Kersten Paulsen dekoriert eine Szene der Max-und-Moritz-Folge Witwe Bolte neu – mit viel Liebe zum Detail. Foto: factum/Granville

Bei herrlichem Frühlingswetter beginnt die 65. Saison des Blühenden Barocks. Der Märchengarten bekommt zum 60. Geburtstag einige Neuerungen – zum Beispiel interaktive „Bremer Stadtmusikanten“.

Ludwigsburg - Konkurrenz durch die Bundesgartenschau, die am 17. April in Heilbronn ihre Pforten öffnet? Davon will Volker Kugel, der seit 1997 Chef des Blühenden Barocks ist, nichts wissen. Im Gegenteil: er lädt einfach den Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel zum Saisonauftakt ein. Und definiert den vermeintlichen Nachteil zum Vorteil um: „Wir profitieren voneinander.“ Sprich: Wenn Gartenfreunde aus ganz Deutschland nach Heilbronn kommen, machen sie auch einen Abstecher nach Ludwigsburg. „Unser Hauptfeind ist das Wetter“, meint Kugel. Ist es schlecht, fehlen die Besucher.

Gut 600 000 Menschen haben die Gärten rund um das Residenzschloss in der vergangenen Saison angezogen. Weil viele davon schon mehrfach da waren, muss das Blüba immer wieder Neues bieten. Und da 40 Prozent der Besucher mit Kindern kommen, vor allem wegen des Märchengartens, wird hier besonders viel neu gestaltet. Das spannendste Projekt wird mit der Filmakademie organisiert. Hier können die Kinder selbst die Erzählung beeinflussen.

Interaktiv die falschen Tiere wegwischen

Etwa die von den Bremer Stadtmusikanten: Damit die richtigen Tiere Esel, Hund, Katze und Hahn aufeinander stehen, können Kinder mit Wischbewegungen „falsche“ Tiere wie Zebra oder Löwe beiseiteschieben. Oder sie können nach virtuell auf den Boden projizierten Fröschen treten, um sie zu fangen. Fertig wird dieser neue Raum am 16. Mai – zum 60-Jahr-Jubiläum des Märchengartens. Dessen bewegte Geschichte wird auf einem Zeitstrahl ganz analog unter einem neuen Holzpavillon dargestellt. Noch original aus dem Jahr 1959 ist das Hexenhäuschen. Kugel: „Das kennen Millionen von Kindern.“

Aber der Märchengarten soll eben auch zum Anfassen sein, keine reine Digitalwelt. Deswegen werden die klassischen Inszenierungen mit Puppen in kleinen Häuschen ausgebaut. Kersten Paulsen gestaltet eine neue Szene der Wilhelm-Busch-Erzählung von Witwe Bolte. Liebevoll hängt sie Blätter aneinander, baut Mäuse in die Szene von Max und Moritz mit ein. Paulsen ist ein echter Glücksfall für das Blüba. Eigentlich ist sie Bühnenbildnerin im Wilhelmatheater – und schafft als Nebenjob die schönen Szenen im Märchengarten. „Als ich ein kleiner Junge war, da sind wir wegen einer Stimme vom Tonband ganz aus dem Häuschen gewesen“, erzählt Volker Kugel. Auf einen Knopf drücken und es passiert etwas – das ist immer noch das Prinzip, das selbst in der Handygeneration gut ankommt.

Aber auch in der restlichen Gartenanlage ist vieles verändert worden. Neben den üblichen 400 000 Pflanzen, die in die Erde gesteckt wurden, sind die Geländer aus Holz neu gemacht worden. Überall wurden morsche oder faulende Stücke ausgetauscht. Für die Osterausstellung wurden riesige, künstliche Eier angeschleppt, die wiederum mit echten, ausgeblasenen Eiern behängt sind. Stillstand ist Rückschritt – nach diesem Prinzip hat Volker Kugel die Besucherzahlen seit den 90er-Jahren von 450 000 auf knapp 600 000 im Jahr erhöht.

Auch ohne SWR-Sendung ist Volker Kugel präsent

Das klappt auch ohne die SWR-Sendung „Grünzeug“, die es seit vergangenem Jahr nicht mehr gibt. Kugels ersatzweise geschaffener Youtube-Kanal Grünzeug.tv hat nicht ganz so viele Zuschauer. Einzelne Beiträge wie die Tipps zur Rasenpflege erreichen immerhin 45 000 Klicks. Als Influencer geht der Blüba-Chef, der erst vor kurzem 60 Jahre alt geworden ist, damit aber noch nicht durch. Umtriebig bleibt er – und will sein Amt noch einige Zeit ausfüllen.

Es sind viele kleine Details, die den Besuch im Blühenden Barock noch angenehmer machen sollen. So soll demnächst ein Lärmschutz an der Marbacher Straße kommen, die den donnernden Krach der Blechlawine abfängt. Zum japanischen Kirschblütenfest werden zehn Zierkirschen aufgestellt. Und es werden neue Zielgruppen erschlossen. „Wenn die Eltern beide berufstätig sind, betreuen die Omas und Opas tagsüber die Kinder“, sagt Kugel.

Und diese kommen gerne in den Märchengarten, weil die Kleinen sich dort austoben können und den ganzen Tag beschäftigt sind. Pünktlich zum Saisonstart spielt auch das Wetter mit – das dieses Mal nicht der Hauptfeind ist, sondern frühlingshaft auftrumpft. Da strahlt auch Volker Kugel.

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