Der Königsbau braucht genauso eine umfassende Sanierung wie das Neue Schloss auf der anderen Seite des Schlossplatzes. Foto: Leif Piechowski

Der Schlossplatz ist die gute Stube der Landeshauptstadt. Dort finden viele Veranstaltungen statt. Doch es gibt erheblichen Sanierungsbedarf an mehreren Stellen. Derzeit läuft die Prüfung, welche Lösungen möglich sind – bis hin zu erstaunlichen Maßnahmen.

Stuttgart - Vor einigen Tagen sah sich die Finanzministerin des Landes veranlasst, ein paar Takte zu sagen. „Es ist klar, dass eine Baustelle die Jazz Open nicht gefährden darf“, teilte Edith Sitzmann unserer Zeitung mit. Und das nicht ohne Grund. Denn bei den Veranstaltern der Konzertreihe im Ehrenhof des Neuen Schlosses sind Sorgen aufgekommen. Wird das Schloss saniert und gleichzeitig zum Teil in ein Bürgerschloss mit öffentlicher Nutzung verwandelt, wird eine jahrelange Baustelle nötig. Und wo sollte das Festival, bei dem regelmäßig Weltklasse-Künstler wie zuletzt Bob Dylan auftreten, dann seine Heimat finden?

Trotz der Ansage der Ministerin bleibt diese Frage berechtigt. Denn rund um den Schlossplatz stehen in den nächsten Jahren große Baumaßnahmen an. Da ist zum einen das Neue Schloss. Derzeit prüft das Land verschiedene Varianten. Basis ist eine Studie des Berliner Architekturbüros Sting. Sie sieht im Kern eine Sanierung und technische Erneuerung des Mitteltrakts vor. Es könnte Räume für Kultur und Gastronomie geben. Auch eine Nutzung der Flächen unter dem Ehrenhof ist im Gespräch, denn die Autos an der Oberfläche sollen verschwinden.

Im März haben fast 100 Beteiligte beim „Großen Ratschlag“ über die Möglichkeiten diskutiert. Noch bis Dienstag können Bürger auf dem Landesportal im Internet weitere Anregungen geben. „Derzeit läuft nicht nur das Beteiligungsverfahren, sondern es gibt auch noch Abstimmungen und Prüfungen verschiedener Nutzungs- und Sanierungsmöglichkeiten“, sagt Arne Braun vom Staatsministerium. Dazu gehört nach Informationen unserer Zeitung auch eine große Variante. Sie sieht einen Abzweig vom Planietunnel in Richtung Ehrenhof vor, um dort unterirdisch eine Anlieferzone und einige Parkplätze einzurichten. Das würde einen Tunnel unter dem Schlossplatzes bedeuten.

Mieter im Königsbau hängen in der Luft

Damit ist es aber nicht getan. Auch der Königsbau braucht eine umfassende Frischzellenkur. „Wir gehen davon aus, dass mittelfristig ein Sanierungsbedarf über den normalen Bauerhalt hinaus entstehen wird“, heißt es im Finanzministerium. Es gebe dazu erste Überlegungen. Ganz so neu sind die allerdings nicht. „Es gab schon vor einiger Zeit Gespräche mit dem zuständigen Amtsleiter“, sagt Kästner-Chef Uwe Blannarsch. Demnach ist ein Ingenieurbüro beauftragt worden, Art und Umfang der nötigen Arbeiten zu ermitteln. Die möglichen Kosten, die dabei auf den Tisch kamen, sollen im Ministerium nicht gerade Begeisterung ausgelöst haben. Offenbar geht es auch um Brandschutzthemen – sämtliche Leitungen im Haus sind 60 Jahre alt.

Auf die Mieter, oft noch inhabergeführte Traditionsgeschäfte sowie Büros, hat das Auswirkungen. „Ein schwebender Zustand ist nie schön“, sagt Christoph Achenbach, Geschäftsführer von Lederwaren Acker. Man brauche für eigene Investitionen irgendwann Klarheit. Aus dem Ministerium ist zu hören, dass sogar eine Containerlösung erwogen werde, bei der alle Mieter vorübergehend ausziehen müssten. Denkbar wäre aber auch, Teile des Gebäudes zu entmieten, um einige Geschäfte dort während der Bauzeit interimsweise unterzubringen. Langfristige Mietverträge werden bereits nicht mehr gemacht, was Unruhe im Haus auslöst.

Bei der Stadt Stuttgart heißt es, man sei darüber informiert, was im Gespräch ist, aber derzeit noch nicht an den Planungen beteiligt. Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle betont, dass sich sämtliche Pläne noch in einer frühen Phase befänden. „Stadt und Land sind daran interessiert, dass die Veranstaltungen auf dem Schlossplatz weiter stattfinden können“, betont sie aber.

Public Viewing zur EM 2024?

Neben den Jazz Open gibt es eine Vielzahl weiterer Feste und Veranstaltungen auf dem Platz. Beim SWR, der im Ehrenhof sein Sommerfestival ausrichtet, will man sich noch nicht äußern, ohne die konkrete Planung zu kennen. Auch die städtische Veranstaltungsgesellschaft in.stuttgart, die auf dem Schlossplatz und angrenzend Sommerfest, Historisches Volksfest und Weihnachtsmarkt organisiert, hält sich noch zurück. Dort erinnert man aber daran, dass bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 auch in Stuttgart Spiele ausgetragen werden. Das könnte ein Public Viewing auf dem Schlossplatz wie bei der WM 2006 bedeuten. Bei einer Großbaustelle wäre das undenkbar.

Citymanager Sven Hahn macht sich generell Gedanken um die Innenstadt. „Es ist zwar eine gute Idee, das Neue Schloss für die Bürger zu nutzen. Aber eine Lösung mit Tunneln würde eine enorme Baustelle bedeuten“, sagt er. Davon gebe es mit dem Marktplatz, dem Komplex Königstraße 1 bis 3, dem Königsbau, Stuttgart 21 und diversen privaten Vorhaben aber in den nächsten Jahren jede Menge. „Man muss aufpassen, dass all das gut koordiniert wird und auch einen Mehrwert für die Leute hat“, sagt Hahn, „sonst wird es so viel, dass wir in der Summe keine Aufenthaltsqualität mehr haben“.

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