Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Lauenau zapfen Löschwasser aus dem Tank eines ihrer Einsatzfahrzeuge. In der Gemeinde im niedersächsischen Landkreis Schaumburg ist die Wasserversorgung nach warmen Tagen und während der Corona-Pandemie zusammengebrochen. Foto: Moritz Frankenberg/dpa

In einigen Gemeinden in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz wird das Wasser langsam knapp. Deutschland hat zwar ausreichend Wasserreserven, aber das kostbare Gut ist regional sehr unterschiedlich verteilt.

Simmern-Rheinböllen - Wegen drohenden Wassermangels müssen die Einwohner der Verbandsgemeinde Simmern-Rheinböllen in Rheinland-Pfalz sparsamer mit Wasser umgehen. Das teilte die Integrierte Leitstelle Bad Kreuznach am Sonntagabend mit.

Um die Grundversorgung mit Trinkwasser während der anhaltenden Trockenheit sicherzustellen, sind folgende Tätigkeiten in der Verbandsgemeinde im Hunsrück seit Sonntag untersagt: die Befüllung von Planschbecken und Schwimmbädern, die Bewässerung von Rasen und Gartenflächen, das Waschen von Fahrzeugen auf Privatgrundstücken, das Reinigen und Abspritzen von Hofflächen sowie die Bewässerung von öffentlichen Grünflächen und Sportplätzen. Verstöße gegen die Beschränkungen werden durch das Ordnungsamt kontrolliert.

Auch andernorts wie im niedersächsischen Lauenau ist das Wasser nach warmen und trockenen Tagen zwischenzeitlich bereits ausgegangen. Zeitweise waren Tankfahrzeuge im Einsatz.

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Umdenken beim Wassermanagement notwendig

Angesichts zunehmender Trockenheit in Deutschland muss aus Sicht der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) beim Wassermanagement grundlegend umgedacht werden.

Während die Strategie seit Jahrzehnten darin bestand, Wasser möglichst schnell aus der Fläche herauszubringen, müsse es nun darum gehen, Wasser in der Landschaft zu halten und Fließgewässern mehr Raum zu geben, sagt der Generalsekretär der Stiftung, Alexander Bonde. „Wir haben die Situation, dass Wasser in Deutschland inzwischen ein knappes Gut ist und sich auch die Konkurrenz ums Wasser verschärft.“

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Wasser – ein knappes Gut

Dem jährlichen Wasserverbrauch in Deutschland von rund 32 Milliarden Kubikmetern – pro Person sind es zwischen 120 und 123 Liter pro Tag – steht ein potenzielles Angebot von 188 Milliarden Kubikmetern gegenüber. Aber: Nur 0,014 Prozent des gesamten Wassers auf der Erde ist sowohl Süßwasser als auch leicht zu erreichen.

Global sieht es allerdings ganz anders aus. Da besteht Wasserknappheit, weil das Süßwasser geografisch und saisonal sehr ungleich verteilt ist. Ein Drittel der Weltbevölkerung leidet unter Wassernot. Vor allem in Afrika und in weiten Teilen Asiens führt das Bevölkerungswachstum zu einem höheren Wasserverbrauch Infolgedessen sinken die Grundwasserspiegel, Flüsse trocken aus, das Vieh verhungert, die Ernten vertrocknen und die Menschen hungern und leiden Durst.

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Deutsche verbrauchen immer weniger Wasser

Vor 20 Jahren verbrauchte ­jeder Deutsche durchschnittlich 147 Liter am Tag. Noch mehr Wasser zu sparen wäre jedoch kontraproduktiv. Das Trinkwasser- und Abwassernetz in Deutschland stammt aus einer Zeit, in der man von einer Verdopplung des privaten Verbrauchs ausging. Da auch die Unternehmen ihren Bedarf reduziert haben, passen Infrastruktur und realer Verbrauch nicht mehr zusammen.

Das Trinkwasser fließt mancherorts so langsam durch die Rohre, dass sich Keime bilden können. Stehende Abwasser führen in den Rohren zu Korrosion und Fäulnis. Die Wasserwerke müssen deshalb regelmäßig große Mengen an Trinkwasser durch die Kanäle und Rohrleitungen spülen, um sie zu reinigen. Was zur Folge hat, dass ständiger Einsparungen die Wasserpreise auf hohem Niveau stagnieren oder sogar steigen.

Wasserbilanz und Wasser-Fußabdruck

Die Wasserbilanz der Deutschen ist viel höher als ihre durchschnittliche H2O-Tagesration von 123 Litern. Laut einer Studie der Umweltschutzorganisation WWF entsteht etwa die Hälfte des Bedarfs indirekt durch die Einfuhr von Lebensmitteln und Industriegütern – der sogenannte Wasser-Fußabdruck, den Deutschland in der Welt hinterlässt.

Jeder Deutsche verbraucht demnach im Schnitt täglich 5288 Liter – 25 volle Badewannen. Zum direkten Konsum kommt der virtuelle Wasserverbrauch hinzu. Dieser berücksichtigt nicht nur den Pro-Kopf-Verbrauch, sondern addiert die Wassermenge hinzu, die benötigt wird, um alle Waren herzustellen, die wir täglich benützen und konsumieren.

So stecken in einer Tasse Kaffee 140 Liter Wasser für Anbau, Bewässerung und Verarbeitung. Für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch benötigt man 15 500 Liter. Dem WWF zufolge hat Deutschland einen jährlichen Wasser-Fußabdruck von 160 Milliarden Kubikmeter – das ist mehr als das dreifache Volumen des Bodensees.

Wasserreserven in Deutschland

Deutschlands Wasserressourcen betragen 188 Milliarden Kubikmetern, davon werden rund 13 Prozent pro Jahr entnommen. Regional gibt es aber zum Teil deutliche Unterschiede. So machen sich die Wasserversorger vor allem in Gegenden mit sandigen Böden wie in Nord- und Ostdeutschland Sorgen um Trinkwasserreserven.

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