Fällt in Filderstadt künftig weiteres Ackerland dem Bauen zum Opfer? Die Beratungen zum Flächennutzungsplan versprechen dazu muntere Diskussionen. Foto: Manfred Storck

Vor allem die Landwirte im Filderstädter Gemeinderat befürchten künftig mehr Verbrauch von Ackerland durch das neue Leitbild, das sich die Stadt gegeben hat. Auch beim Thema Bauen deuten sich hitzige Debatten an, wenn die Perspektiven des Leitbild im Flächennutzungsplan feste Konturen annehmen sollen.

Filderstadt - Die Debatte über das räumliche Leitbild Filderstadts gerät in ruhigere Bahnen. Nach der Beratung hatten einzelne Daten in dem Papier, mit dem Eckpunkte der Stadtentwicklung bis 2030 festgelegt werden sollen, Empörung ausgelöst. Für Missverständnisse sorgte die Formulierung, dass die Stadt innerhalb von 13 Jahren um 3000 Einwohner wachsen solle und dafür 138 Hektar Land eingeplant seien. Deshalb versuchte Oberbürgermeister Christoph Traub, vor der Diskussion über das Thema am Montagabend im Gemeinderat die Debatte zu entschärfen: „Das Leitbild ist eine Perspektive, keine Vorgabe.“ Mit dem Leitbild baue man, bildlich gesprochen, zwei Leitplanken, lasse die Fahrbahn aber noch weg. Die Fahrbahn gestalte man dann erst in einem späteren Schritt im Flächennutzungsplan.

Kataster für innerörtliche Baugrundstücke entsteht

„Wir machen all dies nicht, um irgendwann 48 000 statt 45 000 Einwohner zu haben“, sagte der OB. Weil man wisse, dass Flächen für Ackerbau und Naherholung rar seien, wolle man möglichst innerhalb der fünf Stadtteile bauen. „Wir müssen genau überlegen, was wir innerorts können und was wir außerorts brauchen.“ Die Stadt erstelle gerade ein Kataster mit allen Grundstücken, die sich zur innerörtlichen Bebauung eigneten: „Im Flächennutzungsplan müssen wir die schmerzliche Frage beantworten, welche Flächen wir zur Verfügung stellen wollen.“ Das Kataster liege als Beratungsgrundlage vor, wenn der Gemeinderat den Flächennutzungsplan beschließe.

„Wir begrüßen die Aufstellung des Leitbilds an sich und verstehen es als Reflexionsrahmen“, sagte Stefan Hermann, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Gemeinsam mit der Fraktionsgemeinschaft CDU/FDP fordere man allerdings, dass das Leitbild in allen fünf Stadtteilen bei Bürgerinformationen präsentiert werde. Seine Fraktion sei beim Leitbild gespalten und werde unterschiedlich abstimmen. „Der Verbrauch kostbarer Ackerflächen ist zu vermeiden. Auch für die Innenentwicklung sollte das Kataster öffentlich ausgelegt werden. Sollten größere Ackerflächen gebraucht werden, müssten die Kosten für den Umzug landwirtschaftlicher Betriebe berechnet werden“, ergänzte sein Fraktionskollege Matthias Weinmann (Freie Wähler). Mit den Zahlen im Leitbild verhalte es sich wie mit einem Bergsteiger der unbedingt auf den Gipfel wolle: „So wie er will man diesen Flächenverbrauch auch erreichen.“ Auch Weinmanns Fraktionskollegen Gebhard Handte und Ernst Schumacher, beide Landwirte, lehnten das Leitbild ab. „Die Zahlen mit 138 Hektar und 3000 Einwohnern stehen im Raum, also wird es soweit kommen“, sagte Handte. „Für uns ist der Vorrang der Innenverdichtung wichtig, wenn wir noch Landwirtschaft und Naherholung haben wollen“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Willy Stoll.

Beim Thema Bauen wird es zur Sache gehen

„Die SPD-Fraktion will, dass wir Instrumente entwickeln, die nicht erst irgendwann greifen, denn der Bedarf ist jetzt schon da“, sagte Frank Schwemmle (SPD). Beim Thema Bauen werde es zur Sache gehen: „Wenn es außerhalb zur Bebauung kommt, dann kann das nur dann sein, wenn die Stadt Eigentümer des Bodens ist, damit der Wohnraum wirklich günstig wird.“ Durch den Druck auf den Mietwohnungsmarkt würden sich viele Menschen die Mieten nicht mehr leisten können. „Lassen Sie uns den Mut haben, Grundlagen zu legen, die nicht nur Wohnungseigentümer reich machen, sondern die es ermöglichen, dass die Menschen hier in Filderstadt leben können“, appellierte er an die anderen Fraktionen. Auch bei innerörtlichem Bauen sei zu überlegen, ob man es bei wenigen Geschosshöhen belassen könne.

„Auch wir sagen ja zum Leitbild“, sagte Armin Stickler (Grüne). Es sei ein guter Rahmen für eine maßvolle Weiterentwicklung Filderstadts. Die Zahlen der Bevölkerungsentwicklung seien nicht in Stein gemeißelt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: