Olaf Scholz: Wiedergewählter Bürgermeister ist Mutmacher für die Südwest-SPD Foto: dpa

Aus den Ergebnissen der Hamburg-Wahl schöpfen SPD,FDP und Grüne im Südwesten Mut. Bei der CDU heißt es: „Hamburg ist nicht Baden-Württemberg.“

Stuttgart - Mit einem sexistischen Kommentar über die erfolgreiche Hamburger FDP-Spitzenkandidatin Katja Suding sorgt ein Grüner aus dem Südwesten für Empörung. „Das muss man sich mal vorstellen: mit Titten und Beinen anstatt Inhalten. #fassungslos #fdp“, twitterte Jörg Rupp, Mitglied im Parteirat der Grünen, am Sonntagabend – und erntete viel Kritik, auch aus den eigenen Reihen. Die Äußerung sei „völlig inakzeptabel“, erklärte die grüne Landesspitze. Noch am Abend entschuldigte sich Rupp für seine „verbale Entgleisung“. Er habe sich über die auf Suding ausgerichtete Wahlkampagne und das gute Ergebnis geärgert.

Erstmals seit der Bundestagswahl 2013 wurde die FDP wieder in ein Parlament gewählt. Spitzenkandidatin Suding bekannte sich dazu, ihre Attraktivität auch einzusetzen, um FDP-Botschaften zu transportieren.

Sudings Wahlerfolg in Hamburg macht den Liberalen im Südwesten Mut. Die FDP habe die Chancen für die Neuaufstellung genutzt und den Neuanfang geschafft, sagte Hans-Ulrich Rülke, Chef der FDP-Landtagsfraktion in Stuttgart, am Montag. Das werde auch bei der Landtagswahl im März 2016 gelingen, wenn die Partei wie in Hamburg Geschlossenheit zeige, so der designierte FDP-Spitzenkandidat. FDP-Landeschef Michael Theurer erklärte, Hamburg zeige, „dass es möglich ist, dass die FDP wieder mit einem weiteren Horizont wahrgenommen wird“. Die FDP werde sich als weltoffene, proeuropäische, marktwirtschaftliche und bürgernahe Partei präsentieren, sagte der Europaabgeordnete.

Hamburg belege, dass die FDP eine Zukunft hat, meint auch der Politikwissenschaftler Hans-Georg Wehling. Suding habe viel gekämpft. „Es gibt aber vielleicht auch ein bestimmtes Mitleid für die FDP.“

Auch bei der Südwest-SPD löste das Hamburger Ergebnis Freude aus. Bürgermeister Olaf Scholz habe gezeigt, worum es geht, sagte Fraktionschef Claus Schmiedel. „Wirtschaftliche Vernunft und soziale Gerechtigkeit gehören zusammen.“ Das werde die SPD auch im Wahlkampf 2016 deutlich machen.Grünen-Landeschefin Thekla Walker erklärte, die Wiederwahl von Scholz zeige, dass Verlässlichkeit und Bürgernähe die Wähler überzeugten. Mit diesen Qualitäten werde auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der Landtagswahl punkten. Grün-Rot habe die Modernisierung des Landes vorangebracht.

Wenig erfreut über das Hamburger Wahlergebnis ist Baden-Württembergs CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf – die CDU in Hamburg rutschte auf 15,9 Prozent. Die Kompetenz für Wirtschaft, Verkehr und Arbeitsplätze sei der SPD zugeschrieben worden, sagte er. „In Baden-Württemberg ist das anders.“ Aufgabe aller im Landtag vertretenen Parteien sei es aber, die AfD zu verhindern. Eine Partei, die Fremdenfeindlichkeit propagiere, habe im Parlament keinen Platz, so der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion.

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