Ralf Vollmer verfolgt das Geschehen bei den Stuttgarter Kickers hautnah – auf dem Foto vom vergangenen September ist er für die Traditionsmannschaft der Blauen im Einsatz. Foto: Baumann

Ralf Vollmer ist ein Urgestein der Stuttgarter Kickers. Er nimmt im Interview die Spieler des Oberligisten in die Pflicht und sagt, warum er von der sportlichen Leitung der Blauen überzeugt ist.

Stuttgart - Ex-Profi Ralf Vollmer spricht sich für Kontinuität beim Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers aus. „Nach ersten Rückschlägen darf nicht alles gleich wieder über Bord geworfen werden“, sagt der 57-Jährige vor den Derbys beim SSV Reutlingen (3. November, 13.30 Uhr) und gegen den VfB Stuttgart II (9. November, 14 Uhr/Gazi-Stadion).

Herr Vollmer, wie beurteilen Sie aktuellen Lage bei den Stuttgarter Kickers?

Also gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen war es einfach nur wichtig, endlich mal wieder zu gewinnen. Nach fünf Pflichtspielen ohne Sieg hat die Mannschaft dringend dieses Erfolgserlebnis gebraucht.

Es gibt solche Phase in der Saison in der nur der Sieg zählt. Aber von der attraktiven Spielweise von Saisonbeginn war wenig zu sehen.

Das mag sein. Aber die Mannschaft hat auch schon richtig gut gespielt und stand mit leeren Händen da. In der Situation vor dem Spiel gegen Rielasingen-Arlen ging es nicht um einen Schönheitspreis. Und ich glaube die Spieler haben begriffen, dass sie sich in jedes Spiel reinbeißen müssen, dass es nur über den unbedingten Willen und die Einsatzbereitschaft geht. Das Fußballerische kommt dann wieder.

Warum kam nach dem passablen Saisonstart die Durststrecke?

Ein Stück haben die Gegner die Spielweise der Kickers entschlüsselt. Und sie wachsen immer noch über sich hinaus. Sie sind heiß, gegen die Blauen zu spielen. Das ist etwas ganz Besonderes.

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Sie wurden vor der Saison als Berater angekündigt. Wie eng und regelmäßig ist der Austausch tatsächlich?

Mein Herz hängt an den Kickers, ich bin diesem Verein nach wie vor sehr eng verbunden, aber ich kein Typ, der sich aufdrängt. Vor dem Spiel in Villingen bin ich dennoch auf den Sportlichen Leiter Lutz Siebrecht zugegangen. Wir haben uns zu einem sehr interessanten und konstruktiven Austausch getroffen. Er hat das Gespräch sehr dankbar angenommen und wir haben vereinbart, uns öfter zu treffen.

Nach der erneuten Niederlage beim FC 08 Villingen schlug er harte Töne an.

Das fand ich auch absolut angebracht. Es ist eine besondere Verpflichtung für solch einen Traditionsverein zu spielen. Die Spieler genießen eine tolle Unterstützung durch die Fans, sie haben ein für Oberligaverhältnisse sehr professionelles Umfeld, da kann man auch erwarten, dass sie etwas zurückgeben und sich, salopp formuliert, den Hintern aufreißen.

Wie wichtig ist es, dass der Verein die Ruhe bewahrt?

Sehr wichtig. Blinder Aktionismus bringt nichts. Zumal ich finde, dass sowohl Lutz Siebrecht als auch Trainer Ramon Gehrmann einen guten Job machen. Beide ergänzen sich gut, weil sie auch unterschiedliche Typen sind. Bei den Kickers muss Kontinuität reinkommen. Nach den ersten Rückschlägen darf nicht alles gleich wieder über Bord geworfen werden.

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Nun stehen die brisanten Duelle beim SSV Reutlingen (3. November, 13.30 Uhr) und gegen den VfB Stuttgart II (9. November, 14 Uhr/Gazi-Stadion) an. Welche Bedeutung haben diese Derbys für den weiteren Saisonverlauf?

Der SSV wird die Messer wetzen und gegen uns alles in die Waagschale werfen. Das Spiel gegen den VfB II, da muss man nicht lange drumherum reden, das ist das Spiel der Spiele. Beide Derbys sind ungemein wichtig – nicht nur für die Fans. In diesen Derbys werden die Weichen für den weiteren Saisonverlauf gestellt.

In einer ziemlich verrückten Liga…

…das kann man wohl sagen. Der 1. Göppinger Sportverein hat dreimal hintereinander daheim verloren und steht immer noch auf Platz eins. Ich weiß nicht, ob das in anderen Ligen schon häufig vorgekommen ist. Jede Woche gibt es Überraschungen. Kein Team ist deshalb an der Tabellenspitze enteilt, was natürlich kein Nachteil für die Kickers ist.

Bis zur Winterpause sind es noch sechs Spiele…

…da sollten die Kickers weiter punkten und die Basics beherzigen. In der Bundesliga sind alle Plätze tiptop gepflegt, egal zu welcher Jahreszeit. In der Oberliga kann es im Herbst und Winter auf tiefem Geläuf richtig zäh und mühsam werden. Oder auf 20 Jahre alten Kunstrasenplätzen, die hart wie Beton sind.

Sollten die Kickers in der Winterpause personell nachjustieren?

Wenn sich etwas ergibt, wenn etwas Geeignetes auf dem Markt ist, sollten sie zuschlagen. Selbst wenn es fünf oder sechs Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze wären – in dieser Liga, bei dann noch ausstehenden 15 Spielen, wäre noch Vieles möglich. Aber wie gesagt: Zunächst geht es darum, bis zur Winterpause so viel wie möglich zu punkten.

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