Shinji Okazaki und Gotoku Sakai treffen beim Confed-Cup an diesem Samstag auf Brasilien – im Anschluss an eine lange VfB-Saison. Foto: dpa

Die Profis des VfB Stuttgart erholen sich im Urlaub von einer anstrengenden Saison – die für zwei von ihnen noch gar nicht vorüber ist. Shinji Okazaki und Gotoku Sakai spielen mit Japan den Confed-Cup und verpassen so mal wieder einen Teil der Vorbereitung auf die neue Runde.

Stuttgart/Rio de Janeiro - Sie nennen Japan ihre Heimat, sie leben in Stuttgart, nun weilen Shinji Okazaki und Gotoku Sakai in Brasilien – und ihr Nationaltrainer sagt doch tatsächlich: „Es ist ein bisschen so, als wäre man zu Hause.“

Nun ist Alberto Zaccheroni, ein Italiener, kein Anfänger in Geografie. Vielmehr gibt es gute Gründe, weshalb der Coach den Auftritt der japanischen Nationalmannschaft beim Confed-Cup in Brasilien als kleines Heimspiel preist. In dem südamerikanischen Land, zählt die japanische Gemeinde 1,5 Millionen Menschen – und ist damit so groß wie sonst nirgends außerhalb Nippons. „Das ist zweifellos eine Zusatzmotivation für unsere Jungs“, weiß Alberto Zaccheroni. Und die kommt wie gerufen.

Zwar sind die Gegner bei der WM-Generalprobe reizvolle Kontrahenten, mit denen man sich gerne misst – die Japaner treffen im Auftaktspiel an diesem Samstag (21 Uhr/Sport 1) auf Gastgeber Brasilien –, den meisten Spielern hängt aber auch eine anstrengende Saison nach. Beste Beispiele: Die beiden japanischen Profis vom VfB Stuttgart, Shinji Okazaki und Gotoku Sakai.

Okazaki kommt bislang auf 49 Einsätze in Bundesliga, Pokal, Europa League und Nationalmannschaft, bei Gotoku Sakai sind es immerhin 44, von denen der Außenverteidiger, im Gegensatz zu seinem VfB-Kollegen im Nationalteam, fast alle über 90 Minuten bestritt. Eine echte Sommerpause hatten beide zuletzt selten, dazu kommen regelmäßig die durchaus strapaziösen Reisen zu Länderspieleinsätzen in der Heimat.

„Als Verein ist man natürlich nie glücklich, wenn ein Spieler weniger Urlaub hat“

„Ein Wahnsinnsprogramm“, nennt VfB-Sportvorstand Fredi Bobic allein das. Doch nun stehen für das Duo und die sechs weiteren japanischen Bundesligaspieler mindestens drei weitere Partien in Brasilien an, im erfolgreichsten Fall endet die Saison erst am 30. Juni – also genau einen Tag vor dem offiziellen Trainingsauftakt beim VfB Stuttgart. „Als Verein ist man natürlich nie glücklich, wenn ein Spieler weniger Urlaub hat“, sagt Bobic, „aber für uns ist es auch eine Auszeichnung und Beleg dafür, dass wir gute Jungs im Kader haben.“

Allerdings beginnt der Urlaub von Okazaki und Sakai damit frühestens am 23. Juni, wie alle anderen Profis des VfB haben die beiden dann drei Wochen frei. Damit sie danach optimal in den Trainingsbetrieb eingegliedert werden können, muss Christos Papadopoulos mal wieder sein ganzes Fachwissen aufbieten.

„Wie alle anderen haben die beiden zunächst eine Phase der passiven Regeneration“, erklärt der Konditionstrainer des VfB, der für alle Spieler individuelle Trainingspläne für den Ur­laub ausgearbeitet hat. Das Programm für Okazaki und Sakai wird er je nach Zeitpunkt von deren Aus beim Confed-Cup noch einmal überarbeiten. „Dieses Thema müssen wir speziell angehen“, sagt Papadopoulos. Der Plan hängt auch davon ab, wie oft die beiden in Brasilien zum Einsatz kommen und welche Trainingseinheiten dort absolviert werden. Darüber wird der VfB von den Spielern regelmäßig informiert, was laut Papadopoulos „notwendig ist, sonst können wir die individuellen Programme nicht erstellen“. Am Saisonende wurden noch einmal Leistungsdaten gesammelt, direkt nach der Rückkehr steht erneut ein solcher Test an – den die meisten VfB-Profis bereits am 30. Juni absolvieren.

Probleme sind zu erwarten

Neben Okazaki und Sakai werden diesen Termin auch noch andere VfB-Profis verpassen. Einige Nationalspieler hatten nach dem Pokalfinale noch Länderspiele zu absolvieren und stoßen nach und nach zum Team. Allerdings sind die Verschiebungen in diesem Jahr nicht ganz so gravierend – Ausnahme: die beiden Japaner. Bis zum Start des Trainingslagers am 21. Juli soll aber auch das Duo aus Asien in Stuttgart sein. Probleme sind dennoch zu erwarten.

Weder die Zusatzbelastung beim Confed-Cup noch der Einstieg in den Trainingsbetrieb sei zwar problematisch, versichert Papadopoulos. „Aber im August könnte es schwierig werden.“ Denn dann stehen für den VfB in Europa League, Pokal und Bundesliga gleich acht Pflichtspiele an, dazu kommt ein Länderspiel für die Nationalspieler. Dass Okazaki und Sakai dann schon voll im Saft stehen, ist zumindest fraglich.

Um den Rückstand in Grenzen zu halten, folgt im Urlaub der passiven Regenerationsphase eine aktive, dann starten aufbauende Maßnahmen. Für Okazaki und Sakai ist das nichts Neues, es ist das gewohnte VfB-Programm. Sie werden sich also wie zu Hause fühlen – ganz egal, wo sie ihren Urlaub verbringen.

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