Flüchtlingsunterkunft – das Haus Martinus in der Olgastraße. Foto:  

Am Samstag vor einer Woche wurde in Stuttgart eine „Alarmkette“ aktiviert: Angesichts der dramatischen Flüchtlingssituation bereiteten sich Land und Stadt auf die Ankunft weiterer Flüchtlinge vor – 126 waren es am Ende des Tages. Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer zeigte sich zufrieden mit der Unterbringung.

Stuttgart - Am Samstag vor einer Woche wurde in Stuttgart eine „Alarmkette“ aktiviert: Angesichts der dramatischen Flüchtlingssituation in Ungarn und Österreich bereiteten sich Land und Stadt auf die Ankunft weiterer Flüchtlinge vor – 126 waren es am Ende des Tages. Nach der Anfrage aus dem Staatsministerium am Samstagmorgen sei die Stadt der Bitte um Unterbringung der Menschen umgehend nachgekommen, stellte Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer später zufrieden fest.

Vorsichtige Hoffnung der Stadt auf Haus Martinus

Möglich wurde dies, weil das ehemalige Altenheim Martinus des Caritasverbandes in der Olgastraße als Unterkunft bereitstand. Vorgesehen war das Gebäude allerdings nicht als sogenannte BEA (Bedarfsorientierte Erstaufnahmeeinrichtung), sondern als Quartier für Flüchtlinge, die der Stadt unabhängig von der aktuellen Krisenlage zugewiesen werden. Regierungspräsident Johannes Schmalzl lobte die Stadt dafür ausdrücklich; Stuttgart sei ein Beispiel für „die große Solidarität der Kommunen“.

So schön die Worte klingen, kaufen kann sich die Stadt dafür nichts. Die Martinus-Plätze fehlen. Die Frage ist: Vorübergehend oder auf Dauer? Inzwischen deutet einiges darauf hin, dass die Stadt das Gebäude wie ursprünglich geplant nutzen kann.

In einer Pressemitteilung des Integrationsministeriums vom Freitag fand sich zumindest kein Hinweis auf eine längerfristige Nutzung durch das Land. Weitere Erstaufnahmekapazitäten in der Größenordnung von 1800 Plätzen wurden in Bundeswehrliegenschafen in Hardheim, Sigmaringen und Donaueschingen geschaffen.

Bundespolizei auf weitere Flüchtlinge vorbereitet

Der Sprecher der Stadt, Andreas Scharf, sagte auf Anfrage: „Die Landeshauptstadt Stuttgart unterstützt das Land nach Kräften bei der Unterbringung von Flüchtlingen.“ Die vom Land im Haus Martinus aktuell untergebrachten Flüchtlinge blieben bis auf weiteres in dem Gebäude. Über die künftige Verwendung des Hauses solle in der kommenden Woche entschieden werden. Dezent weist Scharf jedoch darauf hin, „dass die Einrichtung in der Olgastraße eigentlich fest für die Unterbringung von bis zu 270 Flüchtlingen eingeplant ist, die der Stadt regulär zugewiesen werden.“ Man könne auf diese Unterkunft nur verzichten, „wenn die Zahl der dort vorgesehenen Plätze auf die Zuweisung angerechnet wird. Es gibt ansonsten keine Unterbringungsmöglichkeiten für die zugewiesenen Flüchtlinge.“

Die Bundespolizei richtet sich unterdessen auf die Ankunft weiterer Flüchtlinge ein. Das Revier in Stuttgart wurde um Beamte aus Tübingen, Heilbronn, Weil am Rhein, Konstanz und vom Flughafen verstärkt. Zur Registrierung der Ankommenden richtete die Bundespolizei im ehemaligen Daimler-Showroom in der Türlenstraße eine „Bearbeitungsstraße“ ein. Der Sprecher der Bundespolizeidirektion Stuttgart, Steffen Zaiser, sagte: „Dort haben wir mehr Kapazitäten als in der alten Post im Hauptbahnhof.“

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