Man kennt Udo Wachtveitl und Dagmar Manzel aus den „Tatort“-Fernsehkrimis. Sie begegnen sich nun einmal stimmlich: auf dem Hörbuch „Sie zu lieben, mein Freund, ist eine hohe Kunst“. Foto: Hörverlag

Im Sommer wird man faul. Warum auch selber lesen, wenn man sich von großartigen Schauspielern Texte vortragen lassen kann. Zum Beispiel von Udo Wachtveitl und Dagmar Manzel, die man als „Tatort“-Kommissare kennt. Er gibt sich als Thomas Mann aus und liest dessen Briefe an eine reiche, doch nervtötende Verehrerin Agnes E. Meyer. Der reichen Dame leiht Dagmar Manzel ihre Stimme.

Stuttgart - Die „Tatort“-freie Zeit ist bald vorbei. Bis der Münchner Kommissar Franz Leitmayr, gespielt von Udo Wachtveitl, und Dagmar Manzel als Nürnberger Kommissarin Paula Ringelhahn wieder ermitteln, ist er als Literaturnobelpreisträger Thomas Mann (1875-1955) zu bestaunen. Und sie als dessen Verehrerin Agnes E. Meyer (1887-1970). Das Hörbuch „Sie zu lieben, mein Freund, ist eine hohe Kunst...“ enthält den den Briefwechsel des Autors mit der reichen amerikanischen Gönnerin.

Verherrlichung des Literaturnobelpreisträgers

Udo Wachtveitl spricht gesetzt, jovial, leicht distanziert. Man könnte meinen, Thomas Mann sei wirklich interessiert daran, was die Dame von seinen Josefsromanen hält, dessen dritten Band er soeben beendet hat. Da aber in der klugen Text-Auswahl der Höbuch-Regisseurin Sonja Valentin auch Tagebuchpassagen enthalten sind, erfährt man: Thomas Mann war auch kein ganz schlechter Schauspieler. In Meyers Briefen ist sehr viel von „liebender Seele“ und einer „hohen und schönen Welt“ die Rede. Und obwohl ihm die Verherrlichungen „Sie schreiben für Zeit und Ewigkeit“ geschmeichelt haben dürften, geht ihm die Dame gelegentlich auf die Nerven. Meyer behelligt ihn nämlich auch ungeniert mit ihren kruden Ansichten zur Kunst, und dann geraten sie noch wegen Äußerungen von Thomas Manns Kindern ernsthaft in Streit. Dies alles hält den Literaturnobelpreisträger freilich nicht davon ab, seine Gönnerin um Geld zu bitten für seine angemessene Behausung im Exil in den USA.

Finanzielle Abhängigkeiten

Die Schauspielerin Dagmar Manzel nimmt die Elogen Agnes E. Meyers ernst, trägt sie nie effekthascherisch pathetisch vor. Das Hörbuch samt ausführlichem Begleittext bietet einen bemerkenswerten Einblick in den auch von finanziellen Abhängigkeiten geprägten Alltag eines Künstlers. Der Briefwechsel zeigt, Autoren haben es nicht leicht. Ihre Verehrer auch nicht.

Info:

„Sie zu lieben, mein Freund, ist eine hohe Kunst – Thomas Mann und Agnes E. Meyer. Der Briefwechsel.“ Gelesen von Udo Wachtveitl und Dagmar Manzel. Der Hörverlag, Randomhouse. 2 CDs, 19,99 Euro.

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