Der Wald hat viele Funktionen. In Esslingen soll er vor allem der Erholung dienen. Foto: dpa-Zentralbild

Eine Menge Holz für den Esslinger Gemeinderat. Der Forstplan wurde beschlossen.

Esslingen - Rund 1700 Hektar Wald besitzt die Stadt Esslingen. Das ist nicht nur eine Menge Holz, das sich am Südrand des Schwurwalds erstreckt, das ist auch Grund genug für den Gemeinderat, alle zehn Jahre einen neuen Forstplan zu beschließen. Er wurde im technischen Ausschuss des Esslinger Gemeinderates am vergangenen Montag vorgestellt.

Der Stadtwald dient in erster Linie als Erholungsfläche für die Esslinger Bevölkerung und nur in zweiter Linie der Holzernte. Extensive Nutzung im Zeichen des Klimawandels, so könnte man den Plan zusammenfassen. Der Schurwald ist ein klassisches Gebiet für Laubbäume, vor allem die Buche fühlt sich hier pudelwohl und vermehrt sich selbst, ohne dass Baumschulen für Nachschub sorgen müssten. Weiterhin ist die Eiche im Kommen. Sie ist ein wärmeliebender Baum, vor allem weil sie tief wurzelt und so immer an Wasser kommt. Die städtischen Förster sind von der Zukunft der Eiche überzeugt und setzen alles daran, sie zu fördern.

Die Fichten sind die Looser

Doch wo jemand gewinnt, muss ein anderer verlieren. Die Verlierer in den Zeiten des Klimawandels sind Fichten und Lärchen. Gerade um Letztere tut es den Förstern leid, weil das Lärchenholz vom Schurwald in der Forstwirtschaft weithin bekannt war. Zu den weiteren Verlierern zählt die Esche, sie wächst zwar weiterhin gut, wird aber durch Schädlinge vernichtet, die sich im wärmeren Klima vermehren.

Die Zeiten derFichten-Monokultur auf dem Schurwald sind vorbei, deswegen auch die Zeiten des Borkenkäfers, der vor allem Fichten angefallen hat. Da Fichten und Lärchen eher alpine Bäume sind, die es kälter mögen, wird es knapp mit den Nadelbäumen. Das Grünflächenamt setzt auf einen Fremdling in den heimischen Wäldern: Die Douglasie, eine Nadelbaumart, kommt aus Nordamerika und soll helfen, den Anteil der Nadelbäume auf der Markung wieder auf 25 Prozent zu vergrößern. Zur Zeit liegt dieser bei nur 20 Prozent.

Damit der Wald auch seiner ökologischen Funktion besser nachkommt, lässt die Stadt die Zügel bei der Bewirtschaftung immer lockerer. In den letzten Jahren wurden fünf Prozent der Waldfläche stillgelegt, die nun ungestört vor sich hinwachsen kann. Demzufolge ist auch der Holzeinschlag um mehr als ein Viertel gesunken. Schwer tun sich die Förster dagegen mit dem Wildverbiss, der alte Gegensatz zwischen Förstern und Jägern.

Mit deutlichen Bildern zeigte die Försterin Eva Korn-Allen vom Regierungspräsidium Tübingen die Folgen des Appetits der heimischen Rehe. Dort, wo der Wald eingezäunt ist, sprießt üppiges Grün, daneben steht nur braune Wüste. „Die Rehe weiden die Schösslinge ab wie mit einem Balkenmäher“, sagt Eva Korn-Allen. Um so ärgerlicher für die Förster, weil sie auf die Naturverjüngung von Eichen und Buchen setzen. Hier gibt es zwei Möglichkeiten, entweder die Zahl der Abschüsse zu erhöhen oder die Schonungen einzuzäunen. Doch geben die Förster zu bedenken, dass solche Zäune sehr teuer seien. Um den Eichen- und Buchen-Nachwuchs sinnvoll zu schützen, müsste man für etwa 250 000 Euro Zäune ziehen, schätzen die Experten.

Für den Esslinger Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht, der die Sitzung am Montag leitete, war es immer wieder „faszinierend zu sehen, wie viel Gedanken sich das Amt um den Esslinger Wald macht“. Der Bauausschuss beschloss den Forstplan einstimmig, das Planwerk wird bis zum Jahr 2026 gelten.

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