Kernst Foto: Bosch

Bosch verstärkt sein Engagement bei der Entwicklung der Brennstoffzelle für Lastwagen und Autos. Auf längere Sicht sieht der Zulieferer einen Milliardenmarkt für diesen Antrieb.

Stuttgart - Bosch bereitet die Serienproduktion von Brennstoffzellen für Lastwagen und Autos vor. Dazu hat der Stuttgarter Zulieferer jetzt eine Kooperation mit dem jungen schwedischen Unternehmen Powercell Sweden geschlossen. Bosch zahlt dafür rund 50 Millionen Euro. Gemeinsam mit dem schwedischen Partner sollen sogenannte Stacks für Brennstoffzellen zur Serienreife gebracht werden. Dies soll spätestens bis 2022 gelingen. Anschließend will Bosch die Stacks nach eigenen Angaben in Lizenz für den weltweiten Fahrzeugmarkt herstellen. Wo die Fertigung dann später einmal angesiedelt werden soll, ist nach Angaben eines Sprechers noch offen.

Stacks sind das Kernstück der Brennstoffzelle. Sie wandeln Wasserstoff in einer chemischen Reaktion mit Sauerstoff in elektrische Energie um. Diese kann entweder zum Laden einer Batterie im Fahrzeug oder direkt zum Antrieb des elektrischen Motors verwendet werden. Aus dem Auspuff kommt nur Wasserdampf. Bei der Partnerschaft mit den Schweden geht es um sogenannte Polymerelektrolyt-Brennstoffzellen, die mit vergleichsweise niedrigen Temperaturen arbeiten. Der Brennstoffzellenantrieb hat gegenüber batteriebetriebenen Elektroautos den Vorteil einer größeren Reichweite. Zudem kann der Tank so schnell wieder aufgefüllt werden wie bei einem Auto mit Verbrennungsmotor. Allerdings gibt es bisher nur wenige Wasserstoff-Tankstellen. Zudem ist heute nicht nur die Herstellung des Antriebs sehr teuer, sondern auch die Herstellung von Wasserstoff. Auch fällt die Klimabilanz nur vorteilhaft aus, wenn der Wasserstoff aus erneuerbaren Energien hergestellt wird. Dies ist heute aber in der Regel nicht der Fall.

Toyota und Hyundai produzieren Brennstoffzellen-Autos bereits in Serie

VW sieht deshalb kaum Zukunftschancen für die Brennstoffzelle. Der Batterieantrieb sei „auf absehbare Zeit die beste und effizienteste Möglichkeit für weniger CO2 im Straßenverkehr“, sagte VW-Konzernchef Herbert Diess vor Kurzem und entfachte damit eine hitzige Diskussion in der Branche. Toyota und Hyundai produzieren dagegen Brennstoffzellen-Autos schon in Serie. Mercedes-Benz hat eine Kleinserie gestartet. Bosch sieht im Geschäft mit dem Brennstoffzellenantrieb auf längere Sicht ein Milliardenpotenzial. Bis 2030 werden nach Einschätzung des Zulieferers bis zu 20 Prozent aller Elektrofahrzeuge weltweit mit Brennstoffzellen angetrieben. Die besten Chance sieht das Unternehmen bei Nutzfahrzeugen.

Bosch hat bereits Komponenten für den Brennstoffzellenantrieb entwickelt

Das schwedische Unternehmen Powercell Sweden entstand 2008 als Ausgründung des Autoherstellers Volvo und stellt mit 60 Mitarbeitern heute Brennstoffzellen für den Einsatz in Prototypen her. Bosch hat bereits etliche Komponenten für den Brennstoffzellenantrieb entwickelt, wie etwa den Luftkompressor mit Leistungselektronik sowie das Steuergerät mit Sensoren, und will künftig komplette Systeme aus einer Hand liefern. An vier Standorten arbeiten nach Angaben eines Sprechers an dieser Technik gut 200 Mitarbeiter in Renningen, Feuerbach, Bamberg und Bad Homburg in der Forschung und Entwicklung. Dabei geht es aber nicht nur um Antriebe, sondern auch um die stationäre Nutzung.

Im stationären Bereich arbeitet Bosch mit dem britischen Unternehmen Ceres Power zusammen. Hier wird allerdings eine andere Technik eingesetzt als bei der Partnerschaft mit den Schweden. Im stationären Bereich soll die Brennstoffzellentechnik kleine Kraftwerke ermöglichen, die überall in der Stadt sowie in Industrie- und Gewerbegebieten platziert werden können.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: