Smarter Senkrechtstarter: Marja Sarec mischt die slowenische Politik auf. Foto: dpa

Wer wird Präsident in Slowenien: Der frühere Komiker und jetzige Bürgermeister Marjan Sarec erwzingt gegen den favorisierten Amtsinhaber Borut Pahor die Stichwahl. Eine faustdicke Überraschung.

Llubjana - Glückliche Sieger sehen anders aus. Ungewohnt bleich wirkte das Antlitz von Sloweniens Staatschef Borut Pahor, während er auf seiner missglückten Wahlparty mit verkniffenen Lippen das Ergebnis im ersten Wahlgang schönzureden versuchte. Dass er bei den Präsidentschaftswahlen mit 47,1 Prozent auf Anhieb „fast 50 Prozent“ der Stimmen auf sich habe vereinen können, sei ein „außerordentliches“ Ergebnis, versicherte der haushohe Favorit unter dem matten Beifall seiner Gefolgschaft. Er sei eben „ein Marathonläufer, kein Sprinter“, kommentierte der 53-jährige Amtsinhaber die Tatsache, in die Stichwahl gehen zu müssen. „Wir hatten ein solches Ergebnis erwartet. Ich glaube, dass ich gewinnen werde. Aber ich werde bis zum Ende hart dafür arbeiten müssen.“

Seine Ziele sind eher vage formuliert

  An dem Sieg des Platzhirschs am 12. November hegen Sloweniens Meinungsforscher angesichts seines großen Vorsprungs keine Zweifel. Doch obwohl sie dem Herausforderer Marjan Sarec allenfalls theoretisch Chancen einräumen, hat der Ex-Komiker bereits gewonnen: Er erzwang mit 25 Prozent der Stimmen die Stichwahl. Mit dem Einzug in die zweite Wahlrunde hat sich der 39-jährige Bürgermeister der nordslowenischen Stadt Kamnik erfolgreich für die Parlamentswahlen im kommenden Jahr positioniert.

Er sei keineswegs ein neues Gesicht in der Politik, versichert der selbst erklärte Staatserneuerer. Doch die Wähler würden in ihm einen Vertreter „einer neuen Politik“ sehen.   Es sei Zeit für einen Generationswechsel in der Politik, sagt der Mann, der als Politikerimitator das Establishment in Slowenien einst auf die Schippe nahm. Wie sein 14 Jahre älterer Rivale schreibt sich der parteilose Lokalpolitiker dem Mitte-links-Spektrum zu. Und wie der von Kritikern als inhaltsleer geschmähte Pahor scheinen die von Sarec formulierten Ziele – Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und die Interessen der kleinen Leute – von eher allgemeiner als konkreter Natur.

Der Herausforderer könnte der Mann der Zukunft sein

Es ist eher die Art der Amtsführung von Selbstdarsteller Pahor, von der sich sein Konkurrent abzusetzen versucht: Insta­gram-Liebhaber Pahor trete als Staatschef eher wie „ein Promi“ auf, statt klar Stellung zu beziehen, so der Vorwurf von Sarec.   Obwohl der Ex-Kabarettist dem Amtsinhaber für die Stichwahl einen „harten Kampf bis zum Äußersten“ angedroht hat, dürfte er Pahor kaum in Bedrängnis bringen.

Mehr Sorgen muss sich Premier Miro Cerar machen, dessen Kandidatin Maja Makovec Brencic nur auf 1,7 Prozent der Stimmen kam: Auf Sloweniens wandlungsfreudigem Politparkett könnte Sarec der regierenden SMC von Cerar bei den Wahlen im nächsten Jahr in der politischen Mitte ernsthaft Konkurrenz machen. Schon bei den Wahlen 2011 hatte sich der Parteineuling Positives Slowenien, für den sich damals auch Sarec engagierte, auf Anhieb zur stärksten Parlamentskraft gemausert.

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