Ziel Co2-Neutralität: Bosch-Chef Volkmar Denner macht Klimaschutz zur Chefsache. Foto:  

Der Stuttgarter Konzern investiert Milliarden in Klimaschutz und will ab 2020 als erstes großes Industrieunternehmen klimaneutral sein. Außerdem will Bosch 25 000 neue IT- und Softwareexperten einstellen.

Stuttgart/Renningen - Der Bosch-Konzern, der unter der Dieselkrise leidet und 2019 nur mit einem Umsatz leicht über Vorjahresniveau rechnet, verstärkt seine Anstrengungen in Sachen Klimaschutz und Luftqualität. „Klimawandel ist keine Science-Fiction. Er findet real statt“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner bei der Bilanzpressekonferenz an diesem Donnerstag im Forschungscampus in Renningen. Wolle man das Pariser Klimaabkommen ernst nehmen, dürfe Klimaschutz nicht nur als langfristiges Fernziel verstanden werden, sondern müsse kurzfristig stattfinden. Als Innovationsführer wolle Bosch technische Antworten auf ökologische Fragen liefern. „Fahrverbote, Diesel-Proteste, Gelbwesten- und Freitagsdemonstrationen – all das zeigt, dass wir wirtschaftlichen Klimaschutz und neue Lösungen für Luftqualität in Städten brauchen, auch um das gesellschaftliche Klima zu stabilisieren“, so der Bosch-Chef.

Eine Milliarde Euro für mehr Energieeffizienz

Bereits ab kommendem Jahr wird Bosch laut Denner vollständig klimaneutral sein. Ab 2020 werden demnach die über 400 weltweiten Bosch-Standorte keinen CO2-Fußabdruck mehr hinterlassen. „Wir übernehmen Verantwortung für den Klimaschutz und handeln deshalb jetzt“, sagte Denner. Bosch will rund eine Milliarde Euro in die Energieeffizienz seiner Standorte investieren, den Anteil regenerativer Energien an der Energieversorgung erhöhen, mehr Ökostrom zukaufen und unvermeidbaren CO2-Ausstoß mit Kompensationsmaßnahmen ausgleichen. 3,3 Millionen Tonnen CO2 sollen so bis 2020 neutralisiert werden.

Die Luftbelastung durch den Verkehr will Bosch gegen Null führen – mit unterschiedlichen Ansätzen. Im entstehenden Massenmarkt der Elektromobilität strebt der Technologiekonzern die Marktführerschaft an. 2025 will das Unternehmen mit Elektromobilität fünf Milliarden Euro Umsatz erzielen – zehnmal so viel wie 2018. Bereits jetzt sind mehr als eine Million Elektroautos weltweit mit Bosch-Antriebskomponenten unterwegs, Ende 2022 sollen es 14 Millionen sein. Allein im vergangenen Jahr kamen 30 neue Projekte hinzu. „Wir wollen auch der Brennstoffzellentechnik zum Durchbruch verhelfen, sagte Denner mit Blick auf die Kooperation mit Powercell, einem schwedischen Hersteller von Brennstoffzellen-Stacks.

Vier Milliarden Euro für die Automatisierung

Auch beim automatisierten Fahren ist Bosch gut unterwegs. Mehr als 5000 Bosch-Ingenieure arbeiten daran. Bis 2022 werde Bosch rund vier Milliarden in die Automatisierung und damit in die nachhaltige Mobilität investieren. Umsatztreiber seien dabei Fahrerassistenzsysteme. Von aktuell zwei Milliarden Euro soll der Umsatz in diesem Jahr rund 15 Prozent wachsen. Dabei soll der Absatz von Radarsensoren um 20 Prozent, der von Videosensoren um 30 Prozent zulegen. „Automatisiertes Fahren ist ein Zukunftsfeld, das für uns schon jetzt ein Wachstumsfeld ist“, sagte Denner.

Trotz etlicher Unwägbarkeiten war 2018 für die Bosch-Gruppe ein erfolgreiches Jahr. Der Umsatz stieg um 2,2 Prozent auf 78,5 Milliarden Euro, wobei Wechselkurseffekte in Höhe von 2,1 Milliarden Euro zu Buche schlugen. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verbesserte sich leicht von 5,3 auf 5,5 Milliarden Euro. Das entspricht einer operativen Rendite von sieben Prozent. Alle Unternehmensbereiche hätten zum guten Geschäftsverlauf beigetragen, sagte Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer. Das Geschäft rund um die Mobilität (Mobility Solutions) legte um 3,5 Prozent (wechselkursbereinigt plus 5,8 Prozent) auf 47,6 Milliarden Euro Umsatz zu. Damit ist Bosch erneut stärker gewachsen als die weltweite Automobilproduktion.

25 000 neue IT- und Softwareexperten

Unterm Strich hat Bosch im vergangenen Jahr weltweit fast 8000 neue Arbeitsplätze geschaffen, mehr als die Hälfte davon in Forschung und Entwicklung. Software- und IT-Experten sind besonders gefragt – weltweit beschäftigt Bosch rund 27 000 dieser Experten. Die Zahl soll weiter steigen. „In den nächsten fünf Jahren plant Bosch, knapp 25 000 IT- und Software-Experten weltweit neu einzustellen“, sagte Denner. Ende 2018 beschäftigte Bosch insgesamt 410 000 Mitarbeiter, davon gut 139 400 in Deutschland.

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