Wegen der Restriktionen in der Corona-Pandemie hat die Vermüllung der Stadt zugenommen. Auch Kaffeebecher sind dabei. (Archivbild) Foto: dpa/Gregor Fischer

Vor einem guten Jahr hat die Stadt Stuttgart mit Unterstützung des Anbieters Recup ein Pfandsystem für Mehrwegbecher gestartet. Aber sind die Kaffeebecher in der Corona-Krise überhaupt erlaubt? Und wie steht es um den ganz persönlichen Behälter?

Stuttgart - Mit Inkrafttreten der neuen Corona-Verordnung Anfang November haben auch die Bäckereien in Stuttgart ihre Tische und Tresen wieder für ihre Kunden absperren müssen. Belegte Brötchen und Kuchen gibt es also ebenso ausschließlich „to go“ wie des Deutschen liebstes Heißgetränk. Vor einem guten Jahr hat die Stadt im Rahmen der Kampagne „Sauberes Stuttgart“ ein Pfandsystem für Kaffee-Mehrwegbecher gestartet – mit Unterstützung des Anbieters Recup. Aber nehmen Bäckereien die Gefäße in der Corona-Krise, in der verschärfte Hygienevorschriften gelten, überhaupt noch an?

„Das ist uns einfach zu heikel“

„Ja“, sagt Bäckermeister und Konditor Andreas Schrade, der gemeinsam mit seiner Frau Jutta sechs Filialen in Stuttgart betreibt und am Recup-System teilnimmt. Und das funktioniert so: Falls gewünscht, erhalten die Kunden für einen Euro Pfand ihren Kaffee in einem Recup-Becher, der wiederum in allen Bäckereien und Cafés zurückgegeben werden kann, die auch an dem Mehrwegsystem teilnehmen.

„Wir reinigen die Becher bei mehr als 80 Grad in einer Spülmaschine und verwenden ein antibakterielles Spülmittel“, sagt Schrade und ergänzt: „Das war aber auch schon vor der Corona-Krise so.“ Anders sieht es bei persönlichen Bechern der Kundschaft aus. Die nimmt die Bäckerei derzeit nicht an. „Das ist uns einfach zu heikel“, sagt der Bäckermeister.

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Wäre das überhaupt erlaubt? Pascal Murmann, stellvertretender Sprecher des baden-württembergischen Sozialministeriums, äußert sich dazu folgendermaßen: Nach der Corona-Verordnung sei die Verwendung von wiederverwertbaren Bechern beim Außer-Haus-Verkauf von Heißgetränken „grundsätzlich nicht untersagt, auch wenn diese von den Kunden selbst zur Befüllung in die Bäckerei oder das Café mitgebracht werden.“

Viele Bäckereien setzen auf Einwegbecher

Allerdings gälten für das Gastgewerbe allgemein die in Paragraf vier geregelten Hygieneanforderungen, wonach „die Reinigung oder Desinfektion von Gegenständen, die in den Mund genommen werden, nachdem diese von einer Person benutzt wurden“, vorgeschrieben ist. Konkret bedeutet das, dass Bäckereien und Cafés die privaten Becher der Kunden reinigen oder desinfizieren müssen, bevor sie diese wieder befüllen dürfen.

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Viele Bäckereien in Stuttgart und der Region können und wollen das nicht leisten – und setzen in Pandemie-Zeiten deshalb auf Einwegbecher. Susanne Erb-Weber, bei der Bäckerei Veit für das Marketing zuständig, weiß schließlich, dass kundeneigene Mehrwegbecher auch unter Normalbedingungen ein „schwieriges Thema“ sind. Zwar heißt es in einer Leitlinie des Lebensmittelverband Deutschland, die schon vor der Corona-Krise veröffentlicht wurde, dass kundeneigene Becher „ausreichend sauber“ sein müssen, in der Praxis sieht das aber oft anders aus. „Manchmal bringen die Kunden schon sehr versiffte Becher, da fühlen sich unsere Verkäuferinnen nicht wohl“, sagt Erb-Weber. Beim Bäckerhaus Veit, das auch in Stuttgart zehn Filialen betreibt, gibt es den Kaffee derzeit deshalb nur noch im Einwegbecher.

Mehr Müll in der Stadt – auch Kaffeebecher

Auch das Café Nast setzt in seinen sechs Filialen in Stuttgart vorübergehend auf die Wegwerfvariante. „Wir haben das Recup-System mit Beginn der Corona-Pandemie wieder eingestellt, wir nehmen also gerade keine Becher zurück“, sagt Bettina Kaspar, Inhaberin der Bäckerei, und ergänzt: „Im Moment ist das für unsere Kunden aber auch kein großes Thema, die Leute wollen gerade lieber Einwegbecher.“

Das hat Konsequenzen für die Vermüllung der Stadt: „Seit Beginn der Restriktionen im Zuge der Bekämpfung der Corona-Pandemie im Frühjahr gibt es eine wesentlich verstärkte Verschmutzung des öffentlichen Raums, vor allem durch To-go-Produkte und Flaschen“, sagt Anna Sendler, Sprecherin der Stadt. Auch Kaffeebecher seien dabei.

Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller bestätigt, dass die Corona-Pandemie „in vielen Bereichen zu einem erhöhten Müllaufkommen“ führt – auch bei Papp- und Plastikgeschirr. „To Go“ sei zwar eine Alternative für geschlossene Sitzbereiche, es „gehört aber natürlich zur Verantwortung jedes Einzelnen und jeder Einzelnen, diesen „To Go“-Müll ordentlich zu entsorgen, so dass es zu keiner Vermüllung von Innenstädten kommt.“

Mittelfristig und nach der Corona-Ausnahmesituation halte der Umweltminister deshalb eine Abgabepflicht für die Inverkehrbringer von „To Go“-Müll für zielführend. „Wer Wegwerf-Geschirr anbietet oder nutzt, sollte auch die Kosten für die Beseitigung mittragen“, sagt er.

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