Die Tage der Villa Bolz am Kriegsbergturm sind gezählt. Foto:  

Ende eines Geschichtskapitels: Das Das ehemalige Wohnhaus des früheren württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz am Kriegsbergturm weicht einem Neubau mit Eigentumswohnungen. Ein früherer Gartenpavillon des Anwesens soll erhalten bleiben.

Stuttgart - „Geschichte vor dem Abriss“ lautete eine Schlagzeile am 15. August 2015. Es ging um den geplanten Abbruch der Villa Bolz am Kriegsbergturm 44. Jetzt, eineinhalb Jahre später, ist es offenbar so weit. Das ehemalige Wohnhaus des früheren württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz (1881–1945) fällt. Im Garten der Villa, deren Fassade ein riesiges Bolz-Porträt ziert, ist ein Bagger aufgefahren. Der Eigentümer, ein Stuttgarter Wohnungsbauunternehmen, äußerte sich auf Anfrage nicht. Es hatte die nicht denkmalgeschützte Villa von den Bolz-Enkeln erworben. Anstelle der Villa plant das Unternehmen einen Neubau mit vier exklusive Eigentumswohnungen. Ein früherer Gartenpavillon des Anwesens soll erhalten bleiben.

Lange Debatte um Abriss oder Erhalt

Übergangsweise hatten Studenten die Villa bewohnt; sie nannten sich nach der Hausnummer „Kollektiv 44“ und machten sich für den Erhalt des Gebäudes stark – ebenso wie eine Reihe prominenter Fürsprecher, allen voran der ehemalige Ministerpräsident Erwin Teufel, der eine Gedenkstätte für Bolz befürwortete. Nach langer Diskussion lehnte Ministerpräsident Winfried Kretschmann es ab, sich um den Kauf der Immobilie zu bemühen. Stattdessen wurde der Neubau des Staatsministeriums nach dem Widerstandskämpfer benannt. Auf einer Gedenkveranstaltung im Innenministerium würdigte der wissenschaftliche Leiter der Gedenkstätte deutscher Widerstand in Berlin, Peter Steinbach, Bolz im Dezember als „einen der bedeutendsten Regimegegner, die das Land hervorgebracht hat“. Der Zentrumspolitiker war von den Nazis nach dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 verhaftet und am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet worden.

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