Der Reutlinger Maschinenbauer Manz stellt Maschinen für Solarzellen her. Foto: dpa

Mit Shanghai Electric plant ein großer chinesischer Investor den Einstieg beim Reutlinger Maschinenbauer Manz. Würde das chinesische Unternehmen Hauptaktionär, könnte Firmengründer Manz an Einfluss verlieren.

Reutlingen - Es war der Paukenschlag der vergangenen Woche: Nach zwei verhagelten Geschäftsjahren holt sich der Reutlinger Maschinenbauer Manz einen kapitalstarken Großaktionär aus China an die Seite und beteiligt ihn am eigenen Unternehmen. „Mit der Unterstützung von Shanghai Electric kann unser Unternehmen Stabilität entwickeln und seine Technologie weltweit ausbauen“, sagte ein Manz-Sprecher unserer Zeitung. Auch für den chinesischen Partner würden sich Vorteile ergeben. Er könne vom Fachwissen der deutschen Experten, besonders im Bereich der erneuerbaren Energien, profitieren.

Manz erhofft sich vom Einstieg des asiatischen Elektronikkonzerns vor allem zusätzliche Einnahmequellen im fernöstlichen Solargeschäft. Aufgrund der ambitionierten Ausbauziele der chinesischen Staatsführung im Öko-Energiebereich ergäben sich für Manz in China ganz neue Wachstumschancen, hieß es.

Manz will mithilfe des neuen Investors Verluste ausgleichen

Ein wichtiger Aspekt des geplanten Geschäfts ist aber auch die Schwächephase, in der sich Manz seit geraumer Zeit befindet. Mit einem Großinvestor an seiner Seite will das Unternehmen Verluste ausgleichen, die 2014 durch Auftragsverschiebungen in Asien und die Stornierung von Aufträgen entstanden sind. Der Umsatz sackte von Januar bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast ein Drittel auf 169 Millionen Euro ab. Der Vorstand geht für 2015 von einem hohen Verlust aus. Der Umsatz soll nur noch bis zu 210 Millionen Euro betragen, ursprünglich waren bis zu 340 Millionen Euro das Ziel. Das endgültige Jahresergebnis will Manz demnächst präsentieren.

Aufgrund der Verluste hat der IT-Zulieferer Manz, der auch Maschinen für die Batterie- und Solarproduktion baut, Ende Dezember vergangenen Jahres 174 von rund 2000 Stellen gestrichen. Unter den Mitarbeitern herrscht seither Unruhe. Ralf Jaster von der IG Metall ­beschreibt die Stimmung als „Klima der Angst“: „Die Manz AG hat keinen Betriebsrat und verhindert somit die Mitbestimmung der Angestellten. Viele Mitarbeiter fürchten sich aktuell vor weiteren Entlassungen und möchten deshalb nicht mit der IG Metall in Kontakt treten.“

Der Einstieg von Shanghai Electric ist im nächsten halben Jahr geplant, allerdings müssen chinesische Behörden noch zustimmen. Wie hoch die Beteiligung des Partners sein wird, hängt auch von den derzeitigen Manz-Aktionären ab. Um die Investition zu ermöglichen, soll das Kapital um 43 Prozent erhöht werden. Dafür werden neue Aktien auf den Markt gebracht. Wenn die Altaktionäre auf ihr Bezugsrecht verzichten, kann Shanghai Electric diese Papiere kaufen und so seinen Einstieg einleiten. So soll der Ankerinvestor auf mindestens 29,9 Prozent kommen. Firmengründer Dieter Manz, der zusammen mit seiner Frau Ulrike derzeit in Summe 39 Prozent an dem Reutlinger Unternehmen hält, hat bereits angekündigt, keine neuen Aktien zeichnen zu wollen. So kann der chinesische Partner seinen Anteil weiter ausbauen. Manz will nach Abschluss des Geschäfts allerdings mit etwa 25 Prozent am Maschinenbauer beteiligt bleiben.

Firmengründer rechnet mit Verlust von Einfluss

Die derzeitigen Pläne zum Einstieg der Chinesen sehen eine sogenannte Stimmbindungsvereinbarung vor. Dadurch werden Stimmrechte von Manz und der Shanghai Electric auf der Hauptversammlung gebündelt, so dass diese eine Mehrheit haben, und wichtige Entscheidungen ohne die Unterstützung weiterer Aktionärsgruppen treffen können. Shanghai Electric soll aber ein sogenanntes Letztentscheidungsrecht zufallen, das das Unternehmen etwa zur Bestellung oder Abberufung von Mitgliedern des Aufsichtsrates nutzen könnte.

Für Firmengründer Dieter Manz hat der Einstieg der kapitalstarken Chinesen nicht nur Vorteile. Unter Umständen verliert er an Einfluss im Unternehmen. Ein Risiko, das der Firmengründer nach eigenen Aussagen im Interesse des internationalen Ausbaus und der Weiterentwicklung seines Betriebs in Kauf nehmen würde. Wie groß die Beteiligung von Shanghai Electric an Manz am Ende sein wird, ist indes aufgrund aktienrechtlicher Hürden noch unklar. Spannend bleibt auch, ob das deutsche Unternehmen durch die Investition einen neuen Aufschwung erleben wird. Der Aktienkurs ist seit Ankündigung des Einstiegs jedenfalls gefallen.

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