Aktuell warnen die Verbraucherschützer vor Fertiggerichten: So sollten Verbraucher besonders bei Menüs in sogenannten „ready-to-heat“-Verpackungen aufpassen, die man laut Hersteller ohne umzufüllen in die Mikrowelle stellen kann. Das Erhitzen erhöhe das Risiko, dass Stoffe aus der Verpackung ins Essen übergehen. Foto: Paul_Brighton/Fotolia

Mit interaktiver Grafik - Sie sind leicht, sie sind praktisch: Plastikverpackungen für Lebensmittel. Aber die Kunststoffe landen am Ende im Müll und sie hinterlassen Spuren in unserer Nahrung. Experten vom Verbraucher- und Lebensmittelschutz sagen, worauf zu achten ist.

Stuttgart - Käse trägt Folie. Und beim Hackfleisch gibt’s noch eine Saugeinlage, damit es nicht so saftet: Vier Millionen Tonnen Plastik werden allein in Deutschland jedes Jahr zu Lebensmittelverpackungen verarbeitet. Weil sie leicht, stabil und gut formbar sind, gehören Kunststoffe zu den beliebtestem Materialien der Lebensmittelindustrie.

Aber auch zu denen, die aufgrund unerwünschter Nebenwirkungen immer wieder in der Kritik stehen: Denn es besteht die Gefahr, dass schädliche Bestandteile der Verpackung in das Lebensmittel übergehen. Experten nennen so etwas Migration.

"Bestandteile können in das Lebensmittel übergehen"

„Aus allen Packstoffen – außer Glas – können unerwünschte Bestandteile in das Lebensmittel übergehen“, sagt der Sprecher Eckard Benner von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Dabei gilt: je größer die Kontaktfläche, umso größer ist auch das Risiko der Migration.

Aktuell warnen die Verbraucherschützer vor dieser chemischen Form der Einwanderung bei Fertiggerichten: So sollten Verbraucher besonders bei Menüs in sogenannten „ready-to-heat“-Verpackungen aufpassen, die man laut Hersteller ohne umzufüllen in die Mikrowelle stellen kann. „Das Erhitzen erhöht aber das Risiko, dass Stoffe aus der Verpackung ins Essen übergehen“, sagt Benner.

Verbraucher halten sich nicht an die Herstellerhinweise

Dabei gibt es eine gesetzliche Verordnung, nach der Materialien und Gegenstände, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen, keine Schadstoffe ans Essen abgeben dürfen: Nach Angaben des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA) werden Kunststoffverpackungen geprüft, bevor sie in den Verkehr gebracht werden.

„Dabei wird unter anderem untersucht, für welche Lebensmittel – etwa saure oder fettige – die Verpackung geeignet ist und bei welchen Temperaturen sie mit dem Essen in Kontakt kommen darf“, sagt Uwe Lauber vom CVUA. Auch das Risiko einer sogenannten chemischen Migration wird untersucht.

Margarine-Dosen oder Eis-Boxen niemals zum Einfrieren verwenden

Doch nach Ansicht der Verbraucherzentralen dürfe man sich darauf nicht hundertprozentig verlassen – zumal der Verbraucher oft nicht so handelt, wie der Hersteller es auf der Packung angibt: Oft wird beispielsweise beim Erwärmen in der Mikrowelle die Wattzahl höher eingestellt oder das Essen länger erhitzt, als vorgeschrieben.

Bei der Zubereitung von verpackten Lebensmitteln im Wasserbad wiederum, achten die Verbraucher mehr auf ihr Gefühl, denn auf ihre Uhr. Je länger aber solche Lebensmittel der Wärme ausgesetzt sind, umso mehr werde auch die Schadstoffwanderung begünstigt.

Problematisch sind dabei nicht etwa die Grundbestandteile von Kunststoffverpackungen, sondern die sogenannten Nias (not intentionally added substances). Dabei handelt es sich um Stoffe, die beim Herstellungsprozess unbeabsichtigt in das Material gelangen können – etwa wenn die Rohstoffe verunreinigt sind. „Bisher ist kaum erforscht, wie gesundheitsgefährdend diese Stoffe sind“, sagt Benner.

Verbraucherschützer fordern bessere Hinweise

Hinzu kommt, dass der Verbraucher oft im Unklaren gelassen werden, aus welchem Material die Verpackung besteht. Zwar sind inzwischen viele Hersteller dazu übergegangen, einen Recyclingcode anzugeben, der anzeigt, welcher Kunststoff verwendet wurde.

Doch dieser, so kritisieren es Verbraucherschützer, sei oftmals nur undeutlich zu erkennen – und schwer verständlich: Wer weiß schon, dass sich hinter der Abkürzung 01 PET der Kunststoff Polyester versteckt? Und für welches Lebensmittel dieses Material ungeeignet ist? „Wir fordern seitens der Hersteller mehr Transparenz und ein ausreichendes Maß an verständlichen Informationen über Verpackungsmaterialien und deren Umgang damit“, sagt Benner.

Kunststoffverpackungen: für den einmaligen Gebrauch gedacht

Um dieses Risiko zu senken, raten die Experten vom CVUA und der Verbraucherzentrale von Experimenten ab: Kunststoffverpackungen werden für einen speziellen Zweck und Inhalt entwickelt.

Sie sind für den einmaligen Gebrauch gedacht. Darauf ist ihre Sicherheitsbewertung ausgelegt. Für den unsachgemäßen Gebrauch haftet kein Hersteller. Aus diesem Grund sollte man keine Margarinedosen oder Eis-Boxen zum Einfrieren oder Abfüllen von heißen Speisen verwenden. Und wenn sich ein Fertiggericht nicht vermeiden lässt, sollte der Inhalt vor dem Erwärmen in Porzellan- oder Glasgeschirr umgefüllt werden.

Die Verbraucherzentralen informieren über Lebensmittelverpackungen im Netz: www.verbraucherzentrale-bayern.de/mediabig/232374A.pdf

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