Maria Müller-Lindenlauf betont den Wert von Ackerrandstreifen mit Wildkräutern als Lebensraum für Wildbienen. Foto: Ines Rudel

Das Bieneninformationszentrum in Tachenhausen ist um das Thema Wildbienen erweitert worden. Die Nürtinger Hochschule vermittelt dort nicht nur theoretisches Wissen, sondern zeigt auch wie Hilfe für Bienen in der Praxis funktioniert.

Oberboihingen - Ein rund drei Meter breiter Streifen entlang eines Getreidefeldes auf dem Hofgut Tachenhausen oberhalb von Oberboihingen hat Vorbildcharakter. Die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) hat dort auf dem Gelände ihres Lehr- und Versuchsbetriebs eine Wildkräutermischung ausgesät, die sich zu einem Garten Eden für Wildbienen entwickelt hat. Der Ackerrandstreifen gehört zum Bieneninformationszentrum der Hochschule, das nun um die Thematik Wildbienen ergänzt worden ist.

Blühstreifen an Ackerrändern bieten vielseitig Nahrung

Besucher erfahren beispielsweise, dass viele Wildbienen sich in ihrer Ernährung im Unterschied zur Honigbiene auf nur wenige oder sogar einzelne Pflanzengattungen spezialisiert haben. Das macht es für sie vergleichsweise schwierig, das ganze Jahr über Nahrung zu finden. Der Kräuterstreifen trägt diesem Umstand Rechnung. Durch Korbblütlerarten wie der gemeinen Wegwarte oder die Wilde Karde aus der Familie der Geißblattgewächse finden Wildbienen ausreichend Pollen und Nektar.

Die wichtige Funktion solcher Refugien vermittelt die HfWU nicht nur ihren Studenten im Studiengang Agrarwissenschaft, sondern auch in Führungen etwa für Schulklassen, Kommunalpolitiker oder Albvereinssektionen. Gerade auch Landwirte sind eine wichtige Zielgruppe, erklärt Maria Müller-Lindenlauf, Professorin für Agrarökologie an der HfWU. Denn nicht nur durch schädliche Insektizide sind Bienen bedroht. Auch ein mangelhaftes Nahrungsangebot macht ihnen das Leben schwer. Umso wichtiger sind Blühstreifen an Ackerrändern mit einem vielseitigen Angebot wie in Tachenhausen zu sehen.

Geschickte Bastler bauen Nisthilfen selber

Wer Wildbienen etwas Gutes tun will, kann dies im heimischen Garten auch mit einer Wildbienennisthilfe leisten. Mit etwas handwerklichem Geschick und dem nötigen Fachwissen können solche Hilfen sogar selbst hergestellt werden. Eine Bauanleitung hierfür hat Maria Müller-Lindenlauf während des Semesters gemeinsam mit Studenten erstellt, erhältlich ist das Faltblatt im Informationszentrum.

In Deutschland gibt es 561 Wildbienenarten, zu denen übrigens auch die Hummeln zählen. Wildbienen sind eine der am meisten bedrohten Artengruppen. Ihr Schutz, zu dem jeder Einzelne beitragen kann, sollte allen am Herzen liegen. Und ein Blütenparadies im Garten ist nicht nur ein Leckerbissen für Bienen, sondern auch ein Augenschmaus für Menschen.

Kommunikationsplattform rund um die Biene

Tachenhausen
Die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) hat zwei Lehr- und Versuchsgärten: den in der Braike in Nürtingen und den in Tachenhausen auf Oberboihinger Markung. Das Hofgut verdankt seinen Namen den Herren von Tachenhausen. Das ­Geschlecht wurde erstmals 1274 urkundlich erwähnt.

Bienenlehrpfad
Das Bieneninformationszentrum ist vor zwei Jahren eröffnet worden. Ein Bienenlehrpfad informiert über die ökologische und ökonomische Bedeutung von Honigbienen. Das Zentrum dient als Kommunikationsplattform für Zielgruppen wie Imker, Landwirte, Schulklassen, Haus- und Kleingärtner oder Naturschutzverbände.

Führungen
Der Lehrpfad mit seinen Informationstafeln kann auch individuell besucht werden. Darüber hinaus sind auch Führungen für Gruppen möglich. Die maximale Größe liegt bei 20 Personen. Eine Vorlaufzeit von vier Wochen sollte eingeplant werden. Wer sich anmelden möchte, erhält Auskunft unter der Rufnummer 0 70 22/20 13 60.

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