Im Waldheim Schlotwiese sollen rund 50 Flüchtlinge unterkommen. Foto: Torsten Ströbele

Zuffenhausen, Botnang und Weilimdorf: In vier Waldheimen könnten bis zum Sommer circa 180 Flüchtlinge unterkommen. Bis zum Sommer sollen die Gebäude allerdings wieder für die Ferienbetreuung frei sein.

Stuttgarter Norden - Die Stadtverwaltung sucht händeringend nach Unterkünften für Flüchtlinge. Bis zum Jahresende müssen noch etwa 1300 Plätze geschaffen werden, damit alle Asylbewerber ein Dach über dem Kopf haben. Um diese Herausforderung meistern zu können, sollen nun unter anderem auch Waldheime als Interimsquartiere dienen. Etwa 400 Plätze hofft Erster Bürgermeister Michael Föll dadurch zu generieren. Doch ob das klappt, ist noch nicht gewiss. Der Leiter des Sozialamtes, Stefan Spatz, geht derzeit davon aus, circa 200 Flüchtlinge in vier evangelischen Waldheimen unterbringen zu können.

Seine Bereitschaft, etwa 50 Hilfesuchende aufzunehmen, hat der Gemeinderat der evangelischen Kirche in Zuffenhausen bereits vor einigen Tagen signalisiert. „Vor etwa einer Woche haben wir der Stadt mitgeteilt, dass wir das Waldheim grundsätzlich zur Verfügung stellen würden“, sagt Dekan Klaus Käpplinger. Allerdings stünde es erst von 9. November an zur Verfügung. In den Herbstferien fände noch eine integrative Freizeit auf dem Gelände an der Straße Lange Allee 8 statt. Zudem müsse das Waldheim dann spätestens für die Sommerferien-Betreuung wieder verfügbar sein. „Natürlich ist das Waldheim nicht ideal, aber es ist besser, als in Zelten oder Turnhallen zu leben“, sagt Dekan Käpplinger. Nun warte man auf den Vertrag der Stadt. Unterschrieben sei noch nichts.

Wenn im Waldheim Flüchtlinge unterkommen sollten, müssten etwa 30 Veranstaltungen abgesagt beziehungsweise verlegt werden. „Unter anderem müssten Schulklassen und Kita-Gruppen auf ihre Waldwoche bei uns verzichten. Der Posaunenchor beispielsweise könnte hingegen umziehen“, sagt Käpplinger. „Das ist nicht bequem, aber so ist es.“ Für die Gemeinde sei das keine Katastrophe. Im Winter in Zelten schlafen zu müssen hingegen schon, betont ein Kirchengemeinderat. Natürlich würden die zwei Duschen auf dem Gelände nicht ausreichen, aber die Stadtverwaltung werde für weitere sanitäre Anlagen in Containern sorgen.

Bis zum Sommer sollen die Waldheime wieder frei sein

Auch im evangelischen Waldheim Johannes in Botnang müsse bei Toiletten und Duschanlagen nachgebessert werden, sagt der zweite Vorsitzende des verantwortlichen Kirchengemeinderats, Herbert Staub. Das Gelände an der Bauernwaldstraße sei sicher nicht optimal – auch aufgrund seiner Topografie. Oben befände sich die Gaststätte, die verpachtet sei, und unten seien die Hütten, die für die Waldheimfreizeit genutzt würden. „Aber wir haben unsere grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, Flüchtlinge aufzunehmen“, sagt Staub. Doch auch die Mitglieder dieses Kirchengemeinderats haben einige Bedingungen gestellt. „Wir brauchen das Gelände spätestens im Mai wieder, um unsere Sommerfreizeit vorbereiten zu können.“ Wenn zu diesem Zeitpunkt abzusehen wäre, dass das Areal noch gebraucht werde, müsste die Stadt mit der Gemeinde einen längerfristigen Vertrag schließen. Die Rede ist von mindestens zwei bis drei Jahren. „Wir haben sonst erhebliche finanzielle Einbußen“, sagt Staub. Mit dem Pächter der Gaststätte habe man schon gesprochen. Er könne vielleicht in der Zeit, in der die etwa 50 Flüchtlinge im Waldheim leben, als Platzwart und Betreuer fungieren. Er komme aus dem arabischen Raum und könne mit seinen Sprachkenntnissen vor Ort sicherlich weiterhelfen.

Helfen möchte auch die evangelische Kirchengemeinde in Weilimdorf. Sie ist Träger des Waldheims im Lindental. „Auch wir haben gesagt, grundsätzlich Flüchtlinge aufnehmen zu wollen“, sagt Pfarrer Hartmut Häcker. Allerdings müssten noch viele Details geklärt werden. „Zum Beispiel muss unsere Waldheimleitung in dieser Zeit übernommen werden.“ Platz habe man für etwa 50 Personen – zwischen Januar und Juli. Früher könne man das Waldheim nicht zur Verfügung stellen, da es noch zahlreiche Vermietungen gebe.

Das Waldheim Gallenklinge steht zur Verfügung

Zu diesen drei Waldheimen im Stuttgarter Norden gesellt sich noch das Waldheim Sonnenwinkel in Vaihingen. Ob noch mehr Waldheime dazukommen, können zum jetzigen Zeitpunkt weder Stefan Spatz noch Michael Föll sagen. Zumindest hat auch das katholische Stadtdekanat der Stadtverwaltung vier Ferienwaldheime angeboten. Darunter befindet sich allerdings das katholische Waldheim Lindental in Weilimdorf. „Das ist nicht mehr aktuell“, sagt Hubert Hiller, Leiter des Verwaltungszentrums des katholischen Stadtdekanats. Man habe die Liste im Sommer ans Rathaus geschickt. Am Montag vergangener Woche habe nun aber das zuständige Gremium vor Ort getagt und mitgeteilt, dass das Waldheim nicht winterfest sei.

Dagegen geht Pfarrer Werner Laub davon aus, dass das Waldheim Gallenklinge in Botnang etwa 30 Flüchtlinge aufnehmen wird: „Gefühlt brauchen wir eine Woche, dann sind wir bereit.“ Es gebe genügend Duschen, nur die Großküche müsse etwas umgebaut werden. „Die Bereitschaft bei uns im Gremium war sehr groß. Es gab keinerlei Zögern“, sagt Laub. Man werde überlegen, wie man auch bei der Betreuung und Integration helfen könne. Einige Feste stünden an, die vielleicht auch gemeinsam im Waldheim gefeiert werden könnten.

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