Gärtnermeister Jochen Knauf möchte in seinem Gewächshaus in Altenriet zwei Tiny Houses zur Vermietung bauen. Der Gemeinderat hat das Bauvorhaben bereits genehmigt, nun steht noch die Zustimmung des Landratsamtes aus.
Kreis Esslingen - Wie viel Platz braucht der Mensch zum Wohnen? In wie viele Quadratmeter passt sein Leben? Geht es nach der Philosophie der Tiny-House-Bewegung, muss ein Zuhause nicht groß sein, damit man sich darin heimisch fühlen kann. Wer diesen Wohntrend ausprobieren möchte, könnte bald in Altenriet fündig werden. Hier plant Gärtnermeister Jochen Knauf zwei Tiny Houses in seinem Gewächshaus zur Vermietung.
In dem Gewächshaus, in dem die beiden Wohnboxen stehen sollen, hat Jochen Knaufs Frau früher Blumen verkauft. Als das Paar den Laden vor fünf Jahren aufgab, fungierte er erst mal als Lager. Mit der Zeit sei dann die Entscheidung gereift, etwas aus den Räumlichkeiten zu machen. Auf der Suche nach jemanden, der ihre Vorstellungen umsetzten kann und auch eigene Ideen mitbringt, stieß Knauf auf den Architekten Alexander Ilg. Der habe schließlich die Idee mit den Tiny Houses gehabt, sagt Knauf. Selber gewohnt hat Jochen Knauf in einem Minihaus noch nie. Im ging es in erster Linie auch nicht darum, ein Tiny House zu bauen, sondern darum, Wohnraum in seinem Gewächshaus zu schaffen. Dafür habe sich ein Tiny House am besten angeboten, sagt er.
Ein Tiny House ist nicht automatisch nachhaltig
Immer mehr Städte und Gemeinden, aber auch Privatpersonen, entdecken diese Wohnform für sich. Sie suggeriert eine nachhaltige Lebensweise. Alexander Ilg steht diesem Trend skeptisch gegenüber. „Es kann nicht sein, dass wegen eines Tiny Houses Fläche versiegelt wird“, sagt er. Gerade in Zeiten, in denen Wohnraum ohnehin knapp sei, sei das nicht die Lösung. Ein Tiny House sei erst dann sinnvoll und nachhaltig, wenn es auf einer bestehenden Struktur gebaut werde und keine zusätzliche Fläche versiegle. Man könne diese Häuser zum Beispiel auf Supermärkten oder Parkagargen bauen. Oder in einem Gewächshaus, wie es bei Jochen Knauf der Fall ist.
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„Wir bauen einen Wohnraum, der nachhaltig sowie ressourcenschonend ist und eine gute Wohnqualität bietet und keine neue Fläche versiegelt. Das muss der Weg sein“ ist Ilg überzeugt. Der Architekt ist schon lange im Geschäft, er baut seit 1992 Tiny Houses und hat auch schon selber in welchen übernachtet. Wie groß beziehungsweise wie klein die Minihäuser sein dürfen, darüber gebe es keine genaue Richtlinien. Nach den Erfahrungen von Alexander Ilg reichen 40 Quadratmeter aus, um alles unter zu bekommen.
Leben mit der Natur
Die Tiny Houses von Jochen Knauf haben eine Größe von 67 sowie 82 Quadratmetern. Doch das Leben würde nicht nur in der Box stattfinden, sagt Knauf. Bei schönem Wetter könne man die Häuser öffnen und den Rest des Gewächshauses nutzen. Und das Interesse an dieser Art von Wohnen scheint da zu sein. Schon jetzt bekommt Knauf Anfragen. „Gerade bei individuellen Bauten gibt es immer Menschen, die so etwas suchen“, sagt er.
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Das Leben im Gewächshaus ist eine besondere Art des Wohnens. Je nachdem, wie die Sonne auf das Glasdach scheint, ändern sich im Gewächshaus die Temperaturen. Die Sonnenstrahlen werden reflektiert und die warme Luft kann nicht entweichen, sondern bleibt im Raum. So entsteht eine natürliche Wärme. „Man lebt hier mit der Natur. Und das muss man wollen und Spaß daran haben“, sagt Knauf.
Projekt sorgte für Interesse bei den Bürgern
Im Gemeinderat in Altenriet hat sein Projekt für reichlich Interesse gesorgt. Da sich zu viele Bürger und Bürgerinnen im Rathausfoyer angesammelt hatten, musste die Sitzung des Gemeinderats verschoben werden. Sonst hätten die Hygieneregeln nicht eingehalten werden können. In der nachgeholten Versammlung stimmte der Gemeinderat für das Bauvorhaben. Ein paar Bürger hatten befürchtet, dass bei einer Genehmigung weitere Wohnprojekte auf dem Gelände der Gärtnerei folgen könnten. Das relativiert Knauf. Ein Nachbar sei der Sache kritisch gegenüber gestanden, sagt er. Der Gemeinderat wisse, dass weitere Bauvorhaben aufgrund der Konstruktion gar nicht möglich seien. Damit war das Thema durch, sagt der Gärtnermeister. Nun muss das Landratsamt das Bauvorhaben noch genehmigen. Hier ist Knauf optimistisch, dass das klappen wird. Sein Mitstreiter Alexander Ilg kritisiert, dass Bauen in Deutschland immer schwerer gemacht werde. Es gebe zu viele Vorschriften, an die man sich halten müsse.
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Tiny Houses
Definition
Eine genaue Richtlinie darüber, wie klein oder groß ein Tiny House maximal sein darf, gibt es nicht. Tiny Houses können an einem Platz stehen oder sich mobil auf Rädern bewegen. Das ist bei den meisten Modellen mittlerweile der Fall.
Ursprung
Ihren Anfang hatte die Tiny-House -Bewegung in den USA. Nach der Finanzkrise 2007 war für viele Amerikaner und Amerikanerinnen Wohneigentum zu teuer und sie wichen daher auf die Tiny Houses aus. Diese waren kleiner und mit deutlich niedrigeren Bau- und Heizkosten verbunden. Die Bewegung breitete sich schließlich nach Kanada sowie Australien aus und erreichte schließlich Deutschland.