Ein Borkenkäfer krabbelt über die Unterseite einer Fichtenrinde. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Gerade in der Corona-Krise ist der Wald für viele ein Erholungsort. Doch ein kleiner Käfer lässt von der grünen Lunge mancherorts nicht mehr viel übrig. Und das schon im dritten Jahr in Folge. Experten sind in Sorge, dass es erst in ferner Zukunft Entspannung gibt.

Eberswalde - Sie sind nur millimetergroß, doch ihr Milliardenheer macht den Wäldern in Deutschland auch in diesem Jahr erneut schwer zu schaffen: Borkenkäfer, oder genauer gesagt Buchdrucker, verwandeln innerhalb kürzester Zeit ganze Waldlandschaften. Wo einst tiefgrüne Fichten standen, bleiben vielerorts nur noch braun-gräuliche Holzgerippe. Forstleute sind vielerorts nahezu pausenlos im Einsatz, um betroffene Bäume aus den Wäldern zu holen.

Denn die Gefahr sei, dem Borkenkäfer immer hinterher zu laufen, sagt der Leiter des Thünen-Instituts für Waldökosysteme in Eberswalde, Andreas Bolte. „Der Borkenkäfer sitzt unter der Rinde und durchtrennt Stück für Stück die Kohlenhydratzuleitung der Wurzeln bis zur Baumkrone“, erklärt der Wald-Ökologe. Die Bäume sterben also nicht primär durch den Trockenstress, sondern daran, dass langsam die Wurzeln absterben und sie kein Wasser mehr transportieren können.

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Trockenheit, Stürme und Schädlinge setzten dem Wald zu

Der sichtbare Schaden tritt daher erst verzögert ein. Ein Baum könne schon komplett dem Tode geweiht sein, man sehe es ihm aber nicht an, da der Baum in der Krone noch grüne Nadeln habe, weiß Bolte. „In diesem Moment, wo das festgestellt wird, ist der Käfer aber längst schon wieder aus dem Baum draußen und befällt neue.“

Neben Stürme bereitete vor allem die Trockenheit dem Borkenkäfer in den vergangenen Jahren leichtes Spiel: „Mit jedem Niederschlagsdefizit, das von Jahr zu Jahr zunimmt, werden die Wasser-Reserven in den Bäumen aufgebraucht“, erklärt der Stadtforstdirektor von Fürstenwalde an der Spree, Thomas Weber. „Wenn Wasser fehlt, dann haben Nadelbäume auch keine Abwehrreaktion mehr bei einem Borkenkäferbefall.“ Denn normalerweise können die Bäume die Eindringlinge mit ihrem Harz übergießen und so unschädlich machen.

Aus ökologischer Sicht hat der Buchdrucker durchaus auch eine Berechtigung, denn eigentlich sorgt er dafür, dass sich Fichtenwälder regenerieren. Indem die Käfer kranke Bäume befallen, machen sie Platz für neue, gesunde. Zuletzt explodierten aber die Käfer-Populationen.

Wälder werden zum Notfallpatienten

Den deutschen Wäldern geht es ohnehin nicht all zu gut, wie zuletzt auch neue Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums belegten. Demnach haben Stürme, Dürre und Schädlinge den Wäldern noch heftiger zugesetzt, als bisher bekannt. Rund 285 000 Hektar müssen aufgeforstet werden – das ist mehr als die Fläche des Saarlandes. Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als elf Millionen Hektar Wald.

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Vom Borkenkäferbefall ist laut Thünen-Institut nahezu der gesamte Mittelgebirgsraum betroffen. Zu den typischen Fichtenregionen zählen etwa das Sauerland, der Pfälzer Wald, das Erzgebirge, der Thüringer Wald und der Frankenwald. Und so laufen auch aus genau diesen Regionen derzeit reihenweise Schadensmeldungen ein. Sachsen etwa meldete kürzlich die «schwerwiegendste Schadsituation seit Beginn der nachhaltigen Waldbewirtschaftung vor 200 Jahren“.

Aus Witterungssicht ist so schnell kaum Linderung in Sicht. Den Thünen-Experten zufolge bräuchte es mindestens zwei „ganz kühle und feuchte Jahre“. „Das wäre nötig, zum einen, um die Widerstandskraft der Bäume zu stärken, zum anderen aber auch, damit die Population der Borkenkäfer insgesamt zurückgeht“, sagt Bolte. Es sei eher wahrscheinlich, dass der Befall noch Jahre auf hohem Niveau bleibe.

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