Guadalupe Garcia de Rayos hat 22 Jahre illegal in den USA gelebt und gearbeitet. Ihre Töchter sind US-Staatsbürgerinnen. Jetzt sitzt sie hinter Gittern und wird abgeschoben. Foto: AP

Das Land rafft sich nach wochenlanger Apathie auf, um gegen die neue US-Politik Position zu beziehen. Dabei spielen auch Fußballer eine große Rolle.

Mexiko-City - Den Auftakt der mexikanischen Widerstandstage machte Rafael Marquez. Der Kapitän der mexikanischen Fußball-Nationalmannschaft nutzte die Gunst der Stunde und ergriff auf des Feindes Platz das Wort. Wie so oft, wenn die mexikanische Nationalmannschaft Freundschaftsspiele absolviert, tut sie das auf US-amerikanischem Boden. Diesmal war Las Vegas der Schauplatz. Rund 40 000 Zuschauer füllten das Sam Boyd Stadium in der Kasino-Metropole in Nevada. Den größten Anteil stellten die mexikanischen Einwanderer, mit und ohne gültiger Aufenthaltsgenehmigung.

Fußballer gegen Donald Trump

Gekickt wurde gegen Island, eine sportlich bedeutungslose Partie, die die „Gastgeber“ mit 1:0 gewannen. Trotzdem wird das Spiel in Erinnerung bleiben. Denn Marquez, der beim FC Barcelona spielt und in Mexiko eine lebende Fußballlegende ist, richtete vor der Partie einen bewegenden Appell an Donald Trump. Ohne dessen Namen zu nennen, sendete der Fußballer eine Botschaft ins weite Rund. „Zusammen mit meinen Kameraden aus der mexikanischen Nationalmannschaft beziehen wir Position gegen jede Form der Diskriminierung, Homophobie, Sexismus und Rassismus. Wir fordern Sie auf, die Zuschauer, dass Sie sich mit uns vereinen, um die wahren Werte des Fußballs zu zeigen: Inklusion, Vielfalt, Gleichheit und Respekt vor allen auf und neben dem Platz.“ Die Rede bewegte die Mexikaner, im Internet wurde der Clip zum Hit. Die mexikanischen Fans in dem US-Stadion bejubelten die Worte ihres Landmannes. Zuvor hatte schon ein anderer prominenter Fußballer Stellung bezogen: Leverkusens Stürmer Javier „Chicharito“ Hernandez publizierte über die sozialen Medien ein Gedicht des mexikanischen Designers Jorge Mendez über das Leben hinter Mauern.

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Lange taten sich die Mexikaner schwer, eine gemeinsame Position gegenüber der Politik des US-Präsidenten Donald Trump zu finden. Jetzt geht ein Ruck durchs Land, der die zerstrittenen Kräfte einen soll. Am Wochenende versammelte ein Bündnis mehrere Nichtregierungsorganisationen erstmals landesweit die Menschen. Die Demonstration unter dem Motto „Vibra Mexiko“ (Erbebe Mexiko) wendete sich gegen jede Art von Rassismus und Diskriminierung und fordere Respekt gegenüber der mexikanischen Kultur ein, hieß es in einem Aufruf der Organisatoren.

Verängstigte Frau hinter Gittern

Der Fall von Guadalupe Garcia de Rayos hatte die Emotionen am Wochenende noch einmal zusätzlich angeheizt. Die Mexikanerin hatte 22 Jahre lang als nicht registrierte Migrantin in den USA gelebt und gearbeitet. Zwei Töchter mit US-Pass zog sie groß. Nach einem Routinetermin bei den Einwanderungsbehörden in der vergangenen Woche durfte die Mexikanerin das Gebäude nicht mehr verlassen und wurde trotz massiver Proteste abgeschoben. Statt weiterhin für den Unterhalt ihrer Familie zu sorgen zu können, landete sie erst einmal in einer mexikanischen Suppenküche für abgeschobene Migranten. Ihr Anwalt machte die neue Einwanderungspolitik der US-Regierung für die Entscheidung verantwortlich. Das Bild der verängstigten Frau hinter dem Gitter des Polizeifahrzeuges könnte zum Symbol der neuen amerikanisch-mexikanischen Beziehungen werden.

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