Größer geht’s kaum: das umstrittene Plakat des Kultusministeriums in der Ankunftshalle am Stuttgarter Flughafen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Mit seiner „Null-Bock“-Werbekampagne für den Lehrerberuf zerschlägt das Kultusministerium viel Porzellan. Eine Klarstellung der Ministerin zu der unverständlichen Aktion ist überfällig, meint unser Autor Jan Sellner.

Sagen wir es ohne Umschweife: Die nach oben offene Skala politischer Dummheit führt aktuell ein Werbeplakat des Kultusministeriums für den Lehrerberuf an. Die Protestwelle, die das Ministerium mit seiner missglückten „Null Bock auf Arbeit“-Parole bei den Lehrerverbänden und darüber hinaus ins Rollen gebracht hat, ist verständlich. Die Lehrer, die dringend bessere Arbeitsbedingungen und vor allem den Rückhalt ihres Ministeriums brauchen, sehen sich der Lächerlichkeit preisgegeben. Kein Bock auf Arbeit? Mach was Spaßiges. Werde Lehrer! Das ist die Botschaft, die das Kultusministerium ins Land aussendet und für die es zu Recht Prügel bezieht.

 

An den Schulen hat sich viel Frust angestaut

Frappierend ist die Gedankenlosigkeit, mit der das für Bildung zuständige Ministerium hier agiert. Marketing setzt Mitdenken außer Kraft. Trommeln ersetzt Fingerspitzengefühl. Nach dem Motto: Hauptsache Aufmerksamkeit. Zum Aufruf „Hurraaa-werde-spaßeshalber-Lehrer!“ fehlt nur noch der Spruch „Hurraaa die Schule brennt!“ Das tut sie tatsächlich, jedoch in übertragenem Sinne. Die heftigen Reaktionen auf das Werbeplakat erklären sich nicht zuletzt aus dem tief sitzenden Frust, der sich in vielen Kollegien angestaut hat – übrigens auch schon unter den Vorgängerregierungen. Hier muss das Land ansetzen und endlich Abhilfe schaffen.

Dumm ist die Kampagne auch, weil sie ignoriert, was Politiker in der Vergangenheit mit abfälligen Äußerungen über angeblich faule Lehrer kaputt gemacht haben. Genau diese Vorurteile werden jetzt wieder bedient – und das vom Kultusministerium!

Über diese Politiker ist die Zeit hinweggegangen, über den Lehrerberuf nicht. Er stellt höchste Anforderungen an diejenigen, die sich die Aufgabe zutrauen, Kindern Bildung zu vermitteln und ihren Reifeprozess zu begleiten. Die Werthaltigkeit dieses Berufs, seine Bedeutung für den Einzelnen und für die Gesellschaft gilt es unmissverständlich herauszustellen. Gerne in Form einer intelligenten Kampagne – mit Betonung auf intelligent. Vor allem aber von der Ministerin persönlich. Ein klares Wort von Theresa Schopper ist überfällig.