SPD-Fraktionschef mit Ambitionen auf OB-Kandidatur: Martin Körner Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Aktuell wird für einen Konzerthaus-Neubau in Stuttgart geworben. Geht es nach Martin Körner, SPD-Fraktionschef im Stuttgarter Rathaus, gibt es einen idealen Standort: „das Areal Königstraße 1-3“.

Stuttgart - Seit 1. Januar gibt es den Förderverein Konzerthaus Stuttgart, am Montag haben die Verantwortlichen um den als Kulturmanager tätigen früheren Intendanten der Bachakademie, Gernot Rehrl, ihre Vorstellungen für einen Konzerthaus-Neubau in Stuttgart vorgestellt.

Konzerthaus ist eine 24 Stunden-Musikmaschine

Neues kam wenig zur Sprache – noch immer gilt also, was die vormalige Initiative Konzerthaus im März 2019 vorstellte – die Idee eines „lebendigen Musikzentrums“, oder schärfer: einer 24-Stunden-Musikmaschine, die generationsübergreifende musikalische Bildungs- und Beratungsangebote, offene Begegnungsräume mit guter Gastronomie und Kinderbetreuungsmöglichkeiten verbindet. All dies als Einstimmung auch auf das Geschehen in zwei Konzertsälen mit 1700 beziehungsweise 500 Sitzplätzen. Im Idealfall zeigt sich dieser Ort auch in seiner architektonischen Qualität als offene Musikbühne der Stadt.

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Wie berichtet, sieht der Verein seine konzeptionelle Arbeit „unabhängig von der Frage des Standortes“. Über diesen aber wird nun wieder diskutiert. Setzen die Grünen im Stuttgarter Rathaus vor allem auf ein Areal, das unmittelbar dem Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle benachbart ist, verweist die SPD seit längerem auf das Areal Königstraße 1-3, eine Fläche der Landesbank Baden-Württemberg.

Aufbruch Stuttgart: Kultureinrichtungen schauen nur auf sich

Diese hatte in den vergangenen Monaten vor allem der Verein Aufbruch Stuttgart immer wieder ins Spiel gebracht – als Standort einer möglichen Doppelnutzung als Opernhaus und Konzerthaus. Experten halten diesen Weg für nicht gangbar. Wieland Backes, Vorsitzender des Aufbruch-Vorstandes, hat dafür anhaltend wenig Verständnis. „Die Kultureinrichtungen“, sagt er unserer Zeitung, „schauen immer nur auf sich selbst“. Man müsse aber „über den Tellerrand schauen“. Und mit grundsätzlichem Blick auf das Areal Königstraße 1-3 sagt Backes: „Hier bietet sich die einmalige Chance für eine architektonische Landmark, für einen Ort, der mehrere kulturelle Nutzungsmöglichkeiten vereint.“ Dies, so Backes weiter, sei nicht zuletzt im Dialog mit aktuellen Entwicklungen für die Planungen im Staatstheater-Areal wichtig.

Wie berichtet, wird untersucht, ob ein Teil der neu benötigten 10 400 Quadratmeter Nutzfläche auf einem Gelände der früheren Zuckerfabrik zwischen Stuttgart-Münster und Stuttgart-Bad Cannstatt untergebracht werden kann.

SPD-Mann Martin Körner befeuert Standort-Debatte

Wohin also soll das Konzerthaus? Neben den Standorten Holzgartenstraße und Königstraße sind auch das Areal der Kohlehalden in Stuttgart-Ost sowie das Rosensteinquartier genannt. Offiziell analysiert werden die Standorte Holzgartenstraße und Königstraße. Jeweils 120 000 Euro hat die Stadt hierfür auf fraktionsübergreifende Anträge bewilligt. Martin Körner, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stuttgarter Rathaus, hat einen klaren Favoriten: „Ich finde es schade, dass die Stadt den Möglichkeiten des Areals Königstraße 1-3 so wenig Aufmerksamkeit schenkt“, sagt Körner, der zuletzt seine Ambitionen auf eine Kandidatur bei der OB-Wahl im November deutlich gemacht hatte, unserer Zeitung.

Konzerthaus auch als Anker des Kulturquartiers Stuttgart

„Richtig ist“, sagt Körner weiter, „dass in der Königstraße aus räumlichen Gründen ein großer Konzertsaal Bühne und Zuschauerraum nicht in einem weitläufigen Vieleck anordnen könnte“. Auch hier aber gebe es „hoch attraktive Beispiele“. Körner sieht ein mögliches Konzerthaus-Projekt auf dem LBBW-Areal zudem als „ganz wichtigen Anker des mit so vielen herausragenden Kultureinrichtungen bestückten Kulturquartiers im Zentrum Stuttgarts“, sondern auch als eine „notwendige Antwort auf die Herausforderungen, die sich aus dem rasanten Wandel im Handel ergeben“. Und nicht zuletzt: „Die Interessen der Landesbank, der Stadt und der Kultur treffen sich, über unsere Beschlüsse haben wir die Voraussetzungen für fundierte Analysen geschaffen.“ Körners Fazit: „Auf dem Areal Königstraße 1-3 ist das Konzerthaus als offenes Kulturforum der Stadtgesellschaft ein Projekt, das zügig kommen könnte.“

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