Von Schädlingen wie dem Borkenkäfer befallene Bäume eigenen sich nicht mehr für die Weiterverarbeitung. Foto:  

Die Trockenheit der vergangenen Jahre befördert das Absterben von Bäumen und Pflanzen. Zum Schutz von Menschen plant der Landkreis Göppingen deshalb eine Sperrung von Teilen des Forstes bei Hausen und Bad Überkingen. Betroffen sein könnte auch ein „Löwenpfad“.

Wie ist es um den hiesigen Wald bestellt? Als Forstamtsleiter Thomas Maier dem Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags Göppingen den jährlichen Waldzustandsbericht in der jüngsten Sitzung vorstellte, zeigte er sich besorgt, vor allem mit Blick auf ein Gebiet: „Was mich seit Monaten beschäftigt, sind die Auswirkungen des Klimawandels an der Hausener Wand.“ Denn dort dürfte es zu einer Waldsperrung kommen. Gefährdet seien Waldbesucher etwa durch herabfallende Äste, wie er im Nachgang erläuterte.

 

Die Sperrungen könnte ein bis zwei Jahre dauern

Betroffen von der Sperrung wären laut Maier die Aufstiegsbereiche von Hausen und von Bad Überkingen sowie Teile des Löwenpfads „Felsenrunde“ und des Albvereinswegs. Einen fixen Termin für die Sperrung gebe es nicht, der Forstamtsleiter denkt jedoch, „dass es um Ostern herum zu Sperrungen kommen wird“. Daran komme man nicht vorbei, erklärte er in der Sitzung, die Sperrungen würden auch nicht ein paar Wochen dauern – eher seien es „ein bis zwei Jahre“.

Über mögliche alternative Wanderrouten mache sich das Forstamt Gedanken. Diese Routen sollen laut Sitzungsvorlage Diskussionsvorschläge für einen Abstimmungsprozess unter anderem mit der Gemeinde Bad Überkingen und der Tourismusförderung des Landratsamts Göppingen sein.

Zum Wald an sich erklärt Maier den Mitgliedern des Ausschusses: „Im August hatten wir eine babylonische Trockenheit und fast keinen Niederschlag“. Das habe Auswirkungen. Pflanzen, die länger zum Wachsen benötigten als Mais oder eine Wiese, „verzeichnen Absterbeprozesse“. Aus der Vorlage geht auch hervor, dass es nicht nur immer wärmer werde – die Niederschlagsmengen im vergangenen Jahr seien insgesamt zwar durchschnittlich gewesen, doch sie verteilten sich ungleich. Diese Extreme wirkten sich auf bestimmte Waldstandorte aus, betroffen seien etwa Bereiche im Unteren Filstal oder am Albtrauf. Für den Wald seien extreme Temperaturen mit vielen heißen Tagen und intensiver Sonneneinstrahlung kritisch. Bäume kämen dadurch an ihre Belastungsgrenze, sie erlitten etwa Sonnenbrand, und fehlendes Wasser führe „zu irreparablen Schäden im Holzkörper“.

15 Prozent der gepflanzten Bäume sind im vergangenen Jahr vertrocknet

Thomas Maier berichtete dem Ausschuss weiter, gepflanzt worden seien insgesamt 14 000 Pflanzen, davon gehören laut Vorlage 60 Prozent zu den Laubhölzern und 40 Prozent zu den Nadelhölzern. Am häufigsten sei die Eiche gepflanzt worden, gefolgt von der Douglasie. Hinzu kämen unter anderem der Ahorn, die Kirsche, die Lärche und die Buche. Diese Baumarten kämen besser mit Trockenheit und Hitze zurecht. Dennoch seien Verluste nicht zu vermeiden, so seien im vergangenen Jahr rund 15 Prozent der gepflanzten Bäume vertrocknet, bei größeren Ausfällen habe nachgebessert werden müssen.

Kreisrat Erich Hieber (CDU) fragte, ob er als Privatbetreiber dulden müsse, dass jeder seinen Wald betrete, solange er keinen Flurschaden anrichte. „Wie ist das bei Waldsperrungen?“ Dazu erklärte Thomas Maier, dass er in seiner Funktion als Forstamtsleiter rein formal keine Verpflichtung habe, auf Wanderwegen die Verkehrssicherungspflicht sicherzustellen.

Allerdings sieht der Amtsleiter bei kommunalen Waldbesitzern diese Pflicht schon: „Wenn ich mich über ein Minenfeld bewege, muss ich eingreifen, und so beraten wir auch die Privatwaldbesitzer“, sagte er. Es ergebe keinen Sinn, „wenn Opa, Vater und Kind unterwegs sind und einer nicht mehr nach Hause kommt“.

Schädlinge schmälern Ausbeute

Einschlag
 Förster haben im vergangenen Jahr im Kreis 65 000 Festmeter eingeschlagen. „Wir reden hier von circa 3000 Lastwagenladungen nachhaltig produziertem Holz, das überwiegend regional eingesetzt wird“, erklärte der Leiter des Forstamts, Thomas Maier, dem Ausschuss für Umwelt und Verkehr im Kreistag. Dieses Holz werde an Sägewerke verkauft, der kleinste Teil gehe nach Übersee. Ein Problem seien zudem Schädlinge wie der Nutzholzborkenkäfer. Dieser Käfer fresse sich ins Holz hinein und hinterlasse dadurch Fraßgänge – das sei ein großes Problem. „Wenn so ein Stamm in die Produktion kommt, werden diese Hölzer quasi unbrauchbar“, erklärte der Forstamtsleiter.

Bedarf
  Der Amtsleiter mahnte mehr Personal an. Denn die aktuellen Standards könnten nur aufrechterhalten werden, „wenn wir Personal haben“.