Für das Abspielen von Online-Videos wird viel Energie benötigt. Streaming zählt deshalb zu den grüßten Faktoren bei den CO2-Emissionen der Internetnutzung. Foto: dpa/Jens Kalaene

Für die Internetnutzung wird immer mehr Energie benötigt. Einen großen Teil macht dabei das Streaming von Videos aus. Forscher vergleichen die Höhe der Treibhausgasemissionen bereits mit der des globalen Flugverkehrs. Doch der digitale Fußabdruck lässt sich verkleinern.

Berlin - Auf das Surfen im Internet zu verzichten erscheint heute völlig utopisch. Doch wer sich Gedanken um eine nachhaltige Lebensweise macht, kommt um dieses Thema nicht ganz herum. Denn: Wissenschaftler schätzen, dass die Internetnutzung inzwischen weltweit so viele CO2-Emissionen verursacht wie der globale Flugverkehr – und damit einen Anteil von ungefähr vier Prozent an den globalen Treibhausgasemissionen hat.

Ähnlich wie beim Flugverkehr wird hier erwartet, dass die Emissionen in den kommenden Jahren stark ansteigen. Derzeit gehen sie überwiegend auf das Konto von Ländern mit hohen Einkommen. Für Deutschland etwa schätzt das Bundesumweltministerium die CO2-Emissionen der Informations- und Kommunikationstechnik auf rund 30 Millionen Tonnen im Jahr.

„Das Problem an der Sache sind vor allem die Netzwerkstrukturen, Server und Rechenzentren, die enorm viel Energie benötigen“, sagt Lars Brischke, Experte für Energiesysteme am Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu). „Und diese Rechenzentren werden ganz überwiegend mit Kohlestrom betrieben.“ Weil immer mehr Geräte auch internetfähig sind – künftig beispielsweise sogar elektrische Zahnbürsten – wachsen die globalen Datenströme, und dadurch auch die Rechenprozesse.

Videodienste und Porno-Plattformen benötigen am meisten Energie

Den größten Anteil am Energieverbrauch des Internets haben mittlerweile das Videostreaming und das Versenden von Videos. Bis zu 80 Prozent sind es dem Thinktank The Shift Project zufolge. Demnach verursacht das Videostreamen weltweit pro Jahr ungefähr so viele CO2-Emissionen wie das Land Spanien.

Den Forschern zufolge haben Videodienste wie Amazon Prime oder Netflix daran mit etwas mehr als einem Drittel den größten Anteil, dicht gefolgt von pornografischen Plattformen mit 27 Prozent Anteil am globalen Videokonsum. Plattformen wie Youtube machen immerhin rund 20 Prozent aus. Für eine halbe Stunde Streaming auf Netflix fallen demnach etwa 1,6 Kilogramm CO2 an – so viel wie für ein paar Kilometer Autofahren.

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„Unser digitaler Lebensstil ist in der vorliegenden Form nicht zukunftsfähig“, sagt eine Sprecherin des Ökoinstituts. Selbst wenn die Zahlen nur eine grobe Schätzung darstellten, so würden sie allein aufgrund ihrer Größenordnung zeigen, „dass sowohl bei den Endgeräten als auch in den Datennetzwerken und den Rechenzentren noch erhebliche Anstrengungen unternommen werden müssen, Treibhausgasemissionen zu senken“.

Experten sehen vor allem Politik und Anbieter in der Pflicht

Energieexperte Lars Brischke sieht bei diesem Thema vor allem die Politik und die Anbieter in der Pflicht. Durch ökologische Vorgaben könnte man verschiedene Ziele erreichen – etwa dass verstärkt klimaneutraler Strom für die Rechenzentren genutzt wird, dass Software effizienter läuft, dass Datenmengen oder Datentransfers insgesamt begrenzt werden oder dass Nutzer Videodateien herunterladen müssen, statt diese zu streamen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat deshalb bereits eine umweltpolitische Digitalagenda auf den Weg gebracht. So sollen etwa die Anbieter dazu verpflichtet werden, dass Videos auf den Plattformen nicht mehr automatisch und in höchster Qualität abgespielt werden. Auch sollen Standards für einen effizienteren Betrieb der großen Rechenzentren in Deutschland erarbeitet werden.

Einige große Anbieter wie Facebook oder Google haben bereits auf Strom aus erneuerbaren Energiequellen umgestellt; Apple zu 80 Prozent, und Netflix gibt an, sich zu bemühen. Eine Idee ist zudem, dass die in Rechenzentren produzierte Abwärme sinnvoll weitergenutzt wird. Schätzungen zufolge könnten diese Rechenzentren im Jahr 2025 sogar bis zu einem Fünftel des globalen Stromverbrauchs ausmachen. Forscher von der Northwestern University, des Lawrence Berkeley National Laboratory und von Koomey Analytics sehen hingegen einen eher moderaten Anstieg des Energieverbrauchs in diesem Bereich – vor allem wegen der Maßnahmen für mehr Energieeffizienz.

Auch die eigene Internetnutzung kann klimafreundlicher werden

Auch selbst ein wenig auf das Surfverhalten zu achten könne aber sinnvoll sein, sagt Lars Brischke. Wo dies möglich sei, könne man Filme oder Serien zum Beispiel in den Mediatheken temporär herunterladen. Auch den Autoplay-Modus bei Youtube und anderen Videoplattformen kann man abstellen. Damit kann man erreichen, dass die Videos nicht im Hintergrund weiterlaufen. Kleine Bildschirme oder eine niedrigere Auflösung der Videos senken ebenfalls den Energieverbrauch.

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Besonders das Speichern von Daten beansprucht darüber hinaus Kapazitäten in Rechenzentren. Es lohnt sich daher, nicht mehr benötigte Mails zu löschen und Daten auf externen Festplatten abzuspeichern statt etwa in der Cloud. Wer Links versendet statt Bilder oder Videos, spart hier ebenfalls. Inzwischen gibt es zudem einige Anbieter von Online-Diensten, die ihre CO2-Emissionen nicht nur kompensieren, sondern für ihren Verbrauch Ökostrom ins Netz einspeisen. In Deutschland gibt es neben E-Mail-Anbietern wie Posteo oder Mailbox mit Wetell inzwischen etwa auch einen grünen Mobilfunkanbieter. Alternative Suchmaschinen wie Ecosia oder Ecosearch investieren in Aufforstung oder Sozialprojekte.

Das Öko-Institut empfiehlt auch, auf energieeffiziente und langlebige Geräte zu setzen. Denn auch der Energieverbrauch dieser Geräte und die Emissionen durch deren Herstellung spielen eine Rolle.

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