Ein schönes Vorbild: Afrikanische Bienenfresser haben sich lieb. Foto: www.mauritius-images.com

Hüpfende Schüler, ein klingender Wald und ein anregendes Angebot: Die Zukunft in Ludwigsburg bleibt spannend.

Ludwigsburg - Zu den geflügeltsten aller Sätze gehört die Redensart „Von der Natur lernen, heißt lieben lernen“. Von wem auch sonst? Der Anblick einer frisch erblühten Rose, der Gesang einer Mönchsgrasmücke vor Sonnenaufgang, der Duft einer Blumenwiese im Abendrot – einem normal empfindsamen Menschen muss dabei doch einfach das Herz aufgehen. Oder vielleicht noch mehr?

Die Einladung des Naturschutzbunds Deutschland – kurz: Nabu – legt eine grenzenlose Offenheit zumindest nahe. Oder sollte man sagen: eine hüllenlose Offenheit? In der Einladung des Nabu, in der er eine eingehende Beschäftigung mit der Natur vorschlägt, steht jedenfalls: „Vatertag bis Muttertag mit Vögeln verbringen.“

Eine irritierende Einladung

Nun, warum eigentlich nicht? Am Donnerstag soll das Wetter zwar nicht ganz so reizend sein. Aber was macht das schon. Beschäftigt man sich halt auf der geschützten Terrasse mit Vögeln. Vielleicht machen ja auch die Nachbarn mit? Der Vögelkunde, pardon, der Vogelkunde, wäre damit sehr gedient. Denn um die, und um nichts anderes geht es dem Nabu, wenn er zur Zählung der Gartenvögel aufruft, die am Donnerstag beginnt und am Montag endet.

Besonders herausfordernd verspricht die Zählung der Vogelfreunde in Ludwigsburg zu werden. Neben Saatkrähen, Eichelhähern und Stars, Verzeihung: Staren, gibt es dort nämlich allerhand komische Vögel. Sie stechen immer wieder ins Auge, wenn man offenen Auges durch die Stadt geht, oder auch nur in ihr herumsteht.

Fröhlicher Tanz auf der Straße

Nicht lange her, da hüpften zum Beispiel 400 grün gekleidete Schüler auf der B 27 vor dem Schloss herum und forderten, begleitet von fröhlicher Musik, mehr Grün für die Stadt. Normalerweise würde ein fünf Minuten währender Flashmob auf einer heftigst befahrenen Bundesstraße einen Großeinsatz von Ordnungspersonal auslösen. Aber diese Schar schräger Vögel handelte in höherem Auftrag: Dem der Stadt, die an jenem Tag beweisen wollte, dass eine Landesgartenschau nirgendwo mehr hingehört als nach Ludwigsburg. Also scheuchten die Bürgermeister Spec und Ilk die achtköpfige Fachkommission zweieinhalb Stunden durch die Stadt: Zur Marienwahl, die zum einem Landschaftspark werden könnte. Zum Walckerareal, das zum Stadtpark werden könnte. Zur Bärenwiese, die – man ahnt es – zum Park werden könnte. Und in den Salonwald, der sich als Zauberwald erwies: Aus einem aus Hainbuchen erbauten Rondell schickte eine junge Frau lieblichste Geigentöne in die Herzen der Fachkommissare, die erweichten. Wie einst die Herzen der Olympiafunktionäre, die nach dem Cellospiel des Oberbürgermeisters Tiefensee Leipzig zur deutschen Bewerberstadt kürten, ach was: küren mussten.

Noch hat die Gartenschaukommission nicht entschieden, aber nach der Ludwigsburger Nabelschau dürfte es nicht wundern, wenn die Stadt den Zuschlag für sämtliche Landesgartenschauen der kommenden Jahre bekommt. Warum auch nicht? Mit Spatzen in der Hand gibt man sich hier nicht zufrieden.

Ein Geschenk für seltene Namen

Auch nicht mit Besucherrekorden. Zur Geburt des neuen kleinen Prinzen von Großbritannien, seine süße Kleinigkeit Louis Arthur Charles, gab es im Residenzschloss ein großartiges Geschenk: Wer sich als Louis, als Arthur oder als Charles ausweisen konnte, musste keinen Eintritt bezahlen. Wie viele Männer diesem Lockvogelangebot erlegen sind, ist gar nicht erst erfasst worden. Was im Schwäbischen nur bedeuten kann, dass die Zahl der Louis’, Arthurs und Charles’ hier sehr begrenzt ist.

Es könnte die Aufgabe des Nabu werden, herauszufinden, ob damit auch eine geringe Zahl an Paradiesvögel in der Gegend einhergeht. Falls Ja, ist der Aufruf für die nächste Nabu-Aktion bereits formuliert: „Seid gut zu Vögeln!“

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