Der spanische Künstler hat Brücken geschlagen. Nicht nur, aber auch in Ditzingen. Es waren Brücken zwischen Kulturen, Generationen und Menschen. Am 6. November ist Luciano Moral überraschend gestorben. Er wurde 75 Jahre alt.
Seine Kunst lässt sich nicht in Schubladen stecken, genau wie er als Person. Ist Luciano Moral ein Künstler, der es genießt, in seinem Tun frei zu sein? Oder ist er nicht vielmehr der Pädagoge, der Generationen von Ditzinger Kindern die Freude an der Kunst vermittelt hat, um es im Leben etwas einfacher zu haben? Ist es Kubismus oder Expressionismus? Es sei „Moralismus“, hat Moral erzählt, wie seine Kunst einmal bezeichnet worden war. Ihn amüsierte es sichtlich, in keine Kategorie zu passen. Er war frei – und doch den Menschen sehr verbunden. Vor wenigen Tagen ist der Spanier, der in Ditzingen heimisch wurde, gestorben.
Als Teenager mit dem Zirkus unterwegs
Als Teenager hatte sich Moral in Spanien einem Zirkus angeschlossen, weil er sich in eine Artistin verliebt hatte. 1968, noch in Spanien, demonstrierte er gegen den Diktator Franco, wurde verhaftet und flog von der Uni. Er ging nach Paris, die Liebe verschlug ihn Anfang der 1970er-Jahre nach Deutschland. Politisch aktiv sei er nicht mehr, das sei vorbei, sagte Moral vor wenigen Jahren. Es blieb sein Engagement für die Gesellschaft, wenn auch auf einer anderen Ebene: Mehr als 20 Jahre arbeitete er in Ditzingen mit Schülern des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums. „Die Kinder können nichts dafür“, sagt Moral über die jungen Menschen mit den erschwerten Startbedingungen. So kam es, dass er ehrenamtlich mit Kindern malte.
Die Ditzinger hatten ihn über die Jahre mehrfach für sein Engagement ausgezeichnet. Bezeichnend war einerseits, dass mit Matthias Kleinert einst ein prominenter CDU-Politiker die Laudatio hielt, als Moral mit dem Kulturpreis der Ditzinger SPD geehrt wurde. Der ehemalige Staatssekretär unter Lothar Späth und spätere PR-Chef von Daimler hielt damals, 2017, mit seiner Freude nicht hinterm Berg, bei den Sozialdemokraten und damit in fremden Gefilden unterwegs zu sein. Für Moral hatte Kleinerts Intermezzo bei der SPD keine politische Ebene: Die Laudatio hielt schlicht ein guter Freund.
Nicht nur in Ditzingen aktiv
Im spanischen Avila geboren, war Moral inzwischen auch in Deutschland zuhause. Er verband geschmeidig beide Kulturen, hauchte dem Deutschen die südländische elegante Leichtigkeit ein, mit der er meist stillschweigend sein Engagement für die Schwachen der Gesellschaft lebte. Seit Jahrzehnten malte und arbeitete Moral mit Kindern an Förderschulen in Ditzingen, Kornwestheim und Stuttgart. Viele seiner zahlreichen Bilder, die im Laufe seines künstlerischen Lebens entstanden, hatte der Künstler zudem für karitative Zwecke zur Verfügung gestellt. Die Erlöse aus den Verkäufen gingen an Kinder im Kosovo-Krieg, an die Opfer der Terroranschläge von Madrid oder an Mukoviszidose-Kranke.
International ausgestellte Kunst
Dabei sind Morals Werke auch international in Ausstellungen zu sehen. Viele seiner Gemälde zeigen Köpfe, Gesichter und deren Mimik, gehalten in kräftigen roten und braunen Farbtönen. Neben Frauenporträts sind immer wieder politische Motive darunter gewesen, wie das des chilenischen Dichters Pablo Neruda oder Figuren aus Heldensagen wie Don Quijote und dessen Pferd Rosinante. Dass sein Stil manchen Betrachter ein wenig an Pablo Picasso erinnerte, ist dabei möglicherweise nie ein Zufall gewesen. Zum Malen war Luciano Moral gekommen, als er als Jugendlicher auf den Meister selbst traf. Die Begegnung prägte. Am 6. November ist Luciano Moral überraschend gestorben. Er wurde 75 Jahre alt.