Mit dem Leitbild und dem Flächennutzungsplan entscheidet Filderstadt, wie viel freie Landschaft bis 2030 übrig bleibt. Foto: Manfred Storck

Ackerland für Wohnbau opfern, oder innerorts in die Höhe bauen? Der Gemeinderat von Filderstadt steht vor schwerwiegenden Entscheidungen. Bei den Bürgern hat das auch schon Ängste geschürt.

Filderstadt - Mit dem sogenannten Räumlichen Leitbild definiert Filderstadt Eckpunkte seiner Entwicklung bis ins Jahr 2030 als Grundlage für die Beratungen des Gemeinderats zum Flächennutzungsplan, die in den kommenden Monaten stattfinden. Am Montag, 24. April, beschließt der Gemeinderat Termine für Einwohnerversammlungen in den Stadtteilen. „Das Leitbild, das wir beschlossen haben, ist so bedeutend, dass wir entschieden haben, die Bevölkerung darüber zu informieren“, sagt Oberbürgermeister Christoph Traub. Wie bei den Flüchtlingsinformationen werde es pro Veranstaltung drei Blöcke geben: „Einer ist allgemein und in jedem Stadtteil derselbe, dann gibt es einen, der die Besonderheiten des jeweiligen Stadtteils berücksichtigt, und am Ende gibt es eine Fragerunde.“

Missverständnisse aufgreifen und korrigieren

Ziel der Veranstaltungen, sagt der OB, sei es, Missverständnisse aufzugreifen, die in der Bevölkerung kursierten: „Es gibt zum Beispiel die Meinung, das Leitbild bestimme Zielgrößen für die Anzahl von Einwohnern und den Flächenverbrauch. Dem ist aber nicht so.“ Mit den Veranstaltungen wolle man die Bevölkerung mitnehmen: „Wir erklären, wie wir den Flächennutzungsplan gestalten und wie wir reagieren müssen, wenn ein bestimmter Fall eintritt.“ Bei den Einwohnerversammlungen handele es sich um eine Form der Bürgerbeteiligung, nicht aber um eine Art Volksabstimmung, stellte der OB klar.

Damit nicht alles lediglich im Unverbindlichen besprochen wird, will die Verwaltung bis zu den Bürgerversammlungen ein Kataster fertigstellen. Darin soll aufgeführt sein, wie viel Grundstücke innerhalb der einzelnen Ortsteile für den Wohnungsbau zur Verfügung stehen – innerstädtische Verdichtung heißt das im Architekten- und Bürokraten-Slang.

Perspektive, aber keine Vorgabe

Im Februar hatte das Leitbild im Bauausschuss Wirbel ausgelöst. Die Vorlage wurde so verstanden, dass es von den Planern und der Verwaltung gewünscht sei, dass die Stadt innerhalb von 13 Jahren um 3000 von 45 000 auf 48 000 Einwohner wachsen solle und deshalb für Wohnen und Gewerbe 138 Hektar Land zugebaut werden müssten. Erst gegen Ende der Sitzung stellte das Stadtplanungsbüro klar, dass es sich bei all dem um ein Szenario des schlimmsten Falles handele, keinesfalls aber um ein Planungsziel. Deshalb versuchte Christoph Traub in der Gemeinderatssitzung am 6. März die Gemüter zu beruhigen: „Das Leitbild ist eine Perspektive, keine Vorgabe.“ Mit dem Leitbild baue man, bildlich gesprochen, zwei Leitplanken, lasse aber die Fahrbahn noch weg. Die Fahrbahn werde dann im Flächennutzungsplan gestaltet.

Zur Fahrbahn gehört auch der Landschaftsverbrauch. So weit wie möglich, darin stimmen Verwaltung und Gemeinderat überein, soll Wohnbau innerhalb der Stadtteile erfolgen. „Wir müssen ganz genau überlegen, was wir innerorts können und was wir außerorts brauchen. Im Flächennutzungsplan müssen wir die schmerzliche Frage beantworten, welche Flächen wir zur Verfügung stellen wollen“, kündigte das Stadtoberhaupt im März an. Das Kataster über die bebaubaren innerstädtischen Flächen biete dann die Grundlage für die Beratungen. Der OB sagte damals, er sei sich darüber bewusst, dass Flächen für Ackerbau und Naherholung auf den Fildern rar seien.

Bei den Beratungen um den Flächennutzungsplan sind Konflikte im Gremium programmiert. Pläne für Wohnungsbau in freier Landschaft außerhalb der Stadtteile dürfte vor allem bei den Landwirten im Gremium auf Widerstand stoßen, sie wollen ihr fruchtbares Ackerland bewahrt wissen. Die SPD, stellte Stadtrat Frank Schwemmle klar, wolle der Bebauung außerorts nur unter der Bedingung zustimmen, „dass der Stadt die Grundstücke gehören“. Mit dem öffentlichen Eigentum an Grund und Boden solle sichergestellt werden, dass dann auch bezahlbarer Wohnraum entstehe.

Der Zeitplan für Filderstadt:

Der Gemeinderat trifft sich am Montag, 24. April, 19 Uhr, im Sitzungssaal des Bürgerzentrums Bernhausen. Falls das Gremium dem Terminierungsvorschlag der Verwaltung für die Einwohnerversammlungen zustimmt, ist der Zeitplan folgender: am Dienstag, 4. Juli , 19 Uhr, im Bürgerzentrum in Bernhausen; am Dienstag, 11. Juli, 19 Uhr, in der Jahnhalle in Harthausen; am Donnerstag, 21. September, 19 Uhr, im Bürgerhaus Sonne in Sielmingen; am Freitag, 22. September, 19 Uhr, im Vereinszimmer in Bonlanden und am Dienstag, 10. Oktober, 19 Uhr, im Mörikesaal in Plattenhardt.

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