Gernot Rehrl leitet den Förderverein Konzerthaus Stuttgart Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Überzeugung, dass Stuttgart ein neues Konzerthaus braucht, hat sich längst auch OB Fritz Kuhn zu eigen gemacht. Als Förderverein hofft die vormalige Initiative Konzerthaus auf Rückenwind.

Stuttgart - Das Trio auf der Bühne im Hospitalhof in Stuttgart am Mittwochabend ist bekannt: Gernot Rehrl, Felix Fischer und Ralf Püpcke lenkten die Initiative Konzerthaus Stuttgart und stehen nun an der Spitze des neuen Fördervereins Konzerthaus Stuttgart. Im März 2019 haben Rehrl, Fischer und Püpcke Ideen für ein „lebendiges Musikzentrum“ vorgestellt – nun, fast elf Monate später, hören und sehen 250 Interessierte die auch medial in den vergangenen Monaten bereits viel beachtete Präsentation.

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Seit 1. Januar ist die Initiative offiziell ein Verein – ein Schritt, den die Kanzlei CMS Hasche Sigle „sorgsamst begleitet hat“, wie Gernot Rehrl betont. Der frühere Bach­akademie-Intendant, national als Berater von Kulturprojekten aktiv, weiß nicht zuletzt aus seiner Tätigkeit im Fachbeirat für den Konzerthaus-Neubau in München um die Bedeutung von Fördervereinen, weiß aber auch deren notwendigen Absicherungen in alle juristischen Feinheitswinkel abzuschätzen.

Das Team

Zum Steuermann des Abends wird bald ­Felix Fischer. Der Geschäftsführende Orchestermanager des SWR-Symphonieorchesters agiert im Vorstand des neuen Vereins als Rehrls Stellvertreter. Auch der vielfach in der Stuttgarter Musiklandschaft verankerte Kulturmanager Ralf Püpcke wirkt als Rehrls Stellvertreter, das Team komplettieren Michaela Russ als Schatzmeisterin Kassiererin und Cornelia Weidner als Schriftführerin. Ihren Ideen sollen auch die Gestalter des Branchenaufsteigers Strichpunkt Flügel verleihen. „Die Homepage steht“, verkündet Gernot Rehrl am Mittwoch mit hörbarer Erleichterung.

Die Ziele

„Zweck des Vereins“, heißt es in der Satzung, „ist die Förderung der Kunst und Kultur, insbesondere der Errichtung eines neuen Konzerthauses in Stuttgart als lebendiges Musikzentrum.“ Die Eckpunkte dabei: Ein Saal mit 1700 Plätzen, ein kleinerer „und“, so Fischer, „betont multifunktional zu nutzender“ Saal mit bis zu 500 Plätzen. Tagsüber Bildungs- und Begegnungsstätte, abends Konzertbühne, das Rezept der 24-Stunden-Erlebnismaschine ist vielfach beschrieben und führt weit weg von einem Ort, der nur am Abend zum Leben erwacht.

Die nächsten Schritte

Die nächsten Schritte? Ein Vorschlag der Grünen im Stuttgarter Rathaus, das neue Konzerthaus unmittelbar an das Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle anzuschließen, buchstäblich ein Musikquartier entstehen zu lassen, folgte der Auftrag für eine Machbarkeitsstudie. „Diese wird aktuell erarbeitet“ – mehr will Gernot Rehrl im Hospitalhof nicht sagen. Und schon gar nicht will sich der Verein auf einen möglichen Konzerthaus-Standort festlegen (lassen). Auch die Standorte Rosensteinquartier, Areal Königstraße 1-3 und das zentrumsfernere „Kohlehalde-Areal“ bleiben ein Thema. „Unsere bestimmende Frage“, sagt Gernot Rehrl, „heißt: Was soll wo wann gebaut werden?“.

Der Weg

Seit Ende der 1990er Jahre wird über ein Konzerthaus debattiert. 60 neue Konzerthäuser sind derweil entstanden. „Die Angst“, sagt Gernot Rehrl, „dass Stuttgart abgehängt wird, ist nicht unbegründet“. Also will man gegensteuern. „Ende 2020“, so Rehrl, „wollen wir eine standortunabhängige Konzeption vorlegen.“ Diese soll Grundlage für etwaige Finanzierungen im Doppelhaushalt 2022/2023 sein. Dazu sollen die Bürgerinnen und Bürger befragt und herausragende Konzerthaus-Beispiele besucht werden. Mancher im Hospitalhof hat mehr erwartet . Will man nicht auch begeistern, buchstäblich trompeten – schon, um Mitglieder zu gewinnen? Gernot Rehrl spürt die Unruhe im Saal. „Wenn wir breiter werden wollen, müssen wir konkreter werden“, sagt er – „und dies wird dann auch das Interesse der Wirtschaft wecken.“

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