Die Bundesregierung will 13 000 neue Pflegestellen schaffen. Die private wie die gesetzliche Pflegeversicherung werden an der Finanzierung beteiligt. Foto: dpa

An die Pflege denken die wenigsten jungen Menschen. Doch die Zahl der Pflegebedürftigen steigt und damit die Belastung für die Pflegekassen. Einen Vorgeschmack liefern Beitragserhöhungen im nächsten Jahr.

Fellbach - Was macht der Chef einer privaten Krankenversicherung, um gesund zu bleiben? Das, was jeder beherzigen sollte nach Ansicht von Ralf Kantak: Er achtet auf vernünftige Ernährung – das heißt: fettreiches Essen und die Chips am Abend weglassen – und betreibt Ausdauersport wie Laufen und Fahrrad fahren. Doch dann wird der Vorstandsvorsitzende der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK) grundsätzlich: „Es gibt drei Dinge im Leben, die jeder im Blick haben sollte: die Gesundheit, die Familie und den Beruf.“

Diese drei Säulen müsse man managen, sagt der 58-Jährige. Als ihm das selbst bewusst wurde, habe er ein paar Entscheidungen getroffen. Eine davon war, nicht mehr in einem Großkonzern zu arbeiten sondern bei einem mittelständischen Unternehmen wie der SDK, wo der Vorstand aufgrund der Vereinsstruktur allein dem Kunden verpflichtet ist und eine größere unternehmerische Verantwortung übernehmen kann, sagt Kantak, der vor fünf Jahren das Ruder bei dem Fellbacher Unternehmen übernommen hat.

Pflegerisiko absichern

So vorausschauend sind nicht viele Menschen. Das ist auch die Botschaft, die Kantak vermitteln möchte: „In jungen Jahren an das Alter denken.“ Neben Krankenversicherung und Rente ist die Pflege ein Baustein, den die meisten gar nicht im Blick haben. Kantak verweist auf die Entwicklung: Von rund 80 Millionen Bürgern in Deutschland sind 3,35 Millionen pflegebedürftig. Tendenz steigend. 2016 waren es erst 2,79 Millionen. Und die Welle der geburtenstarken Jahrgänge (1955 bis 1965) hat das Alter, in dem Pflege ein Thema wird, noch nicht erreicht.

Die Pflegepflichtversicherung, die es für gesetzlich wie privat Versicherte gibt, „deckt nur etwa die Hälfte der Pflegekosten ab. Über den Rest sollten sich die Menschen Gedanken machen“, sagt Kantak. Doch „nur 3,5 Millionen Menschen haben zusätzlich zur Pflegepflichtversicherung eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen“. Je früher man eine private Pflegezusatzversicherung abschließt, desto günstiger ist es für den Kunden, weil er über einen längeren Zeitraum einzahlen kann. „Ab 70 steigt das Risiko der Pflegebedürftigkeit deutlich“, sagt der SDK-Chef.

Ein Vorgeschmack, welche Belastungen auf gesetzliche wie private Pflegekassen zukommen, liefert das Pflegepaket, das die Koalition gerade auf den Weg gebracht hat. Beide werden an der Finanzierung der beschlossenen Maßnahmen beteiligt. Dazu zählen unter anderem die 13 000 neuen Pflegestellen, die verstärkte Digitalisierung in der Pflege, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Zuschüsse für häusliche Beratungsbesuche.

Beiträge steigen 2019

Die Politik habe erkannt, so Kantak, dass die Absicherung der Menschen gegen das Pflegerisiko verbessert werden müsse. Die Leistungen der Pflegeversicherung wurden und werden deshalb ausgeweitet. Dadurch verteuern sich die Beiträge sowohl für Privatversicherte als auch für gesetzlich Versicherte. „Die privaten Pflegepflichtversicherungen werden 2019 bei uns wie in der Branche zwischen 15 und 40 Prozent steigen, wobei die Anpassungen für Beamte geringer ausfallen“, sagt Kantak.

„Unsere Beiträge in der privaten Krankenversicherung sind so kalkuliert, dass die Kunden allein durchs Älterwerden keine Beitragssteigerungen erwarten müssen. Die wesentlichen Treiber hierfür sind die Inflation und die Zinsentwicklung“, sagt Kantak. Im Fall der Pflegeversicherung sind die Treiber jetzt vor allem die beschlossenen Maßnahmen in der Pflege.

Beitragsstabilität ist „unser Ziel“, betont der SDK-Chef. Die Ratingagentur Assekurata hat dem Unternehmen gerade erst wieder die Note exzellent – das ist besser als sehr gut – für den Punkt Beitragsstabilität verliehen und die „nachhaltige Tarifpolitik“ gewürdigt.

Treuhänderstreit vor dem BGH

Die Beitragssteigerungen in der privaten Krankenversicherung werden von einem Treuhänder geprüft. Dieser soll dafür sorgen, dass die Beiträge nicht willkürlich angehoben werden. Wie unabhängig der Treuhänder ist, der vom Unternehmen bezahlt wird, darüber wird seit längerem gestritten. Auch, ob die Unabhängigkeit gegeben ist, wenn ein und derselbe Treuhänder sowohl die Erstkalkulation eines Tarifs als auch die Beitragsanpassung prüft. Noch in diesem Jahr könnte der Bundesgerichtshof diesen Grundsatzstreit entscheiden. Kantak sieht dem Urteilsspruch gelassen entgegen. „Intern haben wir sowohl die Unabhängigkeit des Treuhänders als auch die Transparenz der Beitragsanpassungen umfänglich geprüft“, sagt der Jurist.

Mit einer Bilanzsumme von sechs Milliarden Euro ist die SDK die Nummer 15 von 43 privaten Krankenversicherern in Deutschland. 2017 erwirtschaftete das Unternehmen 102 Millionen Euro Gewinn. Trotz steigender Beitragseinnahmen rechnet Kantak für 2018 mit einem Gewinn von 95 Millionen Euro. Grund hierfür sind im Wesentlichen geringere Erträge aus Kapitalanlagen sowie steigende Leistungsausgaben.

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