Fichten, auf die es die Borkenkäferart Buchdrucker abgesehen hat, auch Douglasien, Lärchen und Tannen.

Sorgen machen sich die Waldbesitzer auch, weil die Borkenkäfer zunehmend in die höheren Lagen eindringen, in denen ihnen das wärmer werdende Klima von Jahr zu Jahr mehr zusagt. Ulrich Potell: „Diese Höhenlagen werden uns als Waldgebiete langsam ausgehen.“

Info: Wald in Deutschland

Waldfläche
Deutschland ist ein waldreiches Land. Mit 11,4 Millionen Hektar sind 32 Prozent der Gesamtfläche mit Wäldern bedeckt. In den letzten zehn Jahren hat die Waldfläche um 50 000 Hektar (0,4 Prozent) zugenommen. 13 Prozent der Landesfläche werden für Siedlung und Verkehr sowie 52 Prozent für die Landwirtschaft genutzt.

Bäume
Über 90 Milliarden Bäume wachsen in Deutschlands Wäldern. Das ergab die bundesweite Waldinventur. Von den 76 Baumarten, die hierzulande vorkommen, sind 56 Prozent Nadelwald und 44 Prozent Laubwald. Die Fichte ist mit 26 Prozent die häufigste Baumart in Deutschland, gefolgt von der Kiefer (23 Prozent), der Buche (16 Prozent) und der Eiche (zehn Prozent).

Baden-Württemberg
Nach Bayern (2,6 Millionen Hektar Wald) ist Baden-Württemberg mit 1,4 Millionen Hektar das Bundesland mit den meisten Wäldern. 40 Prozent der Landesfläche sind von Wald bedeckt. Damit steht der Südwesten auf Platz vier hinter Hessen und Rheinland-Pfalz (jeweils 42 Prozent) sowie dem Saarland (40 Prozent).