Die Querdenken-Bewegung hat dem bis dahin positiv belegten Attribut eine neue Bedeutung gegeben. Foto: 7aktuell.de//Andreas Werner

Vor der Pandemie haben Firmen in ihren Jobanzeigen gerne nach „Querdenkern“ gesucht. Durch die in Stuttgart gegründete Bewegung hat sich das geändert – außer in einem Arbeitsbereich.

Kaum eine Firma möchte noch „Querdenker“ unter ihren Angestellten haben. Die Bewegung, die sich im Zuge der Coronamaßnahmen formiert hat, hat dem bis dahin positiv belegten Attribut einen schalen Beigeschmack gegeben. Stattdessen suchen Unternehmen in ihren Stellenausschreibungen seit Frühjahr 2020 vermehrt nach „Vordenkern“ und „Visionären“. Das hat laut einer Pressemitteilung eine Studie der privaten Wirtschaftshochschule Gisma aus Hannover sowie der Jobsuchmaschine Indeed ergeben. Gemeinsam haben die Institutionen die Häufigkeit der Begriffe „Querdenker“, „Visionär“ und „Vordenker“ in Jobanzeigen zwischen Januar 2019 und Januar 2022 ermittelt.

 

Heute sagt man lieber „Visionär“ oder „Vordenker“

Dabei kam heraus, dass die Pandemie zu einem Rückgang von 77 Prozent des Attributs „Querdenker“ in Jobausschreibungen geführt hat. Parallel haben die Forscher eine Zunahme um 44 Prozent des Begriffs „Vordenker“ ermittelt sowie einen Anstieg um 35 Prozent des Begriffs „Visionär“.

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Die Veränderung begann im Frühjahr 2020, als sich die Querdenken-Bewegung bildete, zunächst in Stuttgart unter Michael Ballweg. Am häufigsten wurde der Begriff „Querdenker“ im September 2019 gezählt, damals tauchte er in 1839 von einer Million Jobausschreibungen auf, im Januar 2022 wurde er nur noch 350 Mal gezählt.

Unter Personaldisponenten sucht man nach „Querdenkern“

Untersucht wurden zudem Unterschiede in verschiedenen Jobbranchen. Dabei fielen den Forschern Ausnahmen entgegen des allgemeinen Trends auf: So taucht in Stellenanzeigen im Büro- und Verwaltungsbereich der Begriff „Querdenker“ mehr als früher auf, sogar deutlich: Im Jahr 2020 wurde der Begriff in 3,2 Prozent der Stellenausschreibungen verwendet, derzeit bei 18,4 Prozent der Anzeigen. Besonders unter Personaldisponenten sucht man nach „Querdenkern“; in 16,6 Prozent der Ausschreibungen tauchte der Begriff zuletzt auf, im Jahr 2020 lag der Wert noch bei 0,5 Prozent. Und nur ein relativ geringer Rückgang von 1,7 Prozent lässt sich in Stellenausschreibungen für Management-Jobs feststellen.

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Die Untersuchung zeige, dass „Bewegungen, die aus der Pandemie heraus entstanden sind, auch auf unsere Sprache Einfluss nehmen“, schreibt Stefan Stein, der Präsident Hochschule Gisma, in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Hochschule und der Jobsuchmaschine Indeed.

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Pro Monat führt Indeed rund 890 000 neue Stellen auf, die von Karrierewebseiten deutscher Unternehmen übernommen werden. Die Jobs wurden in mehr als 50 unterschiedliche Kategorien eingeteilt. Anhand dieser Basis wurde die Studie erhoben.

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