Wer singt denn da? Jeder Vogel singt sein eigenes Lied. Foto: Archiv

Der Nabu lädt zum „Afterwork Birding“ ins Büsnauer Wiesental ein.

Vaihingen - Auf dem Campus streiten sich die Wacholderdrosseln. Im nah gelegenen See planscht eine Teichralle, über ihr spannt der Graureiher sein Prachtgewand. Der Grünling singt sein Abendlied. Das Büsnauer Wiesental hinter der Universität ist ein wahres Vogelparadies. Zwischen saftig grünen Wiesen, Blütenfülle und hohen Bäumen sagen sich hier Amsel und Specht gute Nacht.

Ulrich Tammler ist Vorstandsmitglied beim Nabu Stuttgart und Vogelexperte. Er kennt die Protagonisten dieses Naturschauspiels nur zu gut. Er erläutert Vogelinteressierten und Hobby-Ornithologen am Mittwochabend bei einer gemeinsamen Rundwanderung die Eigenarten seiner Lieblinge. „Afterwork Birding“ nennt sich diese Veranstaltung. Das ist das neudeutsche Wort für feierabendliches Vogelgucken.

Zum vierten Mal findet die Führung nun schon statt. Bei den Bürgern findet sie regen Anklang. Auch diesmal sind etwa 15 Vogelfreunde anwesend. Von jung bis alt ist alles dabei; die Gruppe ist bunt gemischt. Der eine kommt aus persönlichen Gründen („Die Elstern greifen unsere Goldammern an.“), der andere aus bloßer Liebe zum gefiederten Tier. Zwei Mitarbeiterinnen des Stadtplanungsamts Stuttgart wollen mehr über heimische Vogelarten wissen, um diese Erkenntnisse auch in ihre tägliche Arbeit mitzunehmen. Denn bei der Landschaftsplanung sei es wichtig, Biotope und deren Bewohner zu berücksichtigen, um so den Artenschutz zu erhalten.

In der Stadt singen die Vögel lauter

„Wer singt denn da?“, fragt Ulrich Tammler in die Runde und ergänzt: „Man hört die Vogelgesänge Tag für Tag, doch welcher Künstler dahintersteckt, wissen viele nicht.“ Und warum singen die Vögel an diesem Tag so verhalten? Auch denen ist es zu kalt, erklärt Tammler und deutet auf den grauen Himmel.

In der Stadt singen die Vögel übrigens lauter. Weil sie dort Motorengeräusche und anderen Lärm übertönen müssen. Außerdem lassen viele Teile ihrer Liedes aus, sie singen nur den markantesten Vers. „Den Rest hört man dort eh nicht.“ Während die Amsel gern in der Stadt singt, meidet der Grünspecht das Zentrum. Und neben dem gibt es auch noch den Blauspecht, den Mittelspecht und den Kleinspecht.

Diese und mehr neue Erkenntnisse nehmen die Teilnehmer mit in ihren Feierabend. Auch der Grünling hat sein Abendlied beendet. Im Büsnauer Wiesental wird es still – bis zum nächsten Morgen, wenn rundherum das Vogelkonzert von neuem beginnt.

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