Erkenntnis aus Filderstadt S-Bahn: 15-Minuten-Takt möglich

Von Malte Klein 

Daniel Glaser (rechts) hat seine Bachelorarbeit im Studiengang Verkehrsingenieurwesen über den eingleisigen Streckenabschnitt zwischen Flughafen und Filderstadt geschrieben. Glaser ist studentischer Mitarbeiter vom Bundestagsabgeordneten  Matthias Gastel. Foto: Malte Klein
Daniel Glaser (rechts) hat seine Bachelorarbeit im Studiengang Verkehrsingenieurwesen über den eingleisigen Streckenabschnitt zwischen Flughafen und Filderstadt geschrieben. Glaser ist studentischer Mitarbeiter vom Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel. Foto: Malte Klein

David Glaser hat in seiner Bachelorarbeit nachgewiesen, dass der Flughafentunnel Kapazität für doppelt so viele Züge hat. Ist das die ersehnte Erleichterung für Staugeplagte?

Filderstadt - Die Bachelorarbeit von David Glaser hat es in sich – im positiven Sinne. Denn der Absolvent des Studiengangs Verkehrsingenieurswissenschaft an der Universität Stuttgart hat in Simulationen nachgewiesen, dass ein 15-Minuten-Takt auf der Linie S 2 vom und zum S-Bahnhof Filderstadt möglich wäre. Aktuell fahren die Züge alle 30 Minuten.

Der Filderstädter David Glaser sitzt an diesem Vormittag mit dem lokalen Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel (Grüne) in einem Café über dem S-Bahn-Tunnel am Bahnhof und erzählt von seinen Forschungsergebnissen. Gastel, für den der Absolvent Glaser arbeitet, hat ihn auf das Thema gebracht. „Die Professoren der Universität Stuttgart haben den Nutzen auch gesehen, das zu untersuchen“, sagt Glaser. Und ihn interessiert es auch als Nutzer der S-Bahn.

Die Lücken zwischen den Zügen sind groß genug

Der Knackpunkt beim S-Bahn-Verkehr vom Stuttgarter Flughafen und weiter nach Bernhausen ist der Tunnel unter der Start- und Landebahn, über den die Züge Filderstadt erreichen. Denn diese Strecke ist auf 2,7 Kilometern eingleisig, sodass sich dort keine Bahnen begegnen können. „Ein eingleisiger Streckenabschnitt hat eine begrenzte Kapazität und die Wahrscheinlichkeit, dass dort Verspätungen entstehen, ist erhöht.“ Glaser hat in einem Computerprogramm simuliert, wie ein 15-Minuten-Takt funktionieren würde. Dazu gab er die Infrastrukturdaten genauso ein wie Fahrpläne und schaute dann, was bei Störungen im Betrieb passierte. Das Ergebnis: „Der eingleisige Abschnitt hat die Kapazitäten, und die Lücken zwischen den Zügen sind groß genug, dass ein 15-Minuten-Takt nach Filderstadt möglich ist.“

Machbarkeitsstudie vom Verband Region Stuttgart gefordert

Damit keine Verspätungen entstehen und Züge bei der Tunneleinfahrt aufeinander warten müssen und diese dann noch später kommen, hat Glaser Reservezeiten eingebaut. „Das bedeutet, dass ich an manchen Haltestellen beispielsweise zehn Sekunden aufgeschlagen habe.“ So sollen Verspätungen wieder abgebaut werden, sodass die Bahnen pünktlich in den Tunnel fahren können. Aktuell sind in der gesamten Fahrtstrecke der S 2 von Schorndorf nach Filderstadt und in der Gegenrichtung laut Glaser drei bis fünf Minuten Reservezeit eingeplant. Nach dem Absolventen könnten es noch etwas mehr sein, damit Züge Verspätungen abbauen können. „Der Dreh- und Angelpunkt des gesamten S-Bahn-Verkehrs ist aber, die Haltezeiten zu verkürzen“, sagt Gastel.

Der Politiker sagt, dass auch der Verband Region Stuttgart (VRS) als Aufgabenträger des S-Bahn-Verkehrs eine Ausweitung des Verkehrs zum 15-Minuten-Takt prüfe. „Es würde mich wundern, wenn die zu einem anderen Ergebnis kommen würden.“ Er fordert nun, dass der VRS eine Machbarkeitsstudie dazu in Auftrag gibt. Dabei gehe es dann auch um die Frage, ob weitere Züge gekauft werden müssten. „Der 15-Minuten-Takt der S-Bahn soll so schnell wie möglich kommen“, fordert Gastel. Darauf müssten dann auch die Busse von und nach Filderstadt abgestimmt werden. „Dass es eine Nachfrage gebe, sei sicher. „Schließlich leben in Filderstadt und den Nachbarkommunen Neuhausen und Aichtal insgesamt 70 000 Einwohner.“ Gerade bei den Problemen mit Lärm, Abgasen und Staus sei die Taktverdichtung sehr positiv. „Wenn die so schnell wie möglich eingeführt würde, wäre das ein starkes Signal für den Umstieg vom Auto auf den ÖPNV.“

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