Claudia Buch ist als Vizepräsidentin der Bundesbank nominiert. Foto: dpa

Die Wirtschaftsweise Claudia Buch soll neue Vizepräsidentin der Bundesbank werden. Das Bundeskabinett nominierte nach Angaben aus Regierungskreisen die 47 Jahre alte Bankenexpertin als Nachfolgerin von Sabine Lautenschläger.

Frankfurt - Die Wirtschaftsweise Claudia Buch soll neue Vizepräsidentin der Bundesbank werden. Das Bundeskabinett nominierte nach Angaben aus Regierungskreisen die 47 Jahre alte Bankenexpertin als Nachfolgerin von Sabine Lautenschläger. Diese war kürzlich in die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) gewechselt.

Das Vorschlagsrecht für den Vizeposten bei der Bundesbank hat die Bundesre­gierung. Offiziell bestellt wird die neue Amtsinhaberin dann durch Bundespräsident Joachim Gauck. In der Großen Koalition war die Personalie lange umstritten. Die SPD hatte Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel (47) für den Top-Posten favorisiert.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat jetzt offenbar einen Schlussstrich gezogen. Seine Favoritin Claudia Buch, Präsidentin des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH), macht das Rennen und wird neue Vizepräsidentin der Bundesbank. Damit sitzt erneut eine Frau auf dem zweitwichtigsten Posten der Bundesbank hinter Präsident Jens Weidmann.

Auslöser für die Neubesetzung war Jörg Asmussen. Der ehemalige EZB-Direktor hatte im Dezember völlig überraschend seinen Wechsel als Staatssekretär ins Haus von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) verkündet. ­Daraufhin war nach kurzer Zeit klar, dass die damalige Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger in die EZB rücken sollte. Seit Ende Januar sitzt sie im Eurotower.

Schnell wurde Claudia Buch als Favoritin für den Spitzenjob gehandelt. Für die Notenbank ist sie eine absolute Bereicherung, heißt es in Frankfurt. Medienwirksame Auftritte sind nicht ihr Metier. Doch mit Kritik in der Sache hält Claudia Buch nicht hinter dem Berg. Fachlich ist sie über jeden Zweifel erhaben, nicht nur weil sie seit März 2012 Mitglied des Sachverständigenrates ist und zu den Wirtschaftsweisen gehört. Buch gilt als politisch unabhängig, im Koalitionsvertrag sieht sie viele „rückwärtsgewandte“ Elemente. Ohne Zweifel spielt auch eine Rolle, dass mit ihr wieder eine Frau in den Bundesbank-Vorstand kommt. Dies war offenbar auch eine Forderung von Finanzminister Schäuble.

Seit Juni 2013 leitet die gebürtige Paderbornerin das Institut für Wirtschafts­forschung in Halle. Zugleich ist die ­jugendlich wirkende Wirtschaftswissenschaftlerin mit dem Kurzhaarschnitt ­Professorin an der Universität Magdeburg. Davor hat die Diplom-Volkswirtin an der Hochschule in Tübingen Wirtschaftstheorie gelehrt, mit dem Schwerpunkt Geld- und Währungspolitik. Buch gilt als exzellente Kennerin des Bankensystems. Sie hat sich in der Schulden- und Bankenkrise immer wieder zu Wort gemeldet. Insofern ist ihre Berufung zur Bundesbank logisch, denn dort war Lautenschläger für die Bankenaufsicht zuständig.

Stabile Banken sind für Buch essenziell, Schieflagen bei Geldhäusern träfen immer auch die Realwirtschaft. Deshalb seien mehr Eigenkapital und durchaus noch mehr Regulierung notwendig. Ähnlich wie Bundesbank-Präsident Weidmann fordert sie, dass Banken auch Staatsanleihen mit Eigenkapital absichern müssen. Die Krise, so Buch, habe gezeigt, dass auch Staatsanleihen nicht ohne Risiko seien. Sie gibt sich aber auch keinen Illusionen hin: Finanz- und Bankenkrisen werde es immer geben. Deshalb müsse es vor allem darum gehen, die Auswirkungen solcher Krisen zu begrenzen.

Mit dem Wechsel von Buch nach Frankfurt stellt sich die Frage, wer ihre Aufgabe im Sachverständigenrat übernimmt. Auch das Forschungsinstitut in Halle steht nach Ansicht von Beobachtern vor einem erheblichen Problem. Nach schwierigen Jahren und einer langen Suche nach einem neuen Chef hatte Buch die Lage in Halle nach ihrem Amtsantritt im Juni dem Vernehmen nach wieder beruhigt. Jetzt muss sich das IWH wieder nach einem neuem Chef umschauen.

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