Präsident Pahor warb natürlich nicht nur auf Instagram für sich, sondern auch mit großflächigen Wahlplakaten. Foto: AP

In Slowenien hat Amtsinhaber Borut Pahor die Stichwahl um das Präsidentenamt gewonnen. Kritiker bemängeln den inhaltsleeren Wahlkampf.

Ljubljana - In Slowenien hat Amtsinhaber Borut Pahor die Stichwahl um das Präsidentenamt gewonnen. Nach vorläufiger Auszählung aller Stimmen teilte die Wahlkommission am Sonntagabend mit, Pahor habe 53 Prozent erzielt. Sein Herausforderer Marjan Sarec kam auf 46 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 42 Prozent und war nach Angaben der slowenischen Nachrichtenagentur STA so niedrig wie bei keiner Präsidentschaftswahl seit der Abspaltung vom früheren Jugoslawien im Jahr 1991. „Ich werde ein Präsident für alle sein“, sagte Pahor nach seinem Sieg. „Ich werde die Menschen zusammenbringen und das aufbauen, was uns näher zusammenführt.“ Sarec gratulierte dem Wahlsieger. Es sei eine Ehre gewesen, gegen die „Erste Liga“ anzutreten. „Mein Ergebnis ist gut. Es spricht für sich.“ Sarec war früher Komiker und ist Bürgermeister des Städtchens Kamnik.

Unzufrieden mit der etablierten Politik

Analysten hatten gewarnt, Sarecs Erreichen der Stichwahl zeige, wie unzufrieden die Slowenen mit etablierten Politikern seien. Kritiker warfen Pahor vor, bei wichtigen Themen nicht für eine Seite einzustehen. Das Land muss sich mit wirtschaftspolitischen Fragen und der Zukunft der EU auseinandersetzen, zudem führt es einen Grenzstreit mit Kroatien.

Beim ersten Wahlgang am 22.Oktober hatte Pahor mit 47 Prozent der Stimmen den erwarteten Durchmarsch noch überraschend verpasst. Doch mit fast doppelt so vielen Stimmen wie sein 14 Jahre jüngerer Konkurrent Sarec (24,8 Prozent) war er auch in der Stichwahl als klarer Favorit ins Rennen gegangen. „Heute bin ich viel ruhiger als im ersten Wahlgang“, versicherte Pahor bei seiner Stimmabgabe. Er glaube, die slowenische Seele „gut genug zu kennen, um auf einen Sieg zu hoffen“.

Ein Achtungserfolg für Sarec

Der parteilosen Newcomer Sarec wiederum sind hat mehr als einen respektablen Achtungserfolg erzielt. Erfolgreich hat sich der frühere Politikerimitator als neue Kraft für die Parlamentswahlen im neuen Jahr positioniert. Die Wähler hätten gezeigt, dass die Zeit für einen Generationenwechsel gekommen sei, kommentierte der Bürgermeister der Kleinstadt Kramnik das Ergebnis.

Instagram-Auftritt als Stolperstein

Dass in dem matten Stimmenstreit am Ende doch noch etwas Spannung aufkam, war indes weniger den Wahlkampfanstrengungen des Herausforderers als dem Amtsinhaber selbst zu verdanken. Seine Stärke als die sozialen Medien konsequent nutzender Selbstvermarkter sollte sich für „Instagram-Präsident“ Pahor im Stimmenstreit als Stolperstein entpuppen. Kritiker wie der frühere Präsident Milan Kucan schmähten den braun gebrannten Dauerlächler zwar als kommunikationsfreudigen, aber inhaltsleeren Polittechnologen, der sein Amt „entweiht“ und „entwürdigt“ habe.

Die schon im ersten Wahlgang sehr niedrige Wahlbeteiligung von 44 Prozent wertete auch die Zeitschrift „Mladina“ als Beleg dafür, dass die Wähler keinen Präsidenten wollten, der glaube, dass es sein Job sei, seine Fotos auf Instagram zu veröffentlichen und als „ewiger Teenager zu leben“: Für die Jungwähler sei Pahor „wie ein Vater, der unbedingt auf der Klassenparty seines Sohns dabei sein will“, schrieb die Zeitung.

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