Betreuung wird mit zunehmendem Alter immer wichtiger. Foto: Archiv/dpa

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg ist in zwei Jahren um mehr als 20 Prozent gestiegen. Das liegt aber vor allem an den neuen Pflegestufen. Das Personal hält mit den steigenden Zahlen nicht Schritt.

Wiesbaden/Stuttgart - Die Zahl der Menschen mit Pflegebedarf ist in Deutschland innerhalb von zwei Jahren um 19 Prozent gestiegen. In Baden-Württemberg waren es im Dezember 2017 sogar 21,4 Prozent mehr als im Dezember 2015. Das teilen das Statistische Bundesamt und das Statistische Landesamt mit. Den Anstieg führen die Statistiker jedoch zum großen Teil auf den weiter gefassten Pflegebegriff zurück, der seit Januar 2017 gilt und fünf statt drei Pflegegrade umfasst.

3,41 Millionen Menschen waren im Dezember 2017 pflegebedürftig, davon lebten knapp 400 000 im Südwesten. Bundesweit wurden gut 76 Prozent der Betroffenen zuhause versorgt, auch in Baden-Württemberg wohnten 75,8 Prozent der Menschen, die Hilfe benötigten, daheim. Im Land wurden 56,9 Prozent der Pflegebedürftigen ausschließlich von Angehörigen betreut, 24,1 Prozent lebten in einem Heim.

Bundesweit liegt der Anteil der Menschen im Pflegeheim bei knapp einem Viertel, ausschließlich von Angehörigen zuhause werden etwa 51 Prozent gepflegt.

Mehr als die Hälfte sind älter als 80 Jahre

Für den Südwesten bedeutet dies, dass 3,6 Prozent der rund elf Millionen Baden-Württemberger Leistungen aus der Pflegekasse erhielten. In der Altersgruppe derer, die ihren 65. Geburtstag bereits hinter sich haben, ist es fast jeder Siebte. Mit zunehmendem Alter steigt die Pflegebedürftigkeit. Mehr als die Hälfte der Betroffenen (56,5 Prozent) waren 80 Jahre und älter. Das ist eine Zunahme von 19 Prozent seit 2015. Von den Baden-Württembergern über 90 Jahre müssen 68,1 Prozent gepflegt werden, bundesweit sind es 71 Prozent.

Im Südwesten gibt es 1122 ambulante Pflegedienste und 1777 Pflegeheime. Die Zahl der Beschäftigten ist bei weitem nicht so stark gestiegen, wie die Zahl der Pflegebedürftigen. Das Statistische Landesamt hat 134 223 Beschäftigte gezählt, die Ende 2017 die 171 484 Pflegebedürftigen ambulant und stationär versorgten. Das sind 4,6 Prozent Beschäftigte mehr als im Dezember 2015. Nur jeder Vierte arbeitet Vollzeit. Mit 85 Prozent sind die weitaus meisten Beschäftigten Frauen. In den ambulanten Einrichtungen waren knapp 34 700 Menschen tätig, 2,8 Prozent mehr als 2015.

Wenig ausgebildete Altenpflegerinnen

Ausgebildete Altenpflegerinnen sind 24,6 Prozent der Beschäftigten im Land, unter den Vollzeitkräften sind es jedoch 41,6 Prozent. Insgesamt hatten 55,2 Prozent der Angestellten einen Abschluss in einem pflegerischen oder hauswirtschaftlichen Beruf.

Die Zahl der Auszubildenden und Umschüler im Pflegebereich steigt. In dem baden-württembergischen Pflegeheimen wurden Stand Dezember 2017 gut 8600 Menschen ausgebildet, die meisten zum Altenpfleger. Das sind 6,5 Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Bei den ambulanten Diensten gab es gut tausend Azubis, 6,6 Prozent mehr als 2015. Viele entscheiden sich relativ spät für den Beruf: Die Statistik weist aus, dass fast ein Drittel (30,8 Prozent) der Azubis in den Heimen älter als 30 war, im ambulanten Bereich waren es sogar 45,3 Prozent.

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