Mit Entspannung lenkt Spitzenkoch Vincent Klink einen Ball im Tisch. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Zum Start der Ausstellung „Ey Alter!“ stellen sich der Koch Vincent Klink und der Sportler Timo Bracht auf den Prüfstand. Die Ergebnisse zeigen: Alter ist relativ.

Stuttgart - Das mit der Reaktionszeit passt Sportler Timo Bracht nicht wirklich. 240 Millisekunden – schneller kriegt er die fallende Stange nicht aufgefangen. Irgendwann gibt sich der Weltklasse-Triathlet mit seinen 7 von 10 Punkten zufrieden und zieht weiter zum nächsten Selbsttest der Mitmachausstellung „Ey Alter“ im Mercedes-Benz-Museum. Hier muss er einen Ball ins Ziel lenken, indem er alle anderen Gedanken ausschaltet. „Das ist ja wie beim Militär“, scherzt der 41-Jährige. Spitzenkoch Vincent Klink drischt derweil auf einen Boxsack ein. Dieser fragt seine Selbsteinschätzungen ab: Problemlösungskompetenz Ja, Nein, eher Ja, eher Nein. Die Entscheidungen des 67-Jährigen fallen Schlag auf Schlag.

Die Ausstellung, die an diesem Freitag eröffnet wird und bis zum 30. Juni 2017 läuft, bietet Besuchern an 20 Stationen Gelegenheit, ihr eigentliches Alter zu ergründen. Schließlich heiße es nicht ohne Grund: „Alter ist Kopfsache“, sagt Sven Voelpel, Professor für Betriebswirtschaft an der Jacobs University Bremen. Nicht der Geburtstag sondern die Einstellung bestimme die individuellen Lebensjahre. Erkenntnisse aus zehn Jahren interdisziplinärer Altersforschung seien in diese Schau mit eingeflossen, macht der Wissenschaftler deutlich.

Vorurteile gibt es reichlich – egal ob Alt oder Jung

Kaum ist man im Untergeschoss angekommen, wartet bereits die erste Entscheidung: Lenkt man seine Schritte durch das Tor für „Jung“ oder durch das für „Alt“? Je nach Wahl muss man sich mit unterschiedlichen Vorurteilen beschimpfen lassen: Wer sich für „Jung“ entscheidet, gilt als frech, verwöhnt und wird aufgefordert, sich mal die Haare zu kämmen. Die „Alten“ dagegen werden als langsame Spießer angesehen, und stehen Pate für die Grundhaltung „Früher war alles besser.“

Vincent Klink hat sich spontan zu seinem etwas fortgeschritteneren Alter bekannt und sich für das linke Tor entschieden. Später ermittelt er per Fragebogen seine gefühlten Lebensjahre. „Ich sage immer, ich bin fast 70 – und das schon seit rund zehn Jahren“, gesteht er. Sich älter zu machen, sei vor allem schön bequem. Eigentlich fühle er sich aber schon jung. Der Test bestätigt das nicht: gefühlte 67 Jahre, das ist exakt das, was sein Personalausweis auch sagt.

Sportler Bracht bringt es auf 200 Jahre Erfahrung

Anders bei Timo Bracht, der sich an diesem Tag „eher wie 40 fühlt“. Er kommt mit 35 Jahren aus dem Test. Auch beim Erfahrungsalter hat er am Ende die Nase ein Stückchen vorn. Denn hier zählt viel Erfahrung, und seine 200 von 350 möglichen Jahren sind nur schwer zu toppen. Klink bringt es immerhin auf ebenfalls beachtliche 160 Jahre, ein 26 Jahre altes Daimler-Nachwuchstalent zum Vergleich auf 91.

Am Ende lassen sich die Testpersonen ihren „Ey-Score“ ausdrucken, der bei allen knapp unter der Höchstpunktzahl liegt und sich damit gut sehen lassen kann. „Ich habe an den Apparaten gemerkt, worauf es alles ankommt“, bilanziert Vincent Klink. Die Tests konfrontierten die Teilnehmer mit der Frage: „Worin bin ich eigentlich noch gut, und was lasse ich lieber bleiben?“ Ähnlich fällt die Bilanz von Timo Bracht aus: Hier habe er über Dinge nachgedacht, die er sonst gern verschiebe. „Man merkt, wie wichtig es ist, seine Mitte zu finden.“

Die Ausstellung „Ey Alter“ ist bis zum 30. Juni 2017 jeweils zu den Öffnungszeiten des Mercedes-Benz Museums zu sehen, und zwar dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr. Der letzte Einlass ist um 17 Uhr. Der Eintrittspreis ist im Kartenpreis für das Museum enthalten.

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