Netzreaktionen im Fall Maaßen „Ab wann gilt man heutzutage als linksradikal?“

Von Knut Krohn 

Noch-Verfassungsschutzpräsident Maaßen (links) wurde die vergangenen Monate von Innenminister Seehofer immer in Schutz genommen. Foto: dpa
Noch-Verfassungsschutzpräsident Maaßen (links) wurde die vergangenen Monate von Innenminister Seehofer immer in Schutz genommen. Foto: dpa

Der scheidende Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen soll von einer linken Verschwörung in der Bundesregierung gesprochen haben. Die Reaktionen in den sozialen Medien sind ziemlich eindeutig.

Stuttgart - Wieder Wirbel um Hans-Georg Maaßen. Der scheidende Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) hat offensichtlich in seiner Abschiedsrede ein ziemlich krudes Verschwörungsszenario entworfen. Demzufolge agierten in der Bundesregierung „linksradikale Kräfte“ – also beim Unionskoalitionspartner SPD. Diese seien von Beginn an gegen die Regierung gewesen und hätten versucht, ihn – also Hans-Georg Maaßen - in Kooperation mit Teilen der Opposition und der Medien, als Vehikel zum Bruch der Koalition zu benutzen.

Das Innenministerium, wo Maaßen in Zukunft eigentlich als Berater von Bundesinnenminister und CSU-Chef Horst Seehofer arbeiten sollte, will sich zu der Rede noch nicht äußern. In den sozialen Medien aber pendeln die Redaktionen zwischen ungläubigem Erstaunen und Spott.

So versucht sich „katjaberlin“ auf Twitter an einer Standortbestimmung, wer in unsere Zeiten von bestimmten Kreisen als linksradial bezeichnet wird.

Der Twitternutzer Mathas Richel versucht sich zu erinnern, wann die Bezeichnung „linksradikal“ zuletzt im Zusammenhang mit der SPD verwendet worden ist. Dazu muss er in der deutschen TV-Geschichte fast 50 Jahre zurück gehen.

Andere machen sich eher Sorgen um das Innenministerium unter der Führung von Horst Seehofer. Der machte in der Affäre eine eher unglückliche Figur und viel nicht durch gekonntes Krisenmanagement auf. Konstantin von Notz vergleicht das Ministerium mit einem Geisterschiff. Er als Bundestagsabgeordneter der Grünen muss sich von Maaßen als „Linksradikaler“ persönlich angesprochen fühlen. Allerdings hat er als Mitglied des Innenausschusses auch tiefen Einblick in das Innenleben des Ministeriums.

Der Journalist Patrick Gensing erinnert noch einmal daran, welche Hoffnungen auf Maaßen lagen, als dieser den Verfassungsschutz übernahm. Er sollte das Vertrauen nach dem NSU-Skandal wiederherstellen. Nun bekommt Maaßen besonders Lauten Applaus aus der extremen rechte Ecke des politischen Spektrums.

Die NDR-Journalistin Julia Stein fragt sich, welche Auswirkungen die seit Monaten andauernden Diskussionen um Maaßen auf das politische Klima in Deutschland haben können. Ihr Fazit: gefördert werde dadurch wahrscheinlich nur die Politikverdrossenheit.

Auch Katja Kipping muss sich als Chefin der Partei Die Linke von Maaßen angesprochen fühlen. Sie scheint mit solchen Beschuldigungen allerdings einige Erfahrung zu haben und ordnet die Äußerungen des scheidenden Verfassungsschützers in ein ihr bekanntes Schema.

Anke Domscheit-Berg, Bundestagsabgeordnete der Linken, ist nur eine von unzähligen Stimmen in den sozialen Medien, die die Entlassung von Maaßen fordern. Sie rechnet allerdings durch, was der Mann an Bezügen mit in die Rente nehmen würde, wenn er in den einstweiligen Ruhestand versetzt würde.

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